Daphne Caruana Galizia: Attentäter wollten Journalistin mit Sturmgewehr töten
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Daphne Caruana GaliziaAttentäter wollten Journalistin mit Sturmgewehr töten

Im Oktober 2017 wurde die investigative maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia durch ein Bombenattentat getötet. Im Gerichtsprozess kam nun ans Licht: Die Attentäter planten schon rund zwei Jahre zuvor einen Anschlag auf Galizia.

von
Reto Heimann
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Rund um das Attentat der maltesischen Investigativ-Journalistin Daphne Caruana Galizia werden neue Details bekannt.

Rund um das Attentat der maltesischen Investigativ-Journalistin Daphne Caruana Galizia werden neue Details bekannt.

REUTERS
Schon zwei Jahre vor ihrer Ermordung im Oktober 2017 war ein Anschlag auf sie geplant.

Schon zwei Jahre vor ihrer Ermordung im Oktober 2017 war ein Anschlag auf sie geplant.

AFP
Der Mordverdächtige Jamie Vella (Mitte) wird am 24. Februar in den Gerichtssaal geführt. Weil er positiv auf das Coronavirus getestet wurde, trägt er eine Ganzkörper-Schutzmontur.

Der Mordverdächtige Jamie Vella (Mitte) wird am 24. Februar in den Gerichtssaal geführt. Weil er positiv auf das Coronavirus getestet wurde, trägt er eine Ganzkörper-Schutzmontur.

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Darum gehts

  • Im Februar wurde Vince Muscat zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Er gab zu, ins Attentat auf Daphne Caruana Galizia involviert gewesen zu sein.

  • Nun sagt Muscat, dass schon rund zwei Jahre vor der tatsächlichen Ermordung der Plan dazu bestanden habe – mit einem Sturmgewehr statt mit einer Autobombe.

  • «Wir werden es niemals akzeptieren, dass Journalisten und Journalistinnen ungestraft ermordet werden», sagen EVP-Politiker im Europaparlament.

Am 16. Oktober explodierte auf der Mittelmeerinsel Malta ein gemieteter Peugeot 108 in der Nähe der Kleinstadt Bidnija. Darin sass die maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia, die sich mit investigativen, politischen und unangenehmen Texten einen Namen gemacht hatte. Sie kam beim Attentat ums Leben.

Das Attentat führte zu einem politischen Erdbeben in Malta. Innert kürzester Zeit traten der damalige Tourismusminister und Wirtschaftsminister zurück, nachdem zuvor durchgesickert war, dass der Auftrag des Attentats aus Regierungskreisen gekommen war. 2019 kündigte auch Premierminister Joseph Muscat seinen Rücktritt an.

«Zuerst wollten wir Daphne erschiessen»

Im Februar 2021 wurde Vince Muscat, der nicht verwandt ist mit dem Ex-Premier, zu 15 Jahren Haft verurteilt. Er hatte zugegeben, in der Ermordung von Daphne Caruana Galizia beteiligt gewesen zu sein. An einem weiteren Prozesstag gab Muscat neue Enthüllungen preis. Das berichtet die «Times of Malta».

So soll schon rund zwei Jahre, bevor Galizia tatsächlich ermordet wurde, der Plan bestanden haben, sie zu töten. «Zu der Zeit sah der Plan vor, Daphne zu erschiessen», so Muscat. «Wenn sie das Haus verlassen hätte, hätten wir ihr den Weg abgeschnitten und sie niedergeschossen.» Der Sohn von Daphne Caruana Galizia reagierte auf Twitter:

Ein entsprechendes AK-47-Gewehr hätten sie schon besessen, führte Muscat aus. Letzten Endes sei der Mordkomplott daran gescheitert, dass eine in Aussicht gestellte Zahlung von 50’000 Euro nie ausbezahlt wurde. Muscat belastet weitere Männer, darunter die Brüder Adrian und Robert Agius sowie Jamie Vella, am Attentat auf Galizia beteiligt gewesen zu sein.

«Werden nie akzeptieren, dass Journalistinnen ermordet werden»

Die Ermordung von Daphne Caruana Galizia wirft auch drei Jahre später noch internationale Wellen. Die Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) forderte am Dienstag eine Debatte dazu im Europaparlament. Das berichtet «The Malt Independent».

Dies weil sich die Hinweise nochmals verdeutlicht hätten, dass der Auftrag zum Mord von höchsten Stellen in der maltesischen Regierung gekommen sei. Das geht aus einem Tweet des Vorsitzenden der EVP im Europaparlament Manfred Weber hervor.

«Die Europäische Volkspartei ist besorgt, dass die maltesische Regierung weiterhin den Weg zur Gerechtigkeit für Daphne Caruana Galizia behindern wird. Das Parlament sollte daher die EU-Kommission einstimmig dazu auffordern, wachsam zu bleiben. Wir werden es niemals akzeptieren, dass Journalisten und Journalistinnen ungestraft ermordet werden.»

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirche

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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