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Symptome wie bei EbolaAuch das Chapare-Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar

Erstmals nachgewiesen wurde es im Jahr 2003 in Bolivien. Dann war Ruhe – bis es im Jahr 2019 drei Menschen tötete. Sie hatten sich gegenseitig angesteckt. Wie gefährlich ist es?

von
Fee Anabelle Riebeling
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Das Chapare-Virus trat erstmals in den Jahren 2003 und 2004 beim Menschen auf. 

Das Chapare-Virus trat erstmals in den Jahren 2003 und 2004 beim Menschen auf.

CDC/PD
Es stammt ursprünglich aus dem Tierreich. (Im Bild: eine Cuvier-Hasenmaus, die zu den Nagetieren zählt und unter anderem im Westen und Süden Boliviens zuhause ist)

Es stammt ursprünglich aus dem Tierreich. (Im Bild: eine Cuvier-Hasenmaus, die zu den Nagetieren zählt und unter anderem im Westen und Süden Boliviens zuhause ist)

Wikimedia Commons/Alexandre Buisse (Nattfodd)/CC BY-SA 3.0
Doch Anfang der 2000er-Jahre sprang es erstmals auf den Menschen über – in der bolivianischen Provinz Chapare, dem es seinen Namen verdankt. 

Doch Anfang der 2000er-Jahre sprang es erstmals auf den Menschen über – in der bolivianischen Provinz Chapare, dem es seinen Namen verdankt.

Screenshot My Google Maps

Darum gehts

  • Das Chapare-Virus, das zu tödlichen Blutungen führen kann, stammt aus dem Tierreich und trat erstmals 2003/2004 auf.

  • Forschende haben nun nachgewiesen, dass es von Mensch zu Mensch übertragbar ist.

  • Grosse Sorgen, dass der Erreger zur nächsten grossen Pandemie führen wird, haben die Experten aber nicht.

Das Mers-Virus (siehe Box) hat das Potenzial, «der nächste Pandemie-Kandidat» zu sein, warnt der deutsche Virologe Christian Drosten. Er will sich deshalb nach Ende der Corona-Krise voll und ganz diesem widmen, denn Sars-CoV-2 bekomme in der Forschung bereits genügend Aufmerksamkeit: «Alles, was da zu machen ist, macht schon jemand.»

Doch auch ein weitgehend unbekanntes Virus bereitet Forschenden Sorge: das Chapare-Virus, das ebenso wie Mers und Corona vom Tier stammt.

Mers-Pandemie

Bei dem Virus (offiziell: Mers-CoV) handelt es sich um einen seit dem Jahr 2012 bekannten Stamm aus der Gruppe der Coronaviren. Mers ist die Abkürzung für Middle-East Respiratory Syndrome, da das Virus bisher hauptsächlich in Ländern der Arabischen Halbinsel oder deren Nachbarstaaten aufgetreten ist. Die wenigen Fälle, die ausserhalb der Region bekannt wurden, standen mit einem vorangegangenen Aufenthalt in dieser Region oder engem Kontakt zu anderen Mers-Infizierten in Zusammenhang.

2015 gab es in Südkorea einen Ausbruch des Virus, der auf einen importierten Mers-Fall zurückging. In der Folge infizierten sich 186 weitere Personen. 38 Erkrankte starben. In Europa wurden – im Jahr 2014 – Fälle in Grossbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien und Griechenland registriert.

Gefährliche Blutungen

Wie Forschende der Gesundheitsämter in Bolivien und den USA (CDC) sowie der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (Paho) an der Jahresversammlung der American Society of Tropical Medicine and Hygiene berichteten, ähneln die vom Chapare-Virus ausgelösten Symptome denen von Ebola. Die Infizierten erleiden ein sogenannt hämorrhagisches Fieber, das mit Fieber, Bauch- und Kopfschmerzen, Erbrechen, Hautausschlägen und gefährlichen Blutungen einhergeht.

Erstmals aufgetreten ist der Erreger in den Jahren 2003 und 2004 im bolivianischen Chapare. Danach wurden jahrelang keine Fälle mehr gemeldet – bis zum Jahr 2019 in der Nähe der Hauptstadt La Paz, wie die Daten der Expertengruppe zeigen. In dem Jahr infizierten sich mindestens fünf Personen mit dem Virus, das zur Familie der Arenaviren gehört. Drei Personen starben.

Übertragung durch Körperflüssigkeiten

Infiziert haben sich die Betroffenen gegenseitig: «Unsere Arbeit zeigte eindeutig, dass sich ein junger Assistenzarzt, ein Sanitätsarzt und ein Gastroenterologe bei Begegnungen mit infizierten Patienten angesteckt haben, zwei dieser Mitarbeiter des Gesundheitswesens sind später gestorben», sagte Caitlin Cossaboom, Epidemiologin in der Abteilung für Hochkonsequenzpathogene und Pathologie der CDC.

Das Virus überträgt sich demnach eindeutig von Mensch zu Mensch. Nur die Frage nach dem Wie steht noch im Raum. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen gehen davon aus, dass die Ansteckung über den Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut, Urin und Erbrochenem erfolgt.

Ursprung bei Nagetieren

Doch warum trat es so lange nicht in Erscheinung? Die Forschenden vermuten, dass das Chapare-Virus immer wieder in Menschen auftritt, aber meist falsch diagnostiziert wird. Zwar komme es auch bei anderen Arenaviren immer mal wieder zu Übertragungen zwischen Menschen, allerdings überwiegend im Spitalbereich. Ihnen zufolge kommt das Chapare-Virus nicht für eine potenzielle Epidemie infrage.

Als häufigste Ansteckungsquelle gelte der Kontakt mit infizierten Nagetieren – oft indirekt durch infektiösen Urin oder Fäkalien. Das war wohl auch der Ursprung des neuen Ausbruchs in Bolivien. Das Team um Cossaboom isolierte das Erbgut des Virus auch aus mehreren Nagetierproben aus dem Gebiet, in dem sich die erste infizierte Person angesteckt hatte.

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23 Kommentare
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Seppli2. 1

28.11.2020, 10:29

Beste zeit über andere Viren zu schreiben.

Freddy

28.11.2020, 10:09

Was ist HIV? Was ist Liebe? All das ist auch übertragbar

Meerschweinchen

28.11.2020, 10:06

Wieder ein neues Virus. Frage: isst man dort auch Nagetiere wie in anderen Südamerikanischen Ländern, weiss das jemand?