Auffälliger Nasenrachen- und Analabstrich: Auch genesene Covid-19-Patienten können Virus freisetzen

Aktualisiert

Auffälliger Nasenrachen- und AnalabstrichAuch genesene Covid-19-Patienten können Virus freisetzen

Bei Menschen, die als von Sars-CoV-2 geheilt gelten, lassen sich mitunter noch Wochen später Viruspartikel nachweisen. Doch was heisst das?

von
Fee Anabelle Riebeling
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Sind Genesene doch nicht immun auf Covid-19?  Darauf lassen nach Fällen in Südkorea …(Im Bild: Krankenpfleger in der südkoreanischen Stadt Daegu)

Sind Genesene doch nicht immun auf Covid-19? Darauf lassen nach Fällen in Südkorea …(Im Bild: Krankenpfleger in der südkoreanischen Stadt Daegu)

KEYSTONE
… nun auch Fälle aus dem chinesischen Loudi schliessen, wie Forscher im «Journal of the American Medical Association» berichten.

… nun auch Fälle aus dem chinesischen Loudi schliessen, wie Forscher im «Journal of the American Medical Association» berichten.

Screenshot/Jama Network
In beiden Ländern sind als gesund entlassene Patienten später wieder positiv auf das Coronavirus getestet worden.

In beiden Ländern sind als gesund entlassene Patienten später wieder positiv auf das Coronavirus getestet worden.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Weil sie keine Symptome zeigten und zweimal negativ getestet worden waren, wurden 60 Covid-19-Patienten aus dem Spital entlassen. Kurze Zeit später fiel bei 10 von ihnen ein erneuter Test positiv aus.
  • Die Forscher, die über die Fälle berichten, gehen nicht davon aus, dass sich die Betroffenen erneut mit Sars-CoV-2 angesteckt haben.
  • Zum Zeitpunkt der erneuten Testung waren acht der Betroffenen symptomfrei. Zwei Patienten litten gelegentlich unter Husten.
  • Unklar ist, ob die nachgewiesenen Virus-Partikel infektiös sind und was das bedeuten würde.
  • Offen ist auch, welche Bedeutung die positive Testung eines anderen Betroffenen hat. Dieser hatte nämlich nach seiner Genesung bereits Blutplasma gespendet.

Nicht nur bei akut erkrankten, sondern auch bei als bereits genesen eingestuften Covid-19-Patienten kann das Coronavirus mitunter nachgewiesen werden. Das zeigen aktuelle Fälle aus China, die in den «Research Letters Infectious Diseases» des «Journal of the American Medical Association» vorgestellt werden.

Grund für die Studie war die erneute Hospitalisierung von zwei ehemaligen Covid-19-Patienten. Nachdem sie bei ihrer Entlassung zweimal negativ getestet worden waren, wiesen sie bei der Einlieferung typische Symptome auf und wurden positiv auf das Virus getestet. Daraufhin untersuchten die Ärzte 58 weitere zuvor als gesund entlassene Patienten mittels Nasenrachen- und Analabstrich auf Virus-RNA.

Keine Einzelfälle

Bei acht wurden die Mediziner fündig. Damit trugen von den insgesamt 60 abermals getesteten Personen zehn erneut Viruspartikel in sich. Fünf davon hatten einen positiven Nasenrachen- und sechs einen positiven Analabstrich (bei einem der Betroffenen waren beide Abstriche auffällig).

Dass sich die Betroffenen ein zweites Mal infiziert haben, kann laut den Studienautoren um Jianjun Liu vom Loudi Center for Disease Control and Prevention ausgeschlossen werden. Alle hätten die Zeit zwischen ihrer Entlassung aus dem Spital und dem positiven Test in Quarantäne verbracht.

PCR-Abstriche werden oft vorgenommen. Mit ihnen lässt sich klären, welche Art von Infektion vorliegt, zurzeit vor allem um herauszufinden, ob jemand an Covid-19 erkrankt ist.

Video: Tamedia

Kaum Symptome

Zum Zeitpunkt der erneuten Testung waren laut den Forschern acht der Betroffenen symptomfrei. Zwei Patienten – beide älter als 70 Jahre und zudem mit mehreren Vorerkrankungen – hätten «gelegentlich unter Husten gelitten». Einer der beiden, bei dem die Virus-RNA in beiden Abstrichen nachgewiesen werden konnte, könnte diese aufgrund seines Auswurfs «ab Krankheitsausbruch 56 Tage lang freigesetzt haben», so die Wissenschaftler.

Ob er damit für andere Personen eine Gefahr dargestellt haben könnte, ist offen. Denn die angewendeten Nachweismethoden sagen nichts über die Infektiosität der Viruspartikel aus. «Das kann durch einen PCR-Test weder bewiesen noch ausgeschlossen werden», sagt Hugo Sax, Leiter der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich. Ein solcher weise sowohl «lebende» als auch «tote» Viren nach.

Doch selbst wenn infektiöse Viren vorhanden seien, «muss ein Patient nicht unbedingt relevant ansteckend sein», so Sax. Es komme auch immer auf die Virusmenge sowie auf die Symptome an. Das von den Forschern beschriebene Husten könnte jedoch die Ansteckungsgefahr, die von dem Patienten ausgeht, beeinflusst haben. «Ich denke, es braucht weitere Studien mit Testmethoden, die die Infektiosität der Viren direkt nachweisen, und wenn immer möglich auch das Ausmass der Infektiosität der Patienten für andere Menschen.»

Bedeutung für Antikörpertherapie?

Weiter ist unklar, welche Bedeutung die positive Testung eines anderen Betroffenen hat. Dieser hatte nämlich nach seiner Genesung bereits Blutplasma gespendet. Zwar hat er laut Jianjun Liu und seinen Kollegen das medizinische Personal bei der Abnahme nicht infiziert.

Doch sollte das Plasma für eine Antikörpertherapie eingesetzt werden, sind die Folgen für den Empfänger offen. «Positive PCR-Tests gehen nicht notgedrungen mit einer Zirkulation der Viren im Blut einher», erklärt Sax. «Ausserdem wird das Plasma vireninaktiviert und Spenden von PCR-positiven Patienten werden nicht für eine Spende verwendet.»

Erst negativ, dann positiv

Kann sich das Coronavirus Sars-CoV-2 im Körper verstecken? Diese Frage warfen südkoreanische Forscher erstmals auf, nachdem Anfang April 51 geheilte Covid-19-Patienten erneut positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurden. Eine eindeutige Antwort darauf steht bis heute aus. Die Wissenschaftler schlossen jedoch aus, dass sich die Betroffenen erneut infiziert haben. Sie vermuteten eher eine Reaktivierung der Erreger, wie der Direktor des Koreanischen Zentrums für Krankheitsbekämpfung KCDC, Joeng Eun-kyeong, wenige Tage später sagte, als insgesamt 91 Fälle bekannt waren.

Auch in der Schweiz ist es gemäss Hugo Sax ein ab und zu beobachtetes Phänomen, dass Patienten mit durchgemachter Covid-19-Erkrankung noch lange positive Nasenrachen-Abstriche auf PCR-Tests aufweisen.

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