Dominique Aegerter: «Auch eine 600er hat nur zwei Räder»
Aktualisiert

Dominique Aegerter«Auch eine 600er hat nur zwei Räder»

Zweimal fuhr Dominique Aegerter (19) in den ersten beiden Moto2-Rennen in die Punkte. Der Berner spricht im Interview mit 20 Minuten über seine Lieblingsstrecke Le Mans, über Angst und über seinen letzten Sieg gegen Tom Lüthi.

von
Sandro Compagno
Dominique Aegerter. Gut in die neue Moto2-Saison gestartet. (Bild: Keystone)

Dominique Aegerter. Gut in die neue Moto2-Saison gestartet. (Bild: Keystone)

20 Minuten: Dominique Aegerter, der 6. Platz in Le Mans letztes Jahr in der 125-ccm-Klasse ist Ihr bisher bestes GP-Resultat. In Le Mans stehen Sie am Sonntag in der Moto2-Klasse am Start. Ist das so etwas wie Ihre Lieblingsstrecke?

Dominique Aegerter: Ja, Le Mans liegt mir. Es ist eine gute Strecke.

Wie muss eine Strecke sein, die Ihnen liegt?

Sie muss viele harte Bremspunkte haben, aus denen man wieder herausbeschleunigen muss. Das gefällt mir und kommt meinem aggressiven Fahrstil entgegen.

Sie fuhren drei Jahre 125er und wechselten auf die neue Saison in die Moto2-Klasse, wo Sie mit 600-ccm-Maschinen unterwegs sind. Wie gross war die Umstellung?

Gross. Ich bin ja vorher nie grössere Maschinen gefahren. Das Bremsen zum Beispiel ist ganz anders, weil eine 4-Takt-Maschine im Gegensatz zum 2-Takter eine Motorbremse hat. Dazu gehört auch die Arbeit mit der Kupplung, um die Motorbremse zu dosieren. Ein weiterer Aspekt ist das Gewicht: Die Moto2-Maschine ist mit 140 Kilo fast doppelt so schwer wie eine 125er und schiebt beim Anbremsen viel mehr.

Mit anderen Worten: Sie mussten neu lernen, Motorrad zu fahren?

Motorrad fahren konnte ich schon, auch eine 600er hat nur zwei Räder. Aber es ist vieles anders.

Sie fahren in der Moto2-Klasse mit Einheitsmotoren und Einheitsreifen. Vom Material her gibt es nur beim Chassis Unterschiede – wie gross sind diese?

Es gibt elf verschiedene Chassis, doch die ersten zwei Rennen haben gezeigt, dass die Unterschiede sehr gering sind. Ich war in Jerez im Training 21. und hatte 1,0 Sekunden Rückstand auf den Schnellsten.

Ihr Teamkollege Shoya Tomizawa ist mit dem identischen Material in den ersten beiden Rennen auf die Plätze 1 und 2 gefahren. Belastet Sie das?

Nein. Es ist gut zu wissen, dass unser Material erstklassig ist. Ich bin ja nicht weit weg von Shoya – im Qualifying fehlen mir rund 0,6 Sekunden. Wir versuchen uns gegenseitig zu unterstützen, sehen auch die Telemetrie-Daten des anderen. Es gibt Streckenabschnitte auf denen ich schneller bin.

Sie sind für einen Töff-Fahrer mit 1,73 m eher gross.

Vor allem schwer.

Wie schwer waren Sie heute Morgen?

66 Kilo.

Komma?

(lacht) Komma drei.

Da dürfte Ihnen die Moto2-Klasse und die vielen PS entgegenkommen?

Sicher ja. Bei den 125ern hatte es einige Leichtgewichte, die nur 50 Kilo wogen, und 15 Kilo Unterschied merkt man mit 50 PS. In der Moto2-Klasse mit 125 PS ist das weniger wichtig.

Achten Sie auf Ihr Gewicht?

Ja.

Wenn ich Ihnen statt eines Mineralwassers eine Cola angeboten hätte, was hätten Sie gesagt?

Nein, danke. Ich trinke seit drei, vier Jahren eigentlich nur Wasser. Beim Essen bin ich weniger konsequent, aber ich bestelle auswärts eher einen Salatteller und nicht Rahmschnitzel mit Pommes.

Entwässern Sie ihren Körper vor einem Rennen, um leichter an den Start zu gehen?

Nein, das würde keinen Sinn machen. Ein Rennen dauert 40 Minuten, da ist es wichtig, dass man die Konzentration behält und dazu darf man keinen Flüssigkeitsmangel haben.

Träumen Sie ab und zu vom Motorrad-Fahren?

Ja, ab und zu.

Wovon?

Von Rennstrecken, von Maschinen, alles mögliche.

Wen möchten Sie einmal überholen?

Valentino Rossi natürlich. In der MotoGP sind alle schnell. Aber Rossi, Lorenzo und Stoner sind schon noch etwas besser.

Woran denkt ein Motorrad-Fahrer auf der Aufwärmrunde?

Schwierige Frage. Ich schaue, dass die Reifen warm bleiben, und achte darauf, dabei nicht zu weit von der Ideallinie zu geraten, um die Pneus nicht schmutzig zu machen. Und wenn ich zur Startaufstellung komme, dann bin ich einfach voll konzentriert und warte darauf, dass der Mann ganz vorne mit der Fahne die Fahrbahn verlässt.

Um dann möglichst schnell möglichst viele Gegner zu überholen? Oder möglichst sicher durch die erste Kurve zu kommen?

Sicher möglichst viele Fahrer überholen! Wenn man nur sicher durch die erste Kurve will, dann wird man sehr wahrscheinlich als Letzter rauskommen.

Darf man als Töff-Pilot Angst haben?

Nein.

Gibt es keine Situationen, wo sich Ihnen unter dem Helm die Nackenhaare sträuben?

Situationen, in denen das Herz etwas schneller pumpt, gibt es sicher – wenn man beinahe einen Highsider produziert oder wenn ein Gegner knapp überholt oder hineinsticht, wo eigentlich kein Platz ist. Aber Angst ist das falsche Wort.

Ein Thema, das wohl in jedem Interview kommt: Tom Lüthi. Sind Sie und der andere Berner im GP-Zirkus Konkurrenten oder gibt es Berührungspunkte?

Neben der Strecke sind wir gute Kollegen, auf der Strecke natürlich Konkurrenten. Aber wir achten schon darauf, dass wir uns nicht gerade gegenseitig abschiessen. An der Rennstrecke selbst hat man gar nicht so viel Kontakt zu anderen Fahrern. Man ist bei seinem Team oder im Wohnmobil, da sieht man sich gar nicht so häufig.

Und zuhause in der Schweiz?

Hier gehen wir ab und zu Enduro- oder Go-Kart-fahren.

Wer gewinnt im Go Kart?

(lacht) Am letzten Sonntag habe ich gewonnen.

Sie stehen im Schatten Ihres Landsmannes. Fühlen Sie sich wohl in dieser Rolle oder ist es Ihnen eher lästig, dass jeder Journalist nach Tom Lüthi fragt?

Das ist okay so. Aber natürlich habe ich schon das Ziel, in irgendwann zu überholen. (lacht) Und nicht nur mit dem Go-Kart.

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