Hungerstreik in Berlin: Asylsuchende kollabieren vor Brandenburger Tor
Aktualisiert

Hungerstreik in BerlinAsylsuchende kollabieren vor Brandenburger Tor

Seit knapp einer Woche sind rund 30 Flüchtlinge vor dem Brandenburger Tor in einen Hungerstreik getreten. Für die Anerkennung ihrer Asylanträge demonstrieren sie bis zum Kreislaufkollaps.

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bee/jbu

Menschen liegen im strömenden Regen am Boden, Helfer decken sie mit Wärmedecken zu. Schaulustige stehen mit bunten Regenschirmen daneben, rund ein Dutzend Feuerwehr-, Ambulanz- und Polizeiautos fahren vor. Vor dem Brandenburger Tor in Berlin sind am Dienstag sieben Flüchtlinge zusammengebrochen. Sie mussten mit Kreislaufproblemen ins Spital eingeliefert werden, wie ein Feuerwehrsprecher gegenüber Spiegel Online sagte.

Die Patienten gehören zu einer Gruppe von 29 Asylsuchenden, die bereits seit einer Woche mit einem Hungerstreik für die Anerkennung ihrer Asylanträge demonstrieren. Schon am Wochenende haben vier Flüchtlinge einen Schwächeanfall erlitten. Weil sie kein Gehör fanden, hörten die Asylsuchenden am Montag auch auf zu trinken. Weitere Kreislaufzusammenbrüche waren die Folge.

«Sie riskieren hier ihr Leben»

Die Politik ist alarmiert. Als es zu den Notfällen kam, informierte sich Bernd Riexinger, Bundesvorsitzender der Linken, gerade bei den Flüchtlingen. Der Protest zeige, wie verzweifelt die Asylbewerber sein müssten. «Sie riskieren ihr Leben», sagte er dem «Focus». Riexinger fordert ein politisches Umdenken. «Es kann nicht sein, dass der reichste Kontinent nicht in der Lage ist, Flüchtlinge aufzunehmen und ein Mindestmass an Humanität zu erfüllen. Das ist schon tragisch.»

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) appellierte an die Flüchtlinge, sich den Risiken nicht länger auszusetzen und forderte sie auf, den Hungerstreik zu beenden. Eine Räumung der Mahnwache sei hingegen nicht geplant, aber die gesundheitliche Lage der Männer sei sehr ernst.

Demonstranten wollen weiter ausharren

Trotz der Strapazen wollen die übrig gebliebenen Demonstranten weiter vor dem Brandenburger Tor ausharren – unter freiem Himmel. Ein Camp wurde der Gruppe nicht erlaubt. Ein Zelt, das die Feuerwehr nach den Zusammenbrüchen aufstellen wollte, lehnte die Gruppe ab.

Die Rettungskräfte bleiben vor Ort – sie schliessen nicht aus, dass weitere Personen kollabieren. «Wenn es so weitergeht und die Politik nicht reagiert, könnte das ein schwarzes Kapitel der deutschen Geschichte werden», warnt der Sprecher der Flüchtlingsgruppe, ein Mann aus Pakistan.

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