Aktualisiert 08.12.2008 22:32

KrawalleAthen brennt

Rund 48 Stunden nach dem Tod eines 15- jährigen Schülers sind die Krawalle in Griechenland weiter eskaliert. Die Polizei schien am Montagabend nicht mehr Herr der Lage. Rund 4000 Autonome nahmen praktisch das Athener Stadtzentrum ein. Auch in andern Städten halten die Krawalle an.

Gewalttätige Demonstranten verwüsteten alles, was ihnen in den Weg kam, berichteten griechische Medien. Entlang der drei grossen Einkaufsstrassen Panepistimiou, Stadiou und Skoufa sowie rund um den zentralen Syntagmaplatz brannten nahezu alle Geschäfte.

Gewalttätige Demonstranten erreichten am Abend auch den eleganten Kolonaki-Platz, wo viele Politiker des Landes wohnen und zerstörten auch dort alle Geschäfte. Passanten flohen in Panik in alle Richtungen. Die Polizei setzte massiv Tränengas ein, was aber ohne merkbare Wirkung auf die Randalierer blieb.

Verzweifelte Besitzer zerstörter Geschäfte liefen mit Tränen in den Augen um Hilfe. Die Feuerwehr war jedoch an einem Eingreifen gehindert, weil der wütende Mob die Einsatzfahrzeuge mit Brandflaschen attackierten. Auch der etwa 20 Meter hohe Weihnachtsbaum der Stadt Athen wurde angezündet und brannte lichterloh.

Der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis berief für die Nacht eine Sondersitzung des Ministerrates ein. An diesem Dienstag wollte er sich mit Staatspräsident Karolos Papoulias und den Vorsitzenden der griechischen Parteien treffen. Ein Regierungssprecher dementierte hingegen Gerüchte, dass ein landesweiter Ausnahmezustand ausgerufen werden könnte.

Keine Ende in Sicht

Zu der Demonstration hatte die kleine griechische Partei Bündnis der Radikalen Linken (SYRIZA) aufgerufen. Auch in zahlreichen weiteren Städten Griechenlands kam es erneut zu Krawallen. In der zweitgrössten Stadt Thessaloniki wurde bei einem Brandanschlag auf eine Polizeiwache ein Beamter verletzt.

Linksgerichtete Gruppen kündigten für die kommenden Tage weitere Demonstrationen an. Bei den Protesten handelt es sich nach Polizeiangaben um die «grösste jemals in Griechenland gesehene Anti-Polizei-Welle». Bisher wurden mehr als 40 Menschen verletzt. Dutzende wurden festgenommen.

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Regierung Karamanlis wankt

In fast allen Landesteilen Griechenlands blieben am Montag die Schulen geschlossen. Das Kultusministerium erklärte den Dienstag zum Tag der Trauer. Ministerpräsident Kostas Karamanlis versprach, die Verantwortlichen für den Tod des Jungen zur Rechenschaft zu ziehen. «Wir werden alles tun, damit diese Tragödie sich nicht wiederholt», sagte Karamanlis in einer Fernsehansprache.

Für die Ausschreitungen am Wochenende machte er «extreme Elemente» verantwortlich. «Deren einziges Motiv ist die Gewalt und die Zerstörung», sagte der konservative Regierungschef.

Für Karamanlis wird die Lage zusehends ernst. Seine konservative Regierungspartei Nea Dimokratia (ND) verfügt im Parlament nur noch über eine hauchdünne Mehrheit von einem Abgeordneten. Angesichts der Krawalle wird die Forderung nach vorgezogenen Neuwahlen immer lauter. Die verheerende Lage im Gesundheits- und Sozialwesen, Korruptionskandale und die Folgen der Finanzkrise machen der Regierung zusätzlich zu schaffen.

Ermittlung wegen Totschlags

Der 37-jährige Polizist, der am Samstagabend den tödlichen Schuss auf den Schüler abgegeben haben soll, sagte aus, er habe lediglich drei Warnschüsse abgefeuert. Der Jugendliche sei von einem Querschläger getroffen worden.

Die Staatanwaltschaft ermittelt dagegen wegen vorsätzlicher Tötung. Einem weiteren Beamten wird Mittäterschaft vorgeworfen. Die beiden Polizisten sitzen in Untersuchungshaft.

Die Proteste schwappten am Montag auch nach Deutschland über. In Berlin drangen etwa 15 Personen in das griechische Generalkonsulat ein und besetzten das Gebäude während rund acht Stunden. (sda)

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