Aktualisiert 22.04.2011 06:20

Katastrophe in JapanAuch Haustiere kämpfen ums Überleben

Hungrig oder verletzt, obdachlos und allein - an der Nordostküste Japans kämpfen sechs Wochen nach dem verheerenden Tsunami noch Hunderte Haustiere ums Überleben.

Oft sind die Halter der Tiere tot oder vermisst, manchmal auch in Auffanglagern, die keine Tiere zulassen. Unter den vielen Rettungsteams aus aller Welt, die nach der Jahrhundertkatastrophe die Trümmer durchsuchen, sind einige auf Vierbeiner spezialisiert.

Als am 11. März die Tsunami-Warnung ertönte, liessen viele Tierhalter ihre Katzen und Hunde zurück. Niemand rechnete damit, dass die Welle Tausende Menschen töten und Dutzende Küstenorte einfach auslöschen würde.

Viele Vierbeiner waren seither sich selbst überlassen, in einer bedrohlichen Umgebung, ohne Futter oder frisches Wasser. Unmittelbar nach dem Tsunami herrschte gespenstische Stille. «In den am schlimmsten getroffenen Gebieten sahen wir gar keine Tiere mehr», sagt Ashley Fruno von der Tierschutzorganisation PETA.

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«Einmal haben wir im Schlamm Pfotenabdrücke entdeckt, aber sie führten nirgendwo hin, und wir konnten in der Nähe keine Tiere finden.» Doch allmählich tauchten verirrte und verlassene kleine Wesen auf. Viele kamen aus beschädigten Häusern, in denen sie die zerstörerische Wucht des Wassers überlebt hatten.

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Spannungen in Auffanglagern

Eine Koalition verschiedener Tierschutzorganisationen, die Japan Earthquake Animal Rescue and Support (JEARS), durchsuchte in den vergangenen Wochen die trostlosen Ruinen der Küstenorte. Die Teams, bei denen auch Tierärzte ehrenamtlich mitarbeiten, kümmern sich um verletzte Tiere, versorgen alle mit Futter und Wasser. Herrenlose Tiere bringen sie provisorisch unter.

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Auch in den Auffanglagern sind die Tierschützer aktiv, schliesslich sind Hunde und Katzen in den oft überfüllten Notunterkünften nicht immer willkommen. «Es gab Spannungen zwischen den Leuten mit Tieren und denen ohne», sagt die Tierärztin Kazumasu Sasaki.

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«Manche Leute haben Allergien, und sie beschweren sich, dass die Hunde bellen und kämpfen. Das ist verständlich.» Manche bleiben lieber in ihren beschädigten Häusern, wenn sie ihre Lieblinge nicht mitbringen dürfen in die Auffanglager.

Herzergreifendes Wiedersehen

«Für die Leute hier sind Haustiere Familienmitglieder», macht Sasaki deutlich. «Für manche ist das Haustier, nach allem was passiert ist, das einzige, woran sie sich noch festhalten können und das ihnen Trost spendet.»

Timo Takazawa und ihr Mann haben den Tsunami überlebt. Jetzt wollen sie ihre Hündin Momo nicht hergeben, obwohl es Klagen gab von anderen Evakuierten im überfüllten Notlager von Sendai. «Ich kann mir nicht vorstellen, hier ohne sie zu sein. Wenn ich sie hier nicht behalten könnte, dann würden wir mit ihr gehen», sagt die 65-Jährige.

Lichtblicke in der schweren Zeit nach der Katastrophe sind die zum Teil herzergreifenden Szenen, wenn sich Mensch und Tier wiederfinden. So wurde ein von der Küstenwache geretteter Hund mit seinem Frauchen wieder vereint.

Der Fernsehsender NHK zeigte, wie die zweijährige Hündin in einem Tierheim voller Freude ihrer Besitzerin in die Arme sprang. Die Frau hatte den Hund in einer Reportage im Fernsehen erkannt. Drei Tage zuvor war «Ban» gerettet worden. Die Hündin trieb auf den Trümmern eines Hausdachs rund zwei Kilometer vor dem weitgehