Fussball-WM: Auch Aids steht auf dem Spielplan
Aktualisiert

Fussball-WMAuch Aids steht auf dem Spielplan

«Wenn die Leute Party machen, kommt es auch zum Sex»: In Südafrika will man mit Tests, Tröten und Gratis-Kondomen gegen die Krankheit Nummer eins vorgehen.

von
Donna Bryson
AP
5,7 Millionen sind in Südafrika mit AIDS infisziert.

5,7 Millionen sind in Südafrika mit AIDS infisziert.

Für Aids-Hilfsinitiativen und Gesundheitsdienste geht es bei der Weltmeisterschaft in Südafrika nicht nur um Fussball. Für sie kommt das sportliche Grossereignis gerade recht, um gegen die tödliche Immunschwächekrankheit mobil zu machen. Wenn das fussballverrückte Land die erste WM in Afrika feiert, wollen sie sich die Aufmerksamkeit zunutze machen und versuchen, die Ausbreitung des Virus jetzt und in Zukunft einzudämmen.

«Wir wissen doch, wenn die Leute Party machen, dann kommt es auch zum Sex», sagt Miriam Mhazo von der Society for Family Health, die landesweit Aids-Tests und Beratung anbietet. Schätzungsweise 5,7 Millionen der rund 50 Millionen Einwohner Südafrikas sind mit dem HI-Virus infiziert, mehr als in jedem anderen Land. Nach jahrelangem Verleugnen und Verschleppen hat die Regierung vergangenes Jahr den Kampf gegen Aids aufgenommen und das Ziel gesetzt, bis 2011 die Zahl der Neuinfektionen zu halbieren und sicherzustellen, dass 80 Prozent der Betroffenen, die Medikamente benötigen, diese auch bekommen.

Tests, Tröten und Gratis-Kondome

Bis zum Ende des Turniers am 11. Juli werden die Fans dutzendfach Gelegenheit haben, in mobilen Teststationen auf Stadionparkplätzen einen Aids-Test zu machen, sich mit Gratis-Kondomen zu bedienen und Fussballstars für Safer Sex werben zu hören.

Die Hilfsorganisation Right to Care setzt auf ein für jeden südafrikanischen Fan unverzichtbares Accessoire: die Vuvuzela, die unüberhörbare Plastiktröte. Ihr Modell ist leuchtend rot und trägt die Parole: «Mach Lärm für HIV!» - eine Aufforderung, das Schweigen und das Stigma um eine Aids-Erkrankung durchbrechen. Die Organisation verkauft die Vuvuzelas für 20 Rand (zwei Euro) das Stück und verwendet die Einnahmen dafür, die Behandlungskosten armer Aids-Patienten zu finanzieren.

Sport- und Musikstars machen mobil

Auch Fussballstars machen mit. So besuchte David Beckham als UNICEF-Botschafter HIV-positive Schwangere und junge Mütter in einem Krankenhaus in Kapstadt und berichtete danach über den Appell der Helfer, die Männer müssten mehr dafür tun, dass ihre Partnerinnen Behandlung und Hilfe bekämen. «Ich hoffe, dass ich mein Teil dazu beitragen kann, diese Botschaft rüberzubringen - und dass die Männer da draussen das hören und ihr Teil tun», sagte Beckham.

Nicht nur das UN-Kinderhilfswerk nutzt die Gelegenheit. So bringen die Vereinten Nationen Musikstars aus ganz Afrika zu einem Lied zusammen, das unter anderem zur Bekämpfung von Aids, Hunger und Armut aufruft. Er wolle die Fussballfans vor den Spielen mitsingen hören, sagt der Chef der UN-Öffentlichkeitsarbeit, Kiyo Akasaka. «Wir hätten gern ein Lied so wie 'We Are the World'», sagt Akasaka. «Die Weltmeisterschaft ist eine grossartige Gelegenheit. Die Menschen der Welt werden durch die internationalen Medien auf die Menschen Südafrikas schauen. Jede Botschaft aus Südafrika wird so grosse Verbreitung finden.» Südafrikaner achteten sehr auf Promis, sagt Mhazo. «Lassen Sie Prominente über wichtige Themen sprechen, und die Leute bleiben stehen und hören zu.»

«Die Macht des Fussballs»

Der Sportartikelhersteller Nike arbeitet mit U2-Sänger Bono zusammen, der eine Reihe grosser Unternehmen überredet hat, T-Shirts und Schuhe zu verkaufen und Einnahmen an Aids-Hilfe- und andere Gesundheitsprojekte zu spenden. Nikes Beitrag zu dem Projekt sind rote Schnürsenkel: «Ich glaube, man wird diese Schnürsenkel auf dem Spielfeld sehen», sagt Firmenpräsident Charlie Denson bei einem Gespräch in einem Nike-Geschäft in Johannesburg. Dort können sich die Kunden auch aus einer Schale mit kostenlosen Kondomen bedienen. Gratis-Gummis will auch die Regierung in Hotels verteilen lassen, in denen sich WM-Besucher einquartieren. Der Weltfussballverband FIFA beteiligt sich an Jugendzentren mit Bolzplätzen und Freizeitangeboten, wo Jugendliche auch über Sexualkunde und Aids-Vorbeugung aufgeklärt werden sollen.

Aids ist nicht das einzige Gesundheitsthema auf dem WM-Spielplan. An Malaria beispielsweise sterben Jahr für Jahr eine Million Menschen. Hilfsorganisationen haben die FIFA bewogen, im Rahmen des Unterhaltungsprogramms zur Halbzeit in den Stadien ein Video zu zeigen, das für die Verwendung von Moskitonetzen und um Spenden für Malariabekämpfungsprogramme wirbt. Der Fussball könne eine entscheidende Rolle spielen, glaubt Herve Verhoosel, Sprecher der UN-Kampagne gegen Malaria. «Die FIFA hat mehr Mitglieder als die Vereinten Nationen», sagt er: 208 Fussballverbände gegenüber 192 Staaten. «Das zeigt die Macht der FIFA und die Macht des Fussballs.»

fifa.com/worldcup/index.html

Deine Meinung