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«Atlantis» auf dem Rückflug

Die «Atlantis» ist auf dem Rückweg zur Erde: Die US-Raumfähre legte am Sonntag wieder von der Internationalen Raumstation (ISS) ab und trat die lange Reise nach Hause an.

«Die Besatzung der 'Atlantis' fliegt los», funkte der ISS-Bewohner Jeff Williams zur Bodenkontrolle in Houston. Die Raumfähre wurde gesteuert von Chris Ferguson, der in knapp 150 Metern Entfernung noch einmal um die ISS herumflog, damit die Astronauten Bilder von ihrer erfolgreichen Arbeit der vergangenen sechs Tage machen konnten.

Die sechs Astronauten hatten gemeinsam neue Sonnensegel an der ISS montiert, die die Stromversorgung verbessern sollen. Zuletzt war eine Kühlung angebracht worden, die später die Hitze der Elektronik der neuen Sonnensegel abfangen soll. Dazu muss aber erst die Verkabelung erneuert werden, was die nächste Raumfähren-Besatzung im Dezember machen wird. Die NASA und ihre internationalen Partner hatten zuletzt vor einigen Jahren einen vollständigen Überblick über die ISS erhalten, die sich inzwischen deutlich verändert hat. Die «Atlantis» soll am Mittwoch auf der Erde landen.

Gleichzeitig bereiteten in Kasachstan Ingenieure den Start einer Sojus-Kapsel zur ISS vor. Sie montierten am Samstag die Rakete auf ihrer Abschussrampe und testeten am Sonntag ein letztes Mal die Systeme. Die Sojus-Kapsel sollte am Montag den Kosmonauten Michail Tjurin und den Astronauten Michael Lopez-Alegria gemeinsam mit der ersten Weltraumtouristin Anousheh Ansari ins All bringen. Der Start war für 06.09 Uhr (MESZ) geplant. Tjurin und Lopez-Alegria ersetzen die derzeitige ISS-Besatzung aus Pawel Winogradow und Jeffrey Williams, die am 27. September gemeinsam mit Ansari zur Erde zurückfliegen werden. Der deutsche ESA-Astronaut Thomas Reiter bleibt in der Raumstation und arbeitet weiter an ihrem Ausbau mit.

Die im Iran geborene US-Bürgerin Ansari erfüllt sich mit dem Flug kurz nach ihrem 40. Geburtstag einen Kindheitstraum. Sie erklärte am Sonntag in einer Abschlusspressekonferenz, sie wolle als Botschafterin für private Investitionen in die Raumfahrt werben. Ansari verwies darauf, dass die Technik der «Sojus»-Kapsel in den vergangenen Jahrzehnten nicht deutlich weiter entwickelt worden sei. Für grosse Fortschritte bei der Entdeckung des Weltraums mussten private Investoren und Regierungen zusammenarbeiten.

Ansari zahlte für ihren Flug 20 Millionen Dollar (16 Millionen Euro). Sie will jedoch nicht als Touristin gesehen werden. In der offiziellen russischen Sprachregelung wird sie als Teilnehmerin der Mission bezeichnet. Und das zu Recht, schliesslich betreut Ansari an Bord vier medizinische und mikrobiologische Experimente der ESA.

Ursprünglich sollte die Kapsel schon am 14. September vom Kosmodrom Baikonur die Reise ins All antreten. Auf Grund der Startprobleme der «Atlantis» verlegte die russische Raumfahrtbehörde jedoch das Startdatum auf den 18. September. Das war zugleich der äusserste Termin, denn das derzeit an die ISS angekoppelte Rettungsraumschiff ist nur für 200 Tage zertifiziert. Danach können entscheidende technische Geräte ausfallen, wie die Europäische Raumfahrtbehörde ESA erklärte. Kurz vor dem Verfallsdatum muss also eine neue Besatzung eine neue Kapsel zur Station bringen. Eine solche Austauschmission wird auch als Taxi-Flug bezeichnet. (dapd)

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