Strafgericht BL: Attacke vor Gericht könnte 18-Jährigen die Aufenthaltsbewilligung kosten
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Strafgericht BLAttacke vor Gericht könnte 18-Jährigen die Aufenthaltsbewilligung kosten

Nach dem Schuldspruch gegen seine Mutter rächte sich am Dienstag der 18-jährige Sohn mit einem Faustschlag bei seinem Ex-Stiefvater. Kostet das den Teenager das Bleiberecht in der Schweiz?

von
Lukas Hausendorf
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Nach der Urteilsverkündung rächte sich der Sohn der Verurteilten beim Kläger mit der Faust.

Nach der Urteilsverkündung rächte sich der Sohn der Verurteilten beim Kläger mit der Faust.

20min/lukas hausendorf
Der Faustschlag führte beim Opfer zu einer Platzwunde und brach ihm die Nase.

Der Faustschlag führte beim Opfer zu einer Platzwunde und brach ihm die Nase.

20min/lukas hausendorf
Das Opfer wurde von der Ambulanz ins Spital gefahren. Der Täter brauste mit seiner Mutter im Wagen ihres neuen Partners davon.

Das Opfer wurde von der Ambulanz ins Spital gefahren. Der Täter brauste mit seiner Mutter im Wagen ihres neuen Partners davon.

20min/lukas hausendorf

Darum gehts

Es sah nur so aus, als wolle er dem Ex-Mann seiner Mutter die Hand reichen, da schlug er unvermittelt zu. Der rechte Haken traf den 56-Jährigen auf Höhe des linken Auges auf die Brille. Die Platzwunde an der Stirn musste genäht werden, die Nase ist gebrochen. «Er ist jähzornig», sagt der Geschädigte über den Sohn seiner Ex-Frau. Diese soll ihm vor der Attacke vor dem Gerichtsgebäude in Muttenz noch etwas ins Ohr geflüstert haben. Nach dem Angriff brauste er mit seiner Mutter im Wagen ihres neuen Partners mit Vollgas davon. 

Am Abend soll er sich bei der Aargauer Kantonspolizei gemeldet haben. Wohl auf Anraten eines Betreuers der Wohngemeinschaft, in der er lebt. Der 18-Jährige ist seit zwei Jahren dort platziert. In der Wohngemeinschaft ist Gewalt tabu. Jegliche körperliche und verbale Gewalt sei kein taugliches Mittel, Probleme oder Schwierigkeiten zu lösen. Seit 2016 schon ist der Teenager ein Fall für die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde und hat einen Beistand. Er wurde schon mehrfach gewalttätig, auch gegenüber seinem ehemaligen Stiefvater.

Seit einigen Jahren ist er leidenschaftlicher und laut seinem Ex-Stiefvater auch guter Boxer, der auch schon an Wettkämpfen teilgenommen hat. Die Attacke am Dienstag könnte für den jungen Mann, der in einem Spenglerbetrieb eine Lehre macht, weitreichende Folgen haben.

Aufenthaltsbewilligung ist an Bedingungen geknüpft

Zwar ist der Faustschlag ein Antragsdelikt und der Geschädigte ist sich noch nicht sicher, ob er ihn zur Anzeige bringt. Sein Anwalt hat ihm dazu geraten und Zeugen wurden von der Polizei bereits befragt. Der Schläger ist marokkanischer Staatsangehöriger. Gemäss eines Beschlusses der Baselbieter Regierung vom Februar 2021 ist sein Aufenthalt in der Schweiz schon jetzt an eine Integrationsvereinbarung geknüpft. Der «bz Basel» liegt das Dokument vor. Eine solche Vereinbarung kann das kantonale Migrationsamt einfordern, falls «ein besonderer Integrationsbedarf» besteht. Als Integrationsdefizit werden unter anderem «Verstösse gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung» angeführt.

Dies wäre im vorliegenden Fall der ausschlaggebende Grund für die Integrationsvereinbarung gewesen. «Deren Einhaltung stellt eine Bedingung für eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung dar. Wenn der Ausländerausweis abläuft, wird kontrolliert, ob die Bedingungen eingehalten wurden. Falls nicht, werden weitergehende Massnahmen wie die Wegweisung geprüft», führt Adrian Baumgartner, Direktionssprecher der Baselbieter Sicherheitsdirektion, auf Anfrage allgemein aus.

Eine Wegweisung könne aber nicht automatisch zur Anwendung kommen. Diese müsse einer Verhältnismässigkeitsprüfung unterzogen werden. Liegt eine Straftat vor, nimmt diese Prüfung das Strafgericht vor, sofern die delinquierende Person volljährig ist. Ob im vorliegenden Fall ein Härtefall vorliegt, ist fraglich, schliesslich ist der junge Mann in Marokko aufgewachsen und hat dort auch ein familiäres Netzwerk. 

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