26.11.2015 04:49

Bundesratsentscheid

Auch Apple muss sich dem Universalstecker beugen

Ab 2017 sollen alle Handys in der Schweiz mit einem einheitlichen Adapter geladen werden können. 20 Minuten klärt die wichtigsten Fragen zum Universalstecker.

von
tob

Worum geht es überhaupt?

Der Bundesrat hat entschieden, dass ab Sommer 2017 alle in der Schweiz vertriebenen Handys und Tablets mit einem einheitlichen Ladegerät kompatibel sein müssen. Das betrifft sowohl den Stromadapter als auch den Stecker: «Wir wollen, dass alle mobilen Geräte eine einheitliche Schnittstelle erhalten», sagt Lucio Cocciantelli, Leiter Sektion Marktzugang und Konformität des Bundesamts für Kommunikation (Bakom). In Zukunft solle es also möglich sein, ein iPhone mit dem Kabel eines Samsung-Handys (und umgekehrt) zu laden, so Cocciantelli. Damit werden die technischen Anforderungen in der Schweiz an jene in der EU angepasst.

Was bringt ein solches Universal-Ladegerät?

Es macht vieles einfacher für den Nutzer. Weniger Kabelsalat, einfacheres Aufladen. Der Bundesrat erhofft sich auch, dass mit dieser Massnahme weniger Elektroschrott entsteht.

Wie wird dieser Universalstecker aussehen?

Ob man sich beim Universalstecker auf einen bestehenden oder einen neuen Standard einigt, ist derzeit noch unklar. Das werde derzeit europaweit diskutiert, sagt Cocciantelli. Bei mobilen Geräten kommen derzeit mehrheitlich drei verschiedene Steckerarten zum Einsatz: Micro-USB, USB Typ-C (zum Beispiel beim Google Nexus 6P) und Lightning bei aktuellen iOS-Geräten.

Apple ist einer der wenigen Hersteller, der ein komplett anderes System verwendet. Wieso?

Mit dem hauseigenen Standard verdient der iPhone-Konzern gutes Geld. Einerseits mit dem Verkauf der Ladekabel selbst, aber auch mit der Lizenzierung des Standards an Dritthersteller. Deshalb scheint es eher unwahrscheinlich, dass Apple dieses Konzept aufgeben wird. Wahrscheinlicher ist, dass Apple mit einem Adapter die gesetzlichen Auflagen erfüllen wird. Auf Anfrage von 20 Minuten hat Apple den Entscheid des Bundesrates nicht kommentiert.

Warum setzen Hersteller überhaupt auf eigene Standards?

Anschlüsse bei Smartphones sind in der Regel multifunktional, erklärt Paul Meller, Sprecher des Verbandes Digitaleurope, dem neben Apple unter anderem auch Samsung, Google und Microsoft angehören. Über die Kabel fliessen neben Strom auch Daten wie Audio oder Video. «Haben Hersteller nicht die Möglichkeit, die Stecker zu verbessern, führt dies zu einem technologischen Rückstand», so Meller – was Nachteile für die Nutzer habe und auch höhere Preise bedeuten könne.

Was geschieht, wenn sich Hersteller ab Sommer 2017 nicht an die Vorschriften halten?

Wenn ein Gerät ab dem Zeitpunkt nicht den Anforderungen entspricht, könne das schlimmstenfalls in einem Verkaufsverbot resultieren, sagt Cocciantelli vom Bakom.

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