Finanzkrisen: Auch Blasen haben ihre guten Seiten
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FinanzkrisenAuch Blasen haben ihre guten Seiten

Bei Social Networks droht vielleicht schon bald eine nächste Spekulationsblase. Doch drohen ist das falsche Wort. «Blasen bieten auch Chancen», sagen Experten der Credit Suisse.

von
Elisabeth Rizzi

Von wegen aus der Finanzkrise gelernt: Der Softwaregigant Microsoft kauft für 8,5 Milliarden Dollar den Internet-Telefoniedienst Skype. Ein weiteres Beispiel wachsender Luftschlösser: LinkedIn will an die Börse. Es wäre der erste Börsengang eines Social Networks.

Und bereits machen sich Anleger-Fantasien in rosigsten Farben breit: Das Unternehmen LinkedIn soll laut der Nachrichtenagentur Reuters mit bis zu 3 Milliarden Dollar bewertet werden. «In der Tat könnte bei Social Networks eine nächste Spekulationsblase entstehen», warnt Lars Kalbreier, Head of Global Equities & Alternatives Research bei der Grossbank Credit Suisse.

Regulierungswut hat wenig Wirkung

«Spekulationsblasen lassen sich nämlich nicht verhindern. Es wird immer wieder Blasen geben», sagt er. Kalbreier war mitverantwortlich für die soeben erschienene CS-Studie «Emotionen und Märkte» zur Anlegerpsychologie. Selbst die wachsende Regulierungswut der Staaten könne das Risiko im Finanzsystem beschränken, nicht aber die Psychologie der Masse beeinflussen. «Kein Gesetz kann vorschreiben, wo die Investoren anlegen sollen und wo nicht», erklärt der Experte. Und so führen übersteigertes Selbstvertrauen, eine verzerrte Wahrnehmung der Situation, sozialer Druck und die Angst, Verluste zu realisieren zur Wiederholung der Geschichte.

Menschen neigen dazu, die jüngste Vergangenheit in die ferne Zukunft zu extrapolieren. Will heissen: Sind die Aktienkurse in letzter Zeit sprunghaft geklettert, rechnen Anleger mit einem weiteren Anstieg und legen einen Grossteil ihres Kapitals in Risikoinvestments an, um den Gewinn zu maximieren. Dabei ist gerade dann das Risiko eines Kurszerfalls am grössten. Kommt es schliesslich zum gefürchteten Szenario, dann können sich die Investoren nicht genug rasch vom Markt zurückziehen. Alle werfen gleichzeitig ihre Anlagen auf den Markt. Panik ist die Folge.

Durchschnittlich alle drei Jahre kommt es an den Finanzmärkten zu Panik- oder Euphorie-Reaktionen, haben die Analysten der Credit Suisse herausgefunden. Sie untersuchten dabei die Entwicklung von 20 Vermögensklassen weltweit.

Reale Innovationen als Basis

Aber ist das schlecht? «Nein», meint Kalbreier, «Spekulationsblasen bieten letztendlich auch Chancen.» Denn Basis für Blasen seien immer reale Innovationen. Als Beispiel nennt der Finanzfachmann die Südseeblase im 18. Jahrhundert. Erst die neuen Schiffsrouten ermöglichten einen regen Handel zwischen Europa und den neu entdeckten Kontinenten. Die Eisenbahnblase im 19. Jahrhundert trieb zwar viele Anleger in den Ruin. Doch das neue Fortbewegungsmittel beschleunigte Mobilität und Wertschöpfung. Auf die gleiche Art ist laut Kalbreier die Dotcom-Blase geplatzt. Aber das Internet sei geblieben und habe unsere Welt vollkommen verändert. Sein Fazit deshalb: «Diese Neuerungen revolutionieren die Welt. Spekulationsblasen helfen uns somit, die Gesellschaft weiterzuentwickeln.»

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