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MonstersturmAtomkraftwerk wegen «Nemo» abgeschaltet

Der gigantische Wintersturm «Nemo» hat im Osten der USA und in Kanada mindestens sechs Menschen das Leben gekostet und das öffentliche Leben weitgehend lahmgelegt.

von
bem

Rund drei Monate nach Supersturm «Sandy» wütet wieder ein schweres Unwetter an der US-Ostküste. Heftige Schneefälle, verwaiste Strassen, Stromausfälle und gestrichene Flüge sind die Folge. Mindestens sechs Menschen sollen gestorben sein. Über die von 25 Millionen Menschen bewohnte Region zwischen New York und Boston fegten in der Nacht auf Samstag heftige Schneefälle mit orkanartigen Winden hinweg. Binnen weniger Stunden fiel ein Meter Schnee.

Fluglinien strichen mehr als 5300 Flüge. Autofahrer mussten die Nacht auf unpassierbaren Strassen verbringen, Hausbewohner konnten ihre Türen wegen der Schneemassen nicht mehr öffnen. Mehr als 650 000 Haushalte und Geschäfte waren ohne Strom. Schuld war der nasse, schwere Schnee sowie Eisregen im Zusammenspiel mit dem Sturm.

Im Süden Ontarios starb eine 80-Jährige beim Schneeräumen. Ein Fussgänger in Connecticut wurde während des Sturms von einem Fahrzeug erfasst und tödlich verletzt. Ein 23-jähriger New Yorker starb, als er während des Schneefegens von einem Lastwagen erfasst wurde, der von der Strasse abgekommen war. Drei weitere Todesfälle gab es in Kanada.

AKW abgeschaltet

Der schwere, nasse Schnee und der heftige Wind mit gefühlten Temperaturen von bis zu minus 32 Grad habe vor allem im Staat Massachusetts die Stromleitungen beschädigt, berichtete der Sender NBC. Dort hätten in der Nacht zum Samstag rund 400'000 Kunden keinen Strom mehr gehabt.

Auch in Rhode Island und Connecticut sassen Zehntausende im Dunkeln und in der Kälte. Laut «New York Times» wurde das Atomkraftwerk in Plymouth am Freitagabend abgeschaltet, da die Stromversorgung von aussen unterbrochen worden war. Es bestand keine Gefahr für die Bevölkerung, wie die Behörden erklärten. Am Samstagmorgen konnte der Strom in manchen Gegenden wieder hochgefahren werden, wie der Sender CNN meldete.

Fahrverbot wegen Eisglätte

«Nemo» forderte mindestens ein Todesopfer. Eine 18 Jahre alte Autofahrerin habe auf schneebedeckter Strasse in Poughkeepsie (US-Staat New York) die Kontrolle über ihren Wagen verloren und einen Fussgänger überfahren, berichtete CNN. Der 74 Jahre alte Mann starb im Spital.

Angesichts der Glätte wurde für den gesamten Bundesstaat Massachusetts ein Fahrverbot verhängt. Wer trotzdem ins Auto stieg, konnte mit bis zu 500 Dollar Strafe belegt werden - oder mit einem Jahr Gefängnis.

Ein Grund für den dramatischen Schritt seien die Erfahrungen bei dem grossen Blizzard von 1978 in den Neuengland-Staaten, hiess es. Damals blieben zahlreiche Autofahrer auf den Highways liegen. Auch in Connecticut galt am Samstag ein Fahrverbot.

Rettungskräfte wegen «Sandy» vorbereitet

In der Millionenmetropole New York schneite es heftig. Räumfahrzeuge waren im Dauereinsatz. «Wir haben bei uns das Schlimmste verhindern können», sagte Bürgermeister Michael Bloomberg am Samstagvormittag.

In seiner Stadt habe es unter den teilweise immer noch in Notunterkünften untergebrachten «Sandy«-Opfern keine neuen Notfälle gegeben. Bloomberg und einige Fernsehkommentatoren führten die vergleichsweise geringen Schäden auch auf die lange Vorbereitungszeit und das Einsetzen von «Nemo» am Wochenende zurück. (bem/sda)

Swiss annulliert weitere Flüge

Wegen Schneesturm «Nemo» hat die Swiss auch am Samstag mehrere Flüge von der Schweiz an die Ostküste der USA annulliert oder bis auf Weiteres verschoben. Gestrichen wurde ein Flug von Zürich nach New York und eine weiterer von Zürich nach Boston.

Weitere Verbindungen von Zürich und von Genf an die Ostküste mussten bis auf Weiteres verschoben werden, wie eine Swiss-Sprecherin am Samstagmorgen auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Die Fluggesellschaft hofft, dass die Abend-Verbindungen wieder pünktlich starten können.

Am Freitag wurden insgesamt 12 Swiss-Flüge gestrichen. Die 2000 Passagiere, die deswegen in der Schweiz strandeten, mussten die Nacht im Hotel verbringen. Sie dürften eine zweite Nacht dort schlafen müssen, da umbuchen auf einen anderen Flug kaum möglich ist. Die Übernachtungskosten trägt die Swiss.

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