Aktualisiert 26.10.2010 12:16

Iran

Atomkraftwerk mit Brennstoff bestückt

Der Iran hat damit begonnen, sein erstes Atomkraftwerk mit nuklearem Brennstoff zu bestücken. Insgesamt werden in Buschehr über 160 Brennelemente eingesetzt.

Im August hatte das Land mit Hilfe Russlands den Meiler nahe der Stadt Buschehr in Betrieb genommen. Im September war bekanntgeworden, dass Buschehr vermutlich Ziel einer Cyber-Attacke durch den Computer-Schädling Stuxnet war.

Offen blieb das Ausmass der Schäden im Atomkraftwerk, dessen Bau vor Jahrzehnten von der deutschen Firma Siemens begonnen worden war, und das dann mit russischer Hilfe fertiggestellt wurde.

Viele der Kontrollsysteme für die iranischen Industrieanlagen, auch in Buschehr, stammten von Siemens, und Stuxnet greife speziell diese Systeme an.

Ursprünglich war geplant, die Brennelemente aus Russland schon im September unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA einzusetzen. Wegen technischer Probleme musste dies aber verschoben werden.

Nach iranischen Angaben soll der Atomreaktor nun zum Jahresbeginn 2011 Strom produzieren und ans Netz gehen. Der Westen argumentiert, wegen der Brennstoff-Lieferungen aus Russland gebe es für den Iran keinen Anlass mehr, selbst Uran anzureichern. Der Iran steht im Verdacht, heimlich Atomwaffen zu entwickeln.

Vom Schah angeordnet

Der Bau des ersten iranischen Atomkraftwerks Buschehr begann vor mehr als drei Jahrzehnten und wurde noch von Schah Mohammed Resa Pahlewi angeordnet.

Der Schah ordnete in den 1970er Jahren den Bau eines Atomkraftwerks mit zwei 1200-Megawatt-Reaktoren an. Den Auftrag erteilte er dem deutschen Siemens-Konzern. Dieser machte sich gemeinsam mit der AEG-Telefunken 1975 ans Werk.

Doch mit der Islamischen Revolution 1979 und dem darauffolgenden Krieg zwischen dem Iran und dem Irak (1980 bis 1988) verfolgte Teheran das Projekt vorerst nicht weiter. Erst nach dem Tod von Ayatollah Khomeini 1989 wandte sich die iranische Führung wieder dem Vorhaben zu.

Doch die Suche nach Partnern war für das vom Westen misstrauisch beäugte Land schwierig, die Deutschen lehnten ab. Schliesslich erklärte sich Russland bereit, die Anlage fertigzustellen, ein Vertrag über ein Volumen von einer Milliarde Dollar wurde 1995 unterzeichnet.

Das Projekt sieht jetzt nur noch einen Druckwasserreaktor mit einer Stärke von 1000 Megawatt vor. Für dessen Betrieb ist angereichertes Uran nötig, das auch zum Bau von Atomwaffen verwendet wird. Gemäss Vertrag soll Russland den nuklearen Brennstoff für die Anlage liefern und der Iran das gebrauchte Material nach Russland zurückschicken.

(sda)

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