Aktualisiert 04.02.2004 14:16

Atombomben-Profi plaudert - öffentliche Entschuldigung

Der Begründer des pakistanischen Atomprogramms hat sich öffentlich dafür entschuldigt, geheime Nukleartechnologie an das Ausland weitergegeben zu haben.

Abdul Qadeer Khan bat am Mittwoch in einer Fernsehansprache um Verzeihung für seine Taten. Zuvor übernahm er bereits in einem persönlichen Gespräch mit Präsident Pervez Musharraf die volle Verantwortung für sein Vorgehen, wie das staatliche Fernsehen berichtete.

Aus Regierungskreisen verlautete, Khan und der Präsident seien auf Wunsch des Wissenschaftlers in Rawalpindi nahe der Hauptstadt Islamabad zusammengetroffen. Khan habe ein «Gnadengesuch» an Musharraf gestellt und auf seine Verdienste für das pakistanische Atomprogramm verwiesen, hiess es im Bericht des Fernsehsenders PTV.

Laut offiziellen Angaben war Khan in den vergangenen Tagen bereits mit anderen hohen Regierungsvertretern zu Gesprächen zusammengekommen. Aus Geheimdienstkreisen verlautete, Khans Entschuldigung deute darauf hin, dass die Regierung ihn nicht zur Verantwortung ziehen wolle.

Khan sagte dem PTV-Bericht zufolge, Musharraf habe sich ihm gegenüber «extrem freundlich und verständnisvoll» gezeigt. Der Präsident habe jedoch zugleich erklärt, die jüngsten Enthüllungen über die Weitergabe geheimer Atomtechnologie an Iran, Libyen und Nordkorea hätten ganz Pakistan schwer traumatisiert. Khans Erklärung war seine erste öffentliche Stellungnahme seit Beginn der Ermittlungen gegen ihn vor mehr als zwei Monaten.

Musharraf will in den kommenden Tagen nach Beratungen bekannt geben, welche Massnahmen gegen Khan und sechs seiner Mitarbeiter in dem Fall ergriffen werden sollen. Khan war am Samstag seines Amtes enthoben worden und steht seitdem unter Hausarrest. Nach Angaben aus Regierungskreisen hatte er zuvor in einer schriftlichen Erklärung den eigenmächtigen Verkauf von Nukleartechnologie in den späten 80er und frühen 90er Jahren eingeräumt.

Die Ermittlungen gegen Khan, der als Volksheld verehrt wird, und seine Mitarbeiter wurden im November eingeleitet. Damals hatte Iran der Internationalen Atomenergiekommission (IAEA) Informationen über sein Nuklearprogramm übermittelt. (dapd)

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