31.07.2020 13:59

Die heissesten MatchesAuch Federer und die Nati knickten unter der Hitze schon ein

Der Sommer geht in die heisse Phase. Der Fussball in der Schweiz auch. Das weckt Erinnerungen an Hitzeschlachten aus der Vergangenheit.

von
Eva Tedesco
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Auch am Freitagabend wirds heiss: YB spielt in Sitten um den Titel. Im Wallis sind beim Kick-off um 20.30 Uhr immer noch Temperaturen um 32 Grad zu erwarten.

Auch am Freitagabend wirds heiss: YB spielt in Sitten um den Titel. Im Wallis sind beim Kick-off um 20.30 Uhr immer noch Temperaturen um 32 Grad zu erwarten.

Marc Schumacher/freshfocus

Darum gehts

  • Der Bund warnt vor einer Mini-Hitzewelle in der Schweiz.
  • Die Kombination aus sportlichen Höchstleistungen und hohen Temperaturen kann zur Qual werden.
  • Wir erzählen von acht legendären Hitzeschlachten der letzten Jahrzehnte.

Der Bund warnt vor einer Mini-Hitzewelle in der Schweiz mit Höchsttemperaturen von bis zu 38 Grad. In den Niederungen der Alpensüdseite, im Wallis und in der Region Genf soll das Thermometer am Freitag und Samstag auf bis zu 39 Grad klettern.

In einer dieser Regionen wird nun am Freitag die Super League entschieden: YB spielt im Wallis beim FC Sion um die Meisterschaft (hier live im Ticker ab 20.30 Uhr). Aber Spitzensport unter Bullenhitze hat es schon immer gegeben. Acht Hitzeschlachten aus der Vergangenheit und ihre Geschichten dazu:

Schweizer Leichtathletin torkelt ins Ziel

An die Marathon-Goldmedaillengewinnerin Joan Benoit kann sich ausserhalb ihrer Heimat Amerika heute kaum mehr einer erinnern. Bilder einer Schweizer Athletin indes gingen um die Welt und blieben im Gedächtnis hängen. Gabriela Andersen-Schiess verpasste bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles bei 35 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von über 90 Prozent eine Verpflegungsstation. Völlig entkräftet und dehydriert bog sie auf die letzte Runde im Olympiastadion ein und konnte sich kaum noch auf den Beinen halten.

Sieben Minuten benötigte die Schweizerin für die rund 500 Meter auf der Stadionrunde, schwankte, torkelte, aber lehnte jede Hilfe der medizinischen Betreuer ab. Als ihr die Beine zu Versagen drohten, stockte den über 70’000 Zuschauern der Atem. Kameras fingen das ganze Drama ein.

Wie in Trance taumelte sie nach 2:48:12 Stunden als 37. ins Ziel, wo sie zusammenbrach. Ihre Körpertemperatur war auf 41,2 Grad gestiegen. Ärzte kämpfen danach in den Katakomben zwei Stunden um das Leben der Schweizerin, bis sie Entwarnung geben konnten.

Das torreichste WM-Spiel der Geschichte

Beim Thema Hitzeschlacht kommt man nicht am WM-Viertelfinal 1954 zwischen der Schweiz und Österreich vorbei. Es war heiss, sehr heiss. Die Temperatur kratzte an der 40-Grad-Marke. 3:0 führten die Schweizer in Lausanne nach 20 Minuten. Schon früh in der ersten Halbzeit erlitt der österreichische Goalie einen Sonnenstich.

Gemäss Berichten griff der Masseur der Ösis ein: Er stellte sich hinter das Tor, dirigierte den orientierungslosen Torhüter und «kühlte» ihn mit nassen Schwämmen. Es half: Die Österreicher kehrten das Spiel und gewannen 7:5. Da nützte auch nichts, dass sich die Schweizer in der Pause Sauerstoff zuführten und die Beine mit Schnaps einrieben, um die Schmerzen zu lindern. Die Hitzeschlacht von Lausanne ist bis heute die torreichste Partie der WM-Geschichte geblieben.

Trotz einer 3:0-Führung verlor die Schweiz am 26. Juni 1954 den WM-Viertelfinal gegen Österreich 5:7.

Trotz einer 3:0-Führung verlor die Schweiz am 26. Juni 1954 den WM-Viertelfinal gegen Österreich 5:7.

