Hoher Aussie-Dollar: Auch Australien krankt an hartem Geld
Aktualisiert

Hoher Aussie-DollarAuch Australien krankt an hartem Geld

Nicht nur die Schweiz leidet an einer starken Währung. Die Australier plagt ein ähnliches Schicksal. Nur dass die Aussies zum Shopping nicht einfach rasch über die Grenze fahren können.

von
Sandro Spaeth
Spekulanten mögen den australischen Dollar.

Spekulanten mögen den australischen Dollar.

Ab dem starken Franken freut sich in der Schweizer schon lange niemand mehr richtig. Die Wirtschaft fürchtet um ihre Konkurrenzfähigkeit, die Arbeitnehmer um ihre Stellen. Der einzige Vorteil: Der Shopping-Ausflug nach ennet die Grenze ist so günstig wie nie zu vor.

Ein ähnliches Problem mit einer überbewerteten Währung haben auch die Australier. Der Aussie-Dollar hat in den letzen rund zwei Jahren gegenüber dem US-Dollar um über 80 Prozent zugelegt. Anders als die Schweizer Konsumenten, die schnell nach badisch Rheinfelden, Konstanz oder Waldshut fahren, haben es die Australier schwieriger. Von Sydney ins neuseeländische Auckland sind es 2100 Kilometer, von Darwin nach Jakarta (Indonesien) sogar 2700 Kilometer.

Die massive Stärke des australischen Dollar zeigt ein Blick auf den Währungschart: Kostete die australische Währung im Frühjahr 2009 noch 60 US-Cent, sind für den «Aussie» derzeit rund 1.05 Dollar zu bezahlen. Das Rekordhoch gegenüber dem US-Dollar hatte die australische Währung Ende Juli mit 1.10 Dollar. Gegenüber dem Euro hat der «Aussie» seit Ende 2008 um gegen 50 Prozent zugelegt.

Spekulanten mögen den «Aussie»

Die Stärke des Australischen Dollar hat mehrere Gründe: Australien blieb von der Finanz- und Wirtschaftskrise ziemlich verschont und erhöhte zügig das Zinsniveau, während die USA und Europa die Zinsschraube allesamt nach unten drehten. «Das führte dazu, dass viele Spekulanten über Carry-Trades in australischen Dollars investierten, erklärt Ursina Kubli, Währungsökonomin bei der Bank Sarasin im Gespräch mit 20 Minuten Online. Dabei verschuldet sich ein Anleger in einer Tiefzins-Währung und legt sie in einer Währung mit höherem Zinsniveau an.

Ein weiterer Faktor für die «Aussie»-Hausse sind hohe Rohstoffpreise. Das Land verfügt über grosse Vorkommen von Eisenerz, Kohle und Gold, die zu einem grossen Teil nach China exportiert werden. «Wie der kanadische- ist auch der australische Dollar eine Rohstoff-Währung», sagt Kubli, die sich je nach Konjunkturzyklus verstärkt oder abschwächt.

Wie die Schweizer, deren Währungsstärke mit den Schuldenkrisen zusammenhängt und damit ausserhalb des Einflussbereichs der Nationalbank liegt, sind auch Australiens Währungshüter teilweise machtlos. Der australische Dollar erstarkt nämlich anstelle der chinesischen Währung und ist damit stark mit dem Schicksal des Reich der Mitte verbunden. Da Peking den Renminbi nicht frei handeln lässt, nimmt der «Aussie» die Rolle des Stellvertreters ein.

Verzerrter Markt

Die einzige Möglichkeit für Australier, um von der Währungsstärke zu profitieren ist das Internet: Wegen der enormen Preisunterschiede lohnt es sich sogar, den iPod, die Designer-Sonnenbrille oder nur schon ein Buch in England oder den USA zu bestellen.

Zur Freude der Endkunden fällt bis zu einem Betrag von 1000 australischen Dollars noch keine Einfuhrsteuer an, was den Vorteil gegenüber dem einheimischen Preisniveau noch vergrössert. Die australischen Händler wittern darin eine Wettbewerbsverzerrung – doch der australische Markt ist sowieso alles andere als frei. Ein Beispiel dafür ist die Autobranche. Für einen europäischen Oberklassewagen zahlt man nirgends so viel wie in Australien. Der Grund: Eine Luxussteuer auf Importwagen, die erst oberhalb des Preisniveaus der im Inland produzierten Fahrzeuge ansetzt.

Aussies mit weniger Nachteilen

Die Nachteile der starken australischen Währung sind für die australische Wirtschaft (Bergbau macht 75 Prozent des Exportvolumens aus) aber weniger gewichtig als für die Schweiz. «Die Währungen der rohstoffreichen Länder haben sich allesamt verstärkt», so Kubli. Anders in der Schweiz: Hier wirkt sich der harte Franken direkt auf die internationale Konkurrenzfähigkeit. aus.

Deine Meinung