Griechenland vor dem Ruin: Athen verbreitet Optimismus
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Griechenland vor dem RuinAthen verbreitet Optimismus

Angesichts des in Kürze drohenden Staatsbankrotts von Griechenland gibt sich Ministerpräsident Giorgos Papandreou zuversichtlich: «Yes, we can», lautet seine Botschaft an die Euroländer.

«Wir sind kein armes Land, wir waren ein schlecht gemanagtes Land», sagte der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou  auf dem Kongress des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) in Berlin.

«Wir sind kein armes Land, wir waren ein schlecht gemanagtes Land», sagte der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou auf dem Kongress des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) in Berlin.

Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou glaubt, die Krise seines Landes überwinden zu können. «Yes, we can», sagte er am Dienstag auf dem Kongress des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) in Berlin. «Wir sind kein armes Land, wir waren ein schlecht gemanagtes Land», fügte Papandreou hinzu. «Ich kann garantieren, dass Griechenland seine Verpflichtungen erfüllen wird. Griechenland wird wieder zu Wachstum und Wohlstand zurückkehren nach dieser Periode der Schmerzen.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lobte ausdrücklich die Sparanstrengungen Griechenlands. Sie habe «absoluten Respekt» vor den Strukturreformen, die das Land auf den Weg gebracht habe. Das Allerwichtigste sei jetzt, dass Griechenland wieder Vertrauen gewinne. Was Deutschland dazu leisten könne, werde es leisten, und zwar im Sinne von Freundschaft und Partnerschaft und nicht im Sinne des Aufoktroyierens.

Aus der Krise eine Gelegenheit machen

Papandreou sagte, sein Land habe in diesem Jahr den Export um 40 Prozent steigern können. Es wolle auch Photovoltaik-Anlagen bis zu 10.000 Megawatt installieren und den Strom exportieren, zum Beispiel nach Deutschland, denn in Griechenland scheine die Sonne 50 Prozent länger als hierzulande. Es gehe darum, aus der Krise eine Gelegenheit zu machen. Sein Land setze nun Reformen um, die es jahrzehntelang nicht geschafft habe.

Die Kritik an seinem Land sei aber «frustrierend für die Griechen». Es gehe nicht um Applaus, sondern «um Respekt für die Fakten». Griechenland habe sein öffentliches Defizit 2010 um fünf Prozentpunkte der Wirtschaftsleistung verringert. Das sei die grösste historische Sanierungsleistung eines Euro-Landes überhaupt. 2011 seien weitere drei Prozentpunkte geplant. 2012 wolle der Staat einen Haushaltsüberschuss ohne Zinszahlungen erreichen.

«Geschäfte machen, nicht Krieg»

Die Steuerzahler hätten enorme Opfer gebracht. «Ob ich wiedergewählt werde oder nicht, ist nicht mein Problem», sagte Papandreou unter dem Beifall der Manager. Er wolle einen Wandel für Griechenland.

Sein Land sei dankbar für die Hilfe, die es aus Europa erhalte. «Es geht nicht darum, in vergangene Fehler zu investieren, sondern in zukünftigen Erfolg.» Europa habe aus blutigen Fehlern gelernt. «Europa hat entschieden, Geschäfte zu machen, nicht Krieg.»

(dapd)

Keine Entscheidung am Montag

Der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker hat die Freigabe der nächsten Griechenland-Kredittranche auf der Eurogruppensitzung am kommenden Montag ausgeschlossen. Die Euro-Finanzminister würden dann noch nicht entscheiden, «denn bis dahin wird die Troika ihren Bericht noch nicht vorgelegt haben», sagte Juncker am Dienstag vor dem EU-Parlament in Straßburg.

Die Experten von EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank waren vor dreieinhalb Wochen aus Athen abgereist. Nach Angaben des griechischen Finanzministeriums kehrt die Troika noch in dieser Woche nach Griechenland zurück, um ihre Prüfung fortzusetzen. Ohne die sechste Tranche an Notkrediten von acht Milliarden Euro droht Athen im Oktober die Pleite.

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