Neues Gutachten: Attentäter Breivik ist geistig gesund
Aktualisiert

Neues GutachtenAttentäter Breivik ist geistig gesund

Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik ist zurechnungsfähig. Dies halten Experten in einem zweiten Gutachten fest. Der Prozess gegen Breivik soll am 16. April beginnen.

von
uwb

Ein neues psychologisches Gutachten hält den norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik jetzt doch für geistig gesund. «Das Hauptergebnis der Experten ist, dass Anders Behring Breivik zum Zeitpunkt seiner Taten am 22. Juli 2011 nicht psychotisch gewesen ist», hiess es in der Erklärung des Gerichts. Das zweite Gutachten wurde von den Psychiatern Terje Toerrissen und Agnar Aspaas erstellt, das erste von Torgeir Husby und Synne Sörheim.

In einem eigens eingerichteten Raum im Gefängnis ist Breivik für das neue psychiatrische Gutachten rund um die Uhr beobachtet worden. Die Beobachtung dauerte drei Wochen. Die Ärzte arbeiteten dabei im Schichtdienst, Gefängniswärter standen für Notfälle bereit.

Der volle Bericht über Breivik ist vertraulich. Die Psychiater lehnten es ab zu erklären, warum sie zu einem anderen Ergebnis gekommen sind als ihre Kollegen im ersten Gutachten. Sie würden ihre Begründung abgeben, wenn sie ihre Aussage vor Gericht machten, erklärten sie.

Breivik im Blitzlichtgewitter

Paranoide Schizophrenie

In einem ersten Gutachten war bei Breivik eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert worden. Der Befund wurde von anderen Experten jedoch in Zweifel gezogen. Breivik hat den Doppelanschlag von Oslo und Utoya mit 77 Toten im Juli vergangenen Jahres eingeräumt, hält sich jedoch nicht im juristischen Sinne für schuldig.

Breivik hatte auf das erste Gutachten erzürnt reagiert und seine Psychiater in einem Brief an norwegische Medien der Lüge bezichtigt. Die Psychiater, die ihn im Gefängnis begutachtet hatten, hätten 80 Prozent ihrer Aussagen über ihn erfunden, hiess es dem Schreiben, aus dem die norwegische Zeitung «VG» Teile veröffentlicht hatte.

Breivik hält sich für zurechnungsfähig

Wie Breiviks Anwalt, Geir Lippestad in einem Interview gegenüber dem ZDF am Dienstag erklärte, es sei sehr schwer, Breivik zu beschreiben. Dass er nach dem Verlesen der Anklageschrift verlangt habe, den Medien zu kommunizieren, dass er «nichts bereue», erzählt sehr viel über ihn», findet Anwalt Lippestad. Breivik werde im Prozess auch seinem Bedaueren Ausdruck geben, dass er bei seinen Taten nicht weitergegangen sei, sagte Lippestad laut Agentur AFP.

Breivik glaube, so der Anwalt weiter, dass «sich Europa in einer Art Krieg befindet, einem Krieg zwischen dem muslimischen und dem christlichen Europa». Er glaube, dass das Opfer, das in Norwegen gebracht wurde – der Anschlag in Oslo und das Massaker von Utoya – ein Anfang sei, «um Europa von der muslimischen Herrschaft zu befreien».

Terrorakt und vorsätzliche Tötung

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 33-jährigen Norweger «Terrorakte» und «vorsätzliche Tötung» vor. In der 19 Seiten langen Anklageschrift heisst es, dass der Rechtsextremist «extrem schwere Verbrechen begangen hat in einem Ausmass, das unser Land in modernen Zeiten noch nicht erlebt hat».

Die Anklagepunkte könnten auf eine Verurteilung zu 21 Jahren Gefängnis hinauslaufen, die Höchststrafe in Norwegen. Daran anschliessend könnte eine «Verwahrung» angeordnet werden, die bei fortgesetzter Einstufung des Inhaftierten als gefährlich immer wieder verlängert werden kann.

Bei dem Prozess gegen Breivik, der am 16. April beginnen und zehn Wochen dauern soll, werden beide Gutachten berücksichtigt. Sollte das Gericht bei einem Schuldspruch urteilen, dass Breivik zum Zeitpunkt der Tat nicht geistig gesund war und somit nicht straffähig ist, kommt er nicht ins Gefängnis, sondern wird in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung eingewiesen.

(uwb/sda)

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