Foto: Keystone 

Sonnenschlacht von Colombes

Der Querfeldeinlauf bei den Olympischen Sommerspielen 1924 in Paris ging in die Geschichte ein. Start- und Zielort am 12. Juli war das Stade de Colombes. Die Strecke über 10,7 Kilometer bot den Athleten keinen Schatten. Von den 55 gestarteten Läufern beendeten nur 15 das Rennen. Der Schwede Sven Thuresson erlitt einen schweren Hitzschlag, blieb aber trotz der zahlreichen Aufgaben laut Wikipedia der einzig ernsthaft geschädigte Teilnehmer des Wettbewerbes. Gewonnen hat der Finne Paavo Nurmi (†75, neunfacher Olympia-Sieger).

Bei über 30 Grad läuft Paavo Nurmi am 12. Juli 1924 als Sieger im Stade de Colombes in Paris ein.

Bei über 30 Grad läuft Paavo Nurmi am 12. Juli 1924 als Sieger im Stade de Colombes in Paris ein.

Foto: AP Photo/File

Jahrhundertspiel in Mexiko bei 50 Grad

Bei der Fussball-WM 1970 in Mexiko herrschte Gluthitze, und jedes Spiel wurde zu einer Hitzeschlacht. Besonders in Erinnerung blieb der Halbfinal Deutschland - Italien. 27 Jahre später kürten auch 50 internationale Fussballstars bei einer Umfrage der französischen Sportzeitung «L’Equipe» den WM- Halbfinal zum «Spiel des Jahrhunderts».

1:1 stand es nach der regulären Spielzeit. Wie in Trance lieferten sich die Teams bei 50 Grad auf dem Rasen in der Verlängerung einen Schlagabtausch mit weiteren fünf Toren. Am Ende gewannen die Italiener 4:3 und standen im Final. Der wurde wegen der TV-Zuschauer in Europa am 21. Juni um 12 Uhr Mittag angepfiffen. Im Glutofen von Mexiko-Stadt setzten sich die Ballzauberer aus Brasilien gegen die vom Halbfinal-Marathon ausgelaugten Italiener 4:1 durch.

Brasilien (im Bild: Pele) kam mit der Gluthitze an der WM in Mexiko und der Höhenluft am besten zurecht und wurde am 21. Juni 1970 Weltmeister.

Brasilien (im Bild: Pele) kam mit der Gluthitze an der WM in Mexiko und der Höhenluft am besten zurecht und wurde am 21. Juni 1970 Weltmeister.

Foto: Keyteone

Die Mutter der Hitzeschlachten

Die Athleten stöhnen stets über die gnadenlose Hitze am ältesten Triathlon der Welt. Wenn es in der entscheidenden Phase eines Triathlons (3,86 km Schwimmen, 180,2 km Radfahren, 42,195 km Laufen) sowieso schon richtig hart wird, wird es beim Ironman Hawaii meist noch einmal richtig heiss. Der Oktober gehört mit 24,5 Grad im Monatsschnitt zu den wärmsten Monaten des Jahres auf der Insel im Pazifischen Ozean. Nicht so schlimm?

Mehrere Faktoren beeinflussen, dass die gefühlte Hitze viel grösser als «nur» die Gemessene ist: Auf der Strecke sucht man vergebens schattige Abschnitte. Die Luftfeuchtigkeit, die aus 28 Grad schnell einmal gefühlte 33 Grad macht, und der schwarze Lava-Asphalt. Das Lavagestein, das auf der gesamten Insel vulkanischen Ursprungs zu finden ist, reflektiert die Hitze der Sonne unbarmherzig und bringt die Sohlen so richtig zum Glühen.

2019 holte der Deutsche Jan Frodeno seinen dritten Sieg mit dem aktuellen Streckenrekord von 7:51:13 Stunden.

2019 holte der Deutsche Jan Frodeno seinen dritten Sieg mit dem aktuellen Streckenrekord von 7:51:13 Stunden.

Foto: Keystone

Tote Beine an der Tour de France

Auch die Radprofis müssen sich immer wieder mit irren Temperaturen auseinandersetzen. So an der letztjährigen Tour de France. Besonders hart war die 16. Etappe Ende Juli. Beim Start in Nimes brannte die Sonne erbarmungslos, es herrschten Temperaturen von 38 Grad im Schatten. Zudem heizte sich der Asphalt auf der Strecke auf bis zu 80 Grad auf. Die Fahrer mussten sich mit Tricks behelfen, schoben sich Eiswürfel in die Löcher ihres Helms oder fuhren mit einer Kühlweste.

