US-Regierung: Atomforscher arbeitete «seit Jahren» für CIA
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US-RegierungAtomforscher arbeitete «seit Jahren» für CIA

Im Propagandakrieg um einen iranischen Atomforscher schlagen die Amerikaner zurück: Schahram Amiri habe dem US-Geheimdienst seit Jahren Informationen geliefert.

von
pbl
Schahram Amiri mit Sohn vor den Medien in Teheran.

Schahram Amiri mit Sohn vor den Medien in Teheran.

Wie ein Held wurde Schahram Amiri am Donnerstag bei seiner Rückkehr nach Teheran empfangen. Vor den Medien bekräftigte der Atomwissenschaftler seine Vorwürfe, er sei im Juni 2009 auf einer Pilgerreise nach Saudi-Arabien in die USA entführt und von der CIA körperlich und geistig gefoltert worden. Man habe von ihm verlangt, Propaganda gegen sein Heimatland zu betreiben und ihm 50 Millionen Dollar geboten, so Amiri.

Die Regierung in Washington bestreitet die Vorwürfe. Nach ihren Angaben war Schahram Amiri freiwillig in den USA und ein Überläufer, der später seine Meinung änderte und wieder in die Heimat wollte, vermutlich weil seine Familie von den iranischen Behörden bedroht wurde. Dennoch gilt Amiris Rückkehr als grosser Propagandaerfolg für den Iran im Streit um sein Atomprogramm und als peinlicher Rückschlag für die USA.

«Bedeutende Informationen geliefert»

Doch nun schlagen die Amerikaner zurück. Am Donnerstag berichtete die «Washington Post», der Geheimdienst CIA habe Schahram Amiri fünf Millionen Dollar bezahlt. Nun doppeln namentlich nicht genannte Regierungs- und Geheimdienstkreise in der «New York Times» nach: Der Atomforscher soll seit mehreren Jahren ein Informant der CIA gewesen sein, also lange vor seinem Absprung in die USA. Amiri habe «bedeutende und grundlegende» Informationen über geheime Aspekte des Atomprogramms geliefert.

Als Strahlenexperte sei Amiri nicht direkt am Bau von Atomwaffen beteiligt gewesen. Er habe jedoch an der Malek-Aschtar-Universität in Teheran gearbeitet und mitgeholfen, die mit den Revolutionsgarden verbundene Hochschule als heimliches Hauptquartier für den militärischen Teil des Atomprogramms zu identifizieren. Ausserdem sei er eine der Quellen für einen umstrittenen Geheimdienstbericht aus dem Jahr 2007 gewesen, der zum Schluss gekommen war, der Iran habe 2003 die Entwicklung von Atomwaffen gestoppt.

Ein Held oder nicht?

Wie und warum Schahram Amiri in die USA überlief, geht aus dem «New York Times»-Artikel nicht hervor. Unklar ist auch, ob er seine Frau und seinen Sohn mitnehmen wollte. Sollten sich der Bericht als wahr erweisen, könnte es für ihn bald ungemütlich werden. Der iranische Aussenminister Manutschehr Mottaki gab am Donnerstag einen Vorgeschmack: «Wir müssen herausfinden, was in den letzten zwei Jahren geschehen ist, ob er entführt wurde oder nicht. Dann werden wir entscheiden, ob er ein Held ist oder nicht.»

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