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Attentäter auf Schweizer Chefredaktor als Märtyrer gefeiert

Der Selbstmord eines pakistanischen Studenten in deutscher Haft sorgt in Pakistan für wütende Proteste. Der Selbstmörder Amer Chema, der ein Attentat auf Roger Köppel - den Schweizer Chefredaktor der «Welt» - verüben wollte, wird als Held gefeiert.

Der pakistanische Student Amer Cheema war am 20. März festgenommen worden, weil er versucht haben soll, den Chefredakteur der Zeitung «Die Welt» wegen des Abdrucks der umstrittenen Mohammed-Karikaturen anzugreifen.Mit einem Messer bewaffnet war der in Deutschland studierende Mann ins Foyer des Axel-Springer-Gebäudes in Berlin eingedrungen und wurde dort erst durch die Polizei überwältigt. Gegenüber der Polizei hatte Cheema zugegeben, dass er den Chef der «Welt» wegen der Mohamed-Karikaturen angreifen wollte. Nach dem Vorfall sass Amer in Berlin-Moabit in U-Haft. Hier wurde er am vergangenen Mittwoch erhängt aufgefunden.

Der Vorfall wird in Pakistan seit Tagen mehr und mehr zum Politikum. Schon am Donnerstag beschuldigte der Vater des Toten, sein Sohn sei in der Haft gefoltert worden. Einen Tag später beschloss das pakistanische Parlament, den Fall eingehend zu untersuchen. Zeitungen und Fernsehsender griffen den Tod auf und berichteten laut Spiegel-online ausgiebig über Verdachtsmomente und Verschwörungstheorien, für die bisher keine Belege vorgebracht wurden. Die Proteste am Samstag könnten die Vorhut einer Welle von Demonstrationen sein.

Die Karikaturen, die zuerst in einer dänischen Zeitung erschienen und im Januar in anderen Ländern nachgedruckt worden, hatten weltweit Proteste ausgelöst, bei denen dutzende Menschen starben. Für viele Gläubige ist die Darstellung des Propheten Gotteslästerung. In Europa führte der Streit zu einer Debatte über die Verantwortung von Journalisten und die Grenzen der Pressefreiheit. Der «Welt»-Chefredakteur Roger Köppel hatte den Abdruck entschieden gerechtfertigt.

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