Schwerverletzter in Buchs SG: Attacke vor Club – «Alle schauten zu und filmten»
Aktualisiert

Schwerverletzter in Buchs SGAttacke vor Club – «Alle schauten zu und filmten»

Mehrere Männer haben im Februar 2011 vor einem Club in Buchs SG einen Besucher bewusstlos geschlagen und schwer verletzt. Vier mutmassliche Täter standen am Montag vor Gericht.

Das Kantonsgericht am St. Galler Klosterhof. (Bild: tob)

Das Kantonsgericht am St. Galler Klosterhof. (Bild: tob)

Die Staatsanwaltschaft wirft den vier Männern versuchte vorsätzliche Tötung vor und fordert Freiheitsstrafen von viereinhalb bis acht Jahren. Die Beschuldigten zeigten sich in der Berufungsverhandlung teilweise geständig, stritten teils aber auch ihre Beteiligung an der Tat ab. Bisweilen widersprachen sich die vier Männer krass.

Die Tat geschah während der Fasnacht Ende Februar 2011. Etwa um 4.30 Uhr in der Nacht kam es unter – mehrheitlich betrunkenen – Clubbesuchern zu Provokationen und einer Schlägerei. Ein Mann wurde dabei schwer verletzt: Mit gebrochenem Nasenbein, ausgeschlagenen Zähnen und einer irreparablen Augenverletzung wurde er ins Spital gebracht.

Auf bewusstloses Opfer eingeschlagen

Die Täter sollen ihr Opfer mit Fäusten, Knien und Füssen brutal traktiert haben. Auch als der Mann bewusstlos und mit blutendem Kopf am Boden lag und seine Freundin schrie «Sie bringen ihn noch um!» versetzten ihm die Angreifer weitere Fusstritte.

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland verurteilte Anfang 2014 und Anfang 2015 in mehreren Verfahren vier mutmassliche Täter: Einen heute 34-jährigen Kosovaren, einen 25-jährigen Serben und einen 23-jährigen Italiener sprach es der versuchten vorsätzlichen Tötung und weiterer Tatbestände schuldig.

Sie erhielten Freiheitsstrafen von acht, sechs und viereinhalb Jahren. Einen 28-jährigen Serben, der als Security-Mann ohne Bewilligung im Club arbeitete, verurteilte das Kreisgericht zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten.

Alle vier Verurteilten zogen den Fall ans Kantonsgericht weiter.

Staatsanwältin fordert höhere Strafen

Ihre Verteidiger forderten Freisprüche vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung und deutlich mildere Strafen. Die Staatsanwältin ihrerseits verlangte in ihrer Anschlussberufung härtere Strafen für drei Beschuldigte. Auch der Security-Mann sei wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu verurteilen.

Dieser gab in der Befragung vor Kantonsgericht zu, das Opfer geschlagen zu haben. «Das war ein riesiger Fehler», sagte er. Das Opfer habe ihn zuvor als «Scheiss-Jugo» und «Nuttensohn» beschimpft und provoziert. Danach habe er den Mann vor die Tür gestellt und sei zurück in den Club gegangen.

Als er später die Schlägerei vor dem Club bemerkte, sei das Opfer bereits am Boden gelegen. In diesem Moment habe er den Mann schützen wollen. Zwei der Mitbeschuldigten sagten allerdings aus, auch der Security-Mann habe auf das Opfer eingeschlagen. «Einer von ihnen lügt», stellte der Gerichtspräsident fest.

«Alle schauten zu und filmten»

Widersprüchlich waren auch die Aussagen über die Tatbeteiligung des Italieners. Er sei betrunken gewesen und habe dem Opfer helfen wollen. Alle anderen hätten nur zugeschaut und mit ihren Handys gefilmt. Er selber habe das Opfer nicht geschlagen, beteuerte der Italiener. Sein Verteidiger forderte eine bedingte Strafe.

Der Kosovare, den das Kreisgericht zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt hatte, zeigte sich vor Kantonsgericht teilweise geständig. «Ich stehe dazu, was ich gemacht habe. Es war blöd», sagte er. Er habe «nicht gedacht, dass es so schlimm war.»

Die Verteidigerin beantragte für den Mann eine Freiheitsstrafe von maximal zwei bis zweieinhalb Jahren. Das Kreisgericht habe – im Zusatz zu einem Urteil von 2011 wegen bandenmässigen Diebstahls – mit der Freiheitsstrafe von acht Jahren eine viel zu hohe Zusatzstrafe ausgesprochen.

Das Urteil des Kantonsgerichts steht noch aus. (sda)

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