Tierischer Bedarf: Auch Fido darf Blut spenden

Aktualisiert

Tierischer BedarfAuch Fido darf Blut spenden

Nicht nur Menschen sind auf Blut-Konserven angewiesen: Damit unsere Hunde und Katzen in Notsituationen gut versorgt werden können, muss man ihre vierbeinigen Artgenossen zur Ader lassen.

von
Runa Reinecke

Blutspenden ist für viele Menschen eine Selbstverständlichkeit: Schliesslich könnten sie selbst während einer Operation oder nach einem schweren Unfall auf Spenderblut angewiesen sein. Was für Menschen gilt, ist auch in der Tiermedizin längst selbstverständlich. 20 Minuten Online sprach mit Karin Kalchofner, Veterinär-Anästhesistin am Tierspital Zürich, über vierbeinige Blutspender.

Wie lange gibt es die Blutspende im Tierspital?

Seit etwa zehn Jahren.

Welche Tiere können Blut spenden?

Eine reguläre Blutbank haben wir nur für Hunde. Für Katzen gibt es keine Blutbank, da ihnen ausschliesslich narkotisiert Blut abgenommen werden kann. Sie spenden nur im Akutfall.

Wie viele Hunde werden im Laufe eines Jahres «zur Ader gelassen»?

Wir generieren jährlich rund 200 bis 300 Transfusionen.

Welche Hunde kommen als Spender infrage?

Das Tier sollte zwischen einem und sechs Jahre alt und gesund sein. Des Weiteren muss es mindestens 23 Kilogramm wiegen. Wir achten ausserdem darauf, dass der Hund nicht allzu häufig ins Ausland reist. So können wir die Gefahr einer Infektion mit Parasiten möglichst gering halten.

Wie gehen Sie mit lebhaften Tieren um?

Wir nehmen ausschliesslich Hunde, die ruhig und kooperativ sind. Sie müssen sich freiwillig hinlegen und sich ungefähr fünf Minuten lang ruhig verhalten.

Wo und wie viel Blut wird entnommen?

Die Entnahme erfolgt an der Halsvene, das Tier spürt nur den Einstich. Danach werden 450 Milliliter Blut abgenommen, die in herkömmlichen humanmedizinischen Konserven-Beuteln zwischengelagert werden.

Was geschieht danach?

Das Blut wird zentrifugiert – dabei werden die roten Blutkörperchen vom Blutplasma getrennt. Die roten Blutkörperchen sind gekühlt bis zu einem Monat haltbar und kommen bei verunfallten Hunden und während Operationen zum Einsatz. Das Plasma wird beispielsweise bei Hunden eingesetzt, die über zu wenig Gerinnungsfaktoren verfügen.

Menschen haben unterschiedliche Blutgruppen, Hunde auch?

Ja, bei diesen Vierbeinern gibt es rund sieben bekannte Blutgruppen, aber nur eine wird routinemässig getestet. Je nach Unterteilung können es auch mehr sein.

Welche Alternativen zum Spenderblut gibt es?

Die einzige Alternative zum Blutkörperchen-Konzentrat ist Oxyglobin, ein auf Rinder-Hämoglobin basierender Sauerstoffträger. Es hält allerdings nicht lange und ist sehr teuer.

Wie häufig dürfen Hunde zu Ihnen kommen?

Bis zu viermal im Jahr. Wir freuen uns aber auch sehr über neue Spender.

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