Energy Challenge: Auch die saubere Schweiz ist mit Plastik verschmutzt
Aktualisiert

Energy ChallengeAuch die saubere Schweiz ist mit Plastik verschmutzt

Sponsored - Die Aktivistin Gabriele Kull bringt die Stop-Plastic-Pollution-Bewegung in die Schweiz.

Mit dem Pick-up-Stick sammelt die Präsidentin von STOPPP herumliegendes Plastik ein.

Mit dem Pick-up-Stick sammelt die Präsidentin von STOPPP herumliegendes Plastik ein.

Stevan Bukvic

Gabriele Kull ärgert sich selten, aber wenn es um Röhrli aus Plastik geht, kennt sie kein Pardon: «Sie sind unnötig. Man braucht sie wenige Minuten und wirft sie dann weg. Ihre Rückstände belasten die Umwelt jedoch bis zu 200 Jahren.»

Kull sitzt im Café Auer am Zürcher Sihlquai, vor ihr ein iPhone und ein Laptop. Die Präsidentin des Vereins STOPPP (Stop Plastic Pollution Switzerland) scheint parat für den grossen Auftritt. Die 47-Jährige kennt die chemische Zusammensetzung aller gängigen Plastiksorten auswendig, und ihre Kleider – ein helles Jackett, eine Jeans und schicke, bestickte Cowboyboots – sind makellos. Dass sie aus dem Secondhandladen stammen, merkt man nicht.

Aushängeschild der STOPPP-Bewegung

Sie kaufe seit zwei Jahren keine neuen Kleider, erklärt Kull. Fürs Foto zieht sie dann einen weissen Hoodie mit dem STOPPP-Logo an, nimmt den Pick-up-Stick zur Hand und begibt sich ans Limmatufer, um Plastik einzusammeln. Kull weiss: Sie ist das Aushängeschild ihrer Bewegung, sie muss selber hinstehen. Der Verein STOPPP hat sich zum Ziel gesetzt, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu mildern.

Das plastikfreie Leben zieht Kull voll durch. Pro Woche hinterlasse sie höchstens ein halbes Säcklein Abfall. Sie hat ihre eigene Wohnung aufgegeben und lebt vorübergehend bei ihrem Freund, um den ökologischen Fussabdruck noch mehr zu minimieren. Es gehe ihr um Information und Erfahrungsaustausch und nicht um Erziehung, betont Kull. «Es ist nämlich überhaupt nicht so, dass die Schweiz kein Plastikproblem hat.»

Sattelüberzüge aus PVC: Zurück an den Absender

So sammelte sie kürzlich massenhaft Sattelüberzüge ein, die ein Umweltverband verteilt hatte. Diese lagen nachher überall herum. schickte sie an die Organisation zurück – mit einem freundlichen Brief: «An diesem Beispiel sieht man, wie viel es noch braucht. Einer Umweltschutzorganisation fehlte offenbar das Bewusstsein dafür, dass sie mit Sattelüberzügen aus PVC nur billige Ressourcen verschwendet.»

Plastikberge im Inselparadies

Gabriele Kull wurde als Kind in Brasilien mit Umweltthemen konfrontiert. «Wir hatten ein Haus an einem Strand. Der Strand wurde immer bekannter, und immer mehr Leute brachten immer mehr Müll dorthin», erinnert sie sich. Nach der Matura an der Schweizer Schule in São Paulo zog sie in die Schweiz, wollte «rasch studieren» und zurückkehren. Doch sie lernte ihren späteren Mann kennen und gründete eine Familie. Mit 23 und 25 bekam sie ihre Töchter, arbeitete als freie Journalistin. Nachdem sie ihr Studium in Germanistik und Anglistik abgeschlossen hatte, landete sie beim Fernsehen und beim Online-Kultursender art-tv.ch. 2008 gründete sie ihre Filmproduktionsfirma.

Auf den Kokos-Inseln, dem vermeintlichen Paradies im Indischen Ozean, Hunderte Kilometer von den Küsten Australiens und Indonesiens entfernt, drehte Kull 2014 eine Doku über Plastikverschmutzung. «Die Mengen, die dort jeden Tag angeschwemmt werden, sind unvorstellbar», sagt sie. Der Entscheid, ihre Arbeit ganz dem Kampf gegen den Plastik zu widmen, war gefallen. Und Kull merkte bald, dass auch die vermeintlich so saubere Schweiz ein Problem mit Plastikabfall hat – vor allem in Gewässern. Das dokumentiert heute der Swiss Litter Report, den Kull mit STOPPP initiiert hat.

Die Schweiz traut sich zu wenig

In ein paar Wochen reist Kull in ihre alte Heimat Brasilien, wo sie ein Camp organisiert, in dem Menschen lernen, mit wenig Müll und kleinem ökologischem Fussabdruck auszukommen. Finanzieren kann sie sich über Stiftungen und Sponsoren. Natürlich gebe es, wie in jedem Job, frustrierende Momente, sagt Kull. Dass zum Beispiel das Plastiksäckliverbot in der Schweiz nicht umgesetzt wurde, findet sie typisch.

Graue Energie reduzieren

Weniger Plastikabfall bedeutet in erster Linie weniger Umweltverschmutzung, beispielsweise in den Meeren. Es bedeutet aber auch Energiesparen: Bei der Herstellung von Kunststoffen werden rund fünf Prozent des Erdöls, das wir in Westeuropa jährlich verbrauchen, verwendet. Durch die Verbrennung wird diese aufgewendete Energie vernichtet und ist für immer verloren. Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) beziffert die graue Energie von Kunststoff als dreimal so hoch wie diejenige von Neustahl.

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Dieser Beitrag ist eine Zusammenarbeit von Commercial Publishing Tamedia und EnergieSchweiz.

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