Der Etappensieger Caleb Ewan sagte danach: «Ich habe mich richtig mies gefühlt. Ich wollte schon meinen Teamkollegen sagen, dass sie vorne im Feld nicht mehr arbeiten sollen, so sehr habe ich gelitten. Meine Beine waren tot.» Später gewann er auch noch die 21. Etappe. Gesamtsieger wurde der 22-jährige Egan Bernal.

Mit viel Wasser, Eiswürfel in den Luftlöchern im Helm oder Kühlwesten behalfen sich Radstars an der Tour de France 2019.

Mit viel Wasser, Eiswürfel in den Luftlöchern im Helm oder Kühlwesten behalfen sich Radstars an der Tour de France 2019.

Foto: Keystone

«Hot Slam» in Melbourne

Eiswesten für die Protagonisten liegen im Melbourne Park immer bereit. Am Australian Open, das stets im australischen Hochsommer stattfindet, ist nichts dem Zufall überlassen. Das Turnier hat sogar einen offiziellen Sonnencreme-Partner. Auch gibt es eine zuletzt 2019 angepasste Regel, die sogenannte Heat Rule. Dabei kombiniert man Aussentemperatur, Windstärke und Luftfeuchtigkeit. Daraus ergibt sich eine Skala von 1 bis 5 mit den jeweils für die einzelnen Stufen angepassten Verhaltensempfehlungen (Trinkpausen bis Spielverschiebung).

Szenarien wie 2014 sollen so vermieden werden: Damals hatten am zweiten Turniertag des «Hot Slam» insgesamt neun Profis wegen der Folgen der damals herrschenden Hitze von bis zu 43,9 Grad aufgegeben. Auch im Januar 2020 war der Court wie ein Glutofen heiss. Die Höchsttemperatur im Lauf des Tages betrug 43 Grad. Kurz vor dem Halbfinal zwischen Alexander Zverev und Dominik Thiem wurden immer noch 38 Grad gemessen. Allerdings ist im Vergleich zum US Open die Luftfeuchtigkeit in Australien nicht so hoch.

Nach 3:41 Stunden stand Dominic Thiem am Australian Open 2020 gegen Alexander Zverev als Finalist fest. Total ausgepumpt lagen sich die beiden Tennis-Stars danach in den Armen.

Nach 3:41 Stunden stand Dominic Thiem am Australian Open 2020 gegen Alexander Zverev als Finalist fest. Total ausgepumpt lagen sich die beiden Tennis-Stars danach in den Armen.

Foto: Keystone

Federer scheitert an der Hitze

Die Tennisprofis litten beim US Open 2018 unter der drückenden Hitze. Roger Federer verlor den Kampf gegen einen Australier und den New Yorker Glutofen. Der Schweizer musste sich nach 3:35 Stunden John Millman 6:3, 5:7, 6:7 (7:9), 6:7 (3:7) geschlagen geben. In 40 Matches zuvor hatte Federer in Flushing Meadows nie gegen einen Spieler ausserhalb der Top 50 verloren. Und von 2004 bis 2008 hatte er das US Open fünfmal in Folge gewonnen.

«Es war sehr heiss, eine der Nächte, in denen man keine Luft bekommt. Damit hatte ich heute Probleme, warum auch immer. Das ist mir selten zuvor passiert. Das ist keine Schande. So etwas kommt vor», sagte Federer danach. Noch spät in der Nacht war es in New York bei einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit 30 Grad heiss.

Roger Federer musste sich am US Open im September 2018 nach 3:35 Stunden John Millman 6:3, 5:7, 6:7 (7:9), 6:7 (3:7) geschlagen geben.

Roger Federer musste sich am US Open im September 2018 nach 3:35 Stunden John Millman 6:3, 5:7, 6:7 (7:9), 6:7 (3:7) geschlagen geben.

Foto: Keystone

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22 Kommentare
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Helka

01.08.2020, 19:23

Brusthaare zeigen halte ich für RF Werbung.

Habe auch heiss

01.08.2020, 12:09

Tja, das hat halt der Sommer so an sich🤷‍♀️.

Maurer

31.07.2020, 15:38

Oh habe Mitleid,niiiiicht. Lade alle gern ein,9 std bei mir zu arbeiten.