Gestohlener Laster entdeckt: Atom-Material gefunden - Diebe schon tot?
Aktualisiert

Gestohlener Laster entdecktAtom-Material gefunden - Diebe schon tot?

Der in Mexiko gestohlene Laster mit radioaktivem Kobalt-60 ist wieder aufgetaucht – mit geöffnetem Schutzbehälter. Die Diebe würden noch zwischen einem und drei Tagen leben, so Experten.

von
jam

Sie hatten es auf den mit einem Kran ausgestatteten Lastwagen abgesehen. Deswegen überwältigten zwei Männer im mexikanischen Bundesstaat Hidalgo den Fahrer des Lasters an einer Tankstelle. Sie liessen ihn gefesselt auf einer Brache zurück und hauten mit dem Lastwagen ab. Was die Diebe nicht wussten: Der Transporter hatte radioaktives Material aus dem Medizinbereich geladen, gefährliches Kobalt-60 (20 Minuten berichtete).

Die strahlende Ladung wurde jetzt im Zentrum des Landes wieder gefunden, wie die Zeitung «El Universal» unter Berufung auf die Behörde für nukleare Sicherheit (CNSNS) berichtet.

Räuber nahmen Atom-Material heraus

Die Räuber hätten den Metallbehälter geöffnet und das radioaktive Material entnommen, sagte der CNSNS-Physiker Mardonio Jiménez der Nachrichtenagentur DPA. «Diese Leute hatten nicht die geringste Ahnung, was sie da rausgeholt haben. Anscheinend waren es keine Spezialisten.»

Gefunden wurde der Behälter nahe der Kleinstadt Hueypoxtla, rund 20 Kilometer entfernt vom Ort, an dem der Laster geklaut wurde. Rund um den Fundort würden sich keine Anwohner befinden, weshalb von keiner Gefährdung der Menschen ausgegangen werden müsse. Auch eine Evakuierung der Bevölkerung sei nicht notwendig, hiess es. Das radioaktive Material wurde mehr als 500 Meter entfernt auf einem Feld sichergestellt.

Noch ein bis drei Tage zu leben

Bislang sei unklar, wie viele Menschen mit der strahlenden Substanz in Kontakt kamen, sagte Jiménez. Spezialisten würden nun die Strahlung am Fundort messen. Bislang sei die Situation unter Kontrolle. Polizei und Streitkräfte sperrten den Fundort weiträumig ab. Unklar ist auch, ob die Ermittler die gesamte Kobalt-Menge gefunden haben. Laut CNN hätten die Behörden mitgeteilt, sie seien nicht sicher, ob alles gefunden werden konnte.

Für die Diebe hingegen dürfte die Aktion weniger glimpflich ausgehen. Gemäss Nuklearspezialist Jiménez würden sich diese in akuter Lebensgefahr befinden, zumal davon ausgegangen werden muss, dass sie mit dem Material in Kontakt gekommen sind. In diesem Fall hätten sie noch zwischen einem und drei Tagen zu leben.

Zur Krebstherapie

Nach dem Diebstahl des Lastwagens mit seiner strahlenden Ladung hatten die mexikanischen Behörden die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) informiert. Das eigentlich für medizinische Zwecke gedachte Material ist laut IAEA «extrem gefährlich».

Das radioaktive Material sollte von einem Spital bei Tijuana in ein Zentrum für radioaktive Abfälle gebracht werden, als es in Tepojaco bei Mexiko-Stadt gestohlen wurde.

Der Gesundheitsminister von Hidalgo, Pedro Luis Noble, sagte örtlichen Medien, das radioaktive Material könne einen Menschen töten, der vier Minuten der Strahlung ausgesetzt sei.

Tote in Thailand und Brasilien

Tödliche Zwischenfälle mit Kobalt-60 gibt es immer wieder: Im Jahr 2000 waren bei einem Unfall mit Kobalt-60 im thailändischen Samut Prakarn drei Menschen ums Leben gekommen. Die Schrottsammler hatten einen Behälter mit dem radioaktiven Material geöffnet und waren der Strahlung ausgesetzt worden.

Im brasilianischen Goiania starben 1987 vier Menschen, als ein ähnliches medizinisches Gerät als Schrott verkauft und aufgebrochen wurde. 249 Menschen wurden bei dem Unglück verstrahlt.

Experten warnen seit langem vor der Gefahr radioaktiven Materials, das nur schlecht gesichert in Spitälern, auf dem Gelände von Hochschulen und auf dem Gelände mancher Firmen gelagert wird.

24 Fälle von gestohlenem oder verlorenem Atom-Material

Im vergangenen Jahr wurden der IAEA 17 Zwischenfälle bekannt, bei denen strahlendes Material in unbefugte Hände gelangte oder zum Verkauf angeboten wurde. Daneben gab es 24 Fälle, in denen solches Material gestohlen wurde oder verloren ging.

Besondere Gefahrengebiete sind Gebiete, die früher zur Sowjetunion gehörten, darunter Tschetschenien, Georgien und Moldawien. Dort wurden 2011 mehrfach Verdächtige festgenommen, die waffenfähiges Uran verkaufen wollten.

Besondere Gefahrengebiete sind Gebiete, die früher zur Sowjetunion gehörten, darunter Tschetschenien, Georgien und Moldawien. Dort wurden 2011 mehrfach Verdächtige festgenommen, die waffenfähiges Uran verkaufen wollten.

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