Aktualisiert 17.09.2007 11:49

Auch Frankreich redet von Krieg im Iran

Im Atomstreit mit dem Iran muss sich die Welt nach den Worten des französischen Aussenministers Bernard Kouchner auf einen Krieg einstellen. Die Welt müsse sich auf das «Schlimmste einstellen».

Dies sagte Kouchner am Sonntagabend in einem Radio- und Fernsehinterview. Auf die Nachfrage, was denn das Schlimmste sei, sagte er ungewöhnlich deutlich: «Das ist der Krieg.»

Laut dem französischen Aussenminister gibt es derzeit weltweit «keine grössere Krise» als den Streit um das iranische Atomprogramm. Die internationale Gemeinschaft werde es nicht zulassen, dass der Iran sich Atomwaffen zulege, sagte Kouchner, denn dies wäre «eine echte Gefahr für die ganze Welt».

Gleichzeitig betonte Kouchner, für Frankreich bleibe der Verhandlungsweg die wichtigste Option, um Teheran zum Verzicht seiner Urananreicherung zu bringen. «Wir müssen bis zum Schluss verhandeln», sagte er.

Investitionsstopp

Um den Druck zu erhöhen, werde sich Paris jedoch für Finanzsanktionen der EU einsetzen, kündigte der Minister an. «Das haben unsere deutschen Freunde vorgeschlagen», sagte er weiter.

Paris habe zudem beschlossen, die grossen französischen Unternehmen zu einem Investitionsstopp im Iran aufzufordern. Das betreffe den Ölkonzern Total, den Energiekonzern Gaz de France (GDF) «und weitere» Unternehmen.

Iran: Kouchner «Übersetzer der USA»

In einer ersten Reaktion aus Teheran hiess es in einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA, die französische Regierung schlage einen schärferen Ton an als Washington. Präsident Nicolas Sarkozy und sein Aussenminister seien zum «Übersetzer des Willens des Weissen Hauses» geworden.

Sie schlügen dabei aber einen noch «härteren, hitzigeren und unlogischeren Ton» als die US-Regierung an, kommentierte das offizielle Sprachrohr der iranischen Führung. IRNA warnte davor, der «Extremismus der französischen Führung» könne bei den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm neue Hindernisse schaffen.

Israel erfreut

Positiv reagierte dagegen die israelische Regierung auf Kouchners Warnungen. Die Sprecherin des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert äusserte sich überzeugt, dass die internationale Gemeinschaft das iranische Atomprogramm auf dem Verhandlungsweg stoppen könne, wenn sie «einig und zum Handeln entschlossen» sei. (sda)

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