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Tiere vor GerichtAuch Aff und Esel landeten schon vor dem Richter

Gary, die Geiss, war nicht die Erste: In der Geschichte kamen schon oftmals Tiere vor Gericht. Andere haben weit Schlimmeres erlebt als die gefrässige Ziege.

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Gary, die Geiss, musste sich kürzlich wegen eines Verbrechens vor einem Gericht im australischen Sydney veranworten: Das Tier hatte sich in ein öffentliches Blumenbeet verbissen und sollte dafür bestraft werden. Doch der Richter zeigte sich von seiner tierfreundlicheren Seite und sprach Gary von aller Schuld frei.

Die Geiss Gary ist bei Weitem nicht das erste Tier, das vor einem Menschengericht für ihre «Straftaten» geradestehen musste: Tierprozesse finden seit dem 14. Jahrhundert statt - so absurd es auch klingt. Im Mittelalter hat man bereits Tiere vor Gericht angeklagt, sei es wegen eines Verbrechens gegen einzelne Personen oder weil sie eine Gefahr für die Gesellschaft darstellten.

Das schreckliche Schicksal von Elefantenkuh Mary

Schuldig gesprochene Tiere wurden meist hingerichtet oder ins Exil geschickt. Die üblichen Angeklagten waren dabei Nagetiere, Vögel, Fliegen, Grashüpfer, Aale und Schlangen, die oft der Zerstörung der Ernte beschuldigt wurden. Erschienen die Tiere nicht selbst vor Gericht, wurden sie «in absentia» verurteilt. Die angeklagten Tiere bekamen sogar einen Verteidiger, der Zeugen aufrufen und verhören durfte.

Freundlich winkt der Biber

Zu den bekanntesten Gerichtsprozessen gegen Tiere gehört der Fall von Mary, dem Zirkuselefanten. Die Elefantenkuh war während einer Parade durch Erwin, Tennessee, im Jahr 1916 ausgerastet und hatte dabei einen Dompteur zertrampelt. Mary musste sich dafür vor einem Gericht verantworten und wurde schliesslich an einem Industriekran am Hals aufgehängt. Der erste Versuch schlug allerdings fehl, da eine Kette brach und Mary zu Boden stürzte und sich die Hüften brach. Der zweite Versuch, das schwerverletzte Tier aufzuhängen, gelang. Marys Kadaver wurde anschliessend neben der Bahnlinie vergraben.

Schweine, Affen & Co.

Oft landeten bei Sodomie-Fällen sowohl Mensch als auch Tier vor dem Richter. Wurde der Mensch schuldig gesprochen, musste auch das Tier dran glauben. Die wohl erste Ausnahme dürfte sich während eines Prozesses in Frankreich um das Jahr 1750 ereignet haben: Jacques Ferron war von Nachbarn ertappt worden, als er sich mit einer Eselin vergnügte. Einer der Zeugen legte für das Tier ein gutes Wort vor Gericht ein: Er kenne die Eselin seit Jahren und immer sei sie «tugendhaft und gehorsam» gewesen. Der Richter zeigte sich einsichtig: Die Eselin kam frei, Jacques Ferron wurde gehängt.

Davongekommen ist auch Äffchen Jimmy im Jahr 1817. Der Primat hatte einer Kundin im Laden seiner Besitzerin den Ringfinger abgebissen, als diese ihn mit Zucker fütterte. Doch Jimmy hatte Glück und der Richter sprach ihn nicht schuldig. Nach der Urteilsverkündung sprang Jimmy voller Freude auf den Richtertisch, nahm seinen Filzhut ab und schüttelte dem Richter die Hand. In den Gerichtsakten wurde notiert: Name: Jimmy Dillio, Beruf: Affe, Urteil: Freispruch.

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