Xhakas «Fuck off»-Ausraster: «So verhält man sich nicht als Captain»

Aktualisiert

Xhakas «Fuck off»-Ausraster«So verhält man sich nicht als Captain»

Der Schweizer wird in Richtung eigener Fans ausfällig, dafür hagelt es Kritik. Nun verteidigt ihn nicht mal mehr der eigene Trainer.

von
fas

Unschöner Abgang für Granit Xhaka: Der Arsenal-Captain wird von den eigenen Fans ausgebuht. Video. Twitter.

Gewohnt ist er sich eigentlich einiges. Granit Xhaka ist schon länger so etwas wie der Lieblingssündenbock der Arsenal-Fans und der britischen Medien. Besonders der Boulevard auf der Insel ist nicht für Gnade bekannt. Fehler von ihm werden mittlerweile nur noch als «Dummheiten» bezeichnet. Woche für Woche wird geschrieben, dass er kein würdiger Arsenal-Captain sei. Xhaka schwieg lange, hielt es aus. Bis am Sonntagabend.

Höhnisch feierten die Arsenal-Fans, als der Schweizer Nationalspieler in der 61. Minute ausgewechselt wurde. 2:2 stand es da daheim gegen Crystal Palace. Trotz 2:0-Führung nach acht Minuten, trotz Xhakas Assist zum 1:0. Es war aber auch sein Gegenspieler, der vor dem Ausgleich den Ball in die Mitte flanken konnte. Diese Tatsache reichte den Zuschauern offenbar schon, um zu buhen und pfeifen, als seine Nummer 34 rot aufleuchtete und der Captain den Platz verliess. Ein weiterer Beleg für die kurze Zündschnur um die Personalie Xhaka. Nur: Dieses Mal explodierte auch der 27-Jährige. Erst spornte er die Fans an, noch lauter zu buhen, indem er wild mit den Armen ruderte. Dann hielt er sich die Hand ans Ohr – und schliesslich feuerte er ein wütendes «fuck off!» in die Ränge. Bevor er in die Katakomben des Emirates Stadium verschwand, zerrte er sich mit hochrotem Kopf das Trikot vom Leib.

«Es war respektlos»

Ein gefundenes Fressen für die britischen Medien. Der frühere Arsenal-Profi und heutige BBC-Experte Ian Wright forderte eine Entschuldigung von Xhaka: «Ich mag es auch nicht, wenn Spieler ausgebuht werden. Aber er ist der Captain, so verhält man sich nicht. Er müsste sich bereits entschuldigt haben.»

Etwas weiter geht noch Torjäger-Legende Alan Shearer. Der frühere Newcastle-Stürmer schreibt in «The Sun»: «Ich habe keine Ahnung, wie Xhaka da wieder rauskommen kann.» Er hält es für toxisch, sollte Xhaka in den nächsten Spielen wieder aufgestellt werden. Für den Nati-Captain gebe es kein Zurück, wenn er sich nicht entschuldigt: «Je länger er damit wartet, desto schwerer werden die Folgen sein. Es war respektlos.» Und Liverpool-Legende Jamie Redknapp schrieb in der «Daily Mail»: «Xhaka sollte zuerst seine Leistungen hinterfragen, bevor er andere beschimpft.»

«Wir müssen clever bleiben»

«Er hat falsch reagiert», befand auch Unai Emery nach Spielschluss. Der Arsenal-Trainer ergänzte, sein Captain müsse die Fans respektieren: «Egal ob sie applaudieren oder uns kritisieren.» Der Spanier kündigte an, dass Xhakas Reaktion im Verein intern diskutiert werde, auch würden sie mit dem Mittelfeldspieler persönlich sprechen. Immerhin äusserte der ebenfalls stark kritisierte Emery ein bisschen Verständnis: «Manchmal überhitzt man in schwierigen Zeiten, aber wir müssen clever bleiben.»

Etwas unclever stellte sich auch Xhakas Teamkollege Alexandre Lacazette an. Auf einen ziemlich eindeutigen Instagram-Post von einem durch wütende TV-Auftritte berühmt gewordenen Arsenal-Fan, in dem dieser Xhaka beleidigte, reagierte der französische Stürmer mit einem Like – inzwischen wurde dieses wieder zurückgenommen. Ganz anders hingegen Lucas Torreira: Der Mittelfeldspieler kämpfte während der Auseinandersetzung zwischen Xhaka und dem Publikum mit den Tränen.

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