Atomstreit: «US-Drohungen sind Öl ins Feuer»
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Atomstreit: «US-Drohungen sind Öl ins Feuer»

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed el-Baradei, sieht keine Beweise dafür, dass der Iran Atomwaffen baut.

«Ich habe keinerlei Informationen bekommen, dass dort derzeit ein konkretes aktives Atomwaffenprogramm im Gange ist», sagte der IAEA-Chef am Sonntag dem US-Nachrichtensender CNN. Zugleich warnte er, die Drohungen der USA bedeuteten nur weiteres «Öl ins Feuer».

Selbst wenn der Iran sich daranmache, Atomwaffen herzustellen, dann sei er «mindestens noch mehrere Jahre» davon entfernt, tatsächlich über solche Waffen zu verfügen. Zum jetzigen Zeitpunkt komme es darauf an, im Atomstreit mit dem Iran mit «kreativer Diplomatie» vorzugehen. «Ich sehe keine andere Lösung als Diplomatie und Inspektionen», sagte El-Baradei.

Die USA hatten ihre Sanktionen gegen den Iran am Donnerstag verschärft. Von den neuen Sanktionen sind die iranischen Revolutionswächter und deren Eliteeinheit, die El-Kuds-Truppen, betroffen. Die USA verdächtigen den Iran, mit dem Aufbau seines Atomprogramms den Bau von Nuklearwaffen anzustreben.

Aufklärung zum Angriff auf Syrien

El-Baradei forderte auch Aufklärung über den mysteriösen israelischen Luftangriff in Syrien anfang September. Bisher hätten weder Israel noch die USA Beweise dafür vorgelegt, dass es sich bei dem Ziel um eine geheime Atomanlage gehandelt habe.

Generell sei es Aufgabe seiner Einrichtung, Hinweisen über mögliche Atomprogramme nachzugehen. Erst zu bombardieren und dann Fragen zu stellen, bringe keine Lösung.

Israel hat Berichte über einen Luftangriff auf ein syrisches Ziel am 6. September bisher nicht offiziell bestätigt. Nach Darstellung der Regierung in Ankara war an diesem Tag die israelische Luftwaffe in den türkischen Luftraum eingedrungen.

Indirekt bestätigt

Der israelische Regierungschef Ehud Olmert hat sich nach Angaben von Sonntag inzwischen bei seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan für eine mögliche Verletzung des Luftraumes entschuldigt. Dies könnte nach Ansicht von Beobachtern als indirekte Bestätigung für den Luftangriff gewertet werden.

Der Angriff soll sich nach Medienberichten gegen einen im Bau befindlichen Atomreaktor gerichtet haben. Die syrische Anlage sei nach dem Vorbild eines nordkoreanischen Meilers geplant worden, hatte die die «New York Times» unter Berufung auf US- Regierungsmitarbeiter berichtet.

Der Reaktor sei auf Satellitenbildern entdeckt und in israelischen sowie US-Geheimdienstberichten erwähnt worden.

(sda)

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