Frankreich: Aubry auch nach Neuauszählung vorne
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FrankreichAubry auch nach Neuauszählung vorne

Die frühere Arbeitsministerin Martine Aubry hat die Stichwahl der französischen Sozialisten um das Amt des Parteichefs mit rund hundert Stimmen gewonnen.

Im Streit um die Wahl der neuen Parteivorsitzenden bei den französischen Sozialisten hat auch eine Überprüfung der Abstimmung vorerst keine Lösung gebracht.

Die Anhänger der unterlegenen Kandidatin Ségolène Royal reichten am Dienstag offiziell den Antrag ein, die Wahl von Ex- Arbeitsministerin Martine Aubry für ungültig zu erklären.

Unregelmässigkeiten nährten demnach den Verdacht, dass Royal bei der Abstimmung am Freitagabend betrogen worden sei. Der Parteirat, der am Dienstagabend entscheiden sollte, müsse die Wahl daher annullieren.

«Tief empört»

In Anbetracht der vielen «Unregelmässigkeiten» und des geringen Stimmenvorsprungs von Aubry seien sie «tief empört», schrieben drei Royal nahestehenden Mitglieder der Wahlprüfungskommission an den Vorsitzenden des Gremiums. Es gebe etwa 40 Fälle, die Zweifel an der Wahl aufkommen liessen.

Ein enger Mitarbeiter von Royal, Vincent Peillon, sagte im Sender France-Info, Royal liege jetzt nur vier Stimmen hinter Aubry. Dies habe die Kommission am Montag festgestellt, bevor sie ihre Arbeit «seltsamerweise» unterbrochen habe.

Die Sozialistische Partei (PS) hatte nach der Wahl mitgeteilt, Aubry habe laut dem vorläufigen Ergebnis einen Vorsprung von 42 Stimmen. Die Royal-Anhänger wollten weder das Ergebnis der Mitgliederbefragung noch die Arbeit der Prüfkommission anerkennen.

Die Überprüfung der Wahl der neuen Parteichefin bei den französischen Sozialistin hat nun ein deutlicheres Ergebnis zu Gunsten von Aubry erbracht. Sie habe nach den korrigierten Zahlen der Mitgliederbefragung 102 Stimmen vor ihrer Rivalin Royal gelegen, teilten Vertreter beider Lager am Dienstagabend in Paris mit.

Der Bericht der Wahlprüfungskommission sollte dem Parteirat am Abend zur Abstimmung vorgelegt werden. Danach soll das endgültige Ergebnis der Wahl verkünden werden.

Royal soll Niederlage anerkennen

In einer Umfrage in Frankreich gaben 71 Prozent der Befragten an, dass Royal im Unrecht sei, wenn sie das Wahlergebnis anfechte. Nur 21 Prozent fanden, dass sie Recht habe und sich das Ergebnis nicht gefallen lassen solle, hiess es in der Erhebung des Instituts BVA für den Sender France Inter, die am Montagabend veröffentlicht wurde.

Selbst unter den Sympathisanten der PS fanden 66 Prozent, dass die unterlegene Kandidatin das Wahlergebnis zu Unrecht anzweifle.

(dapd)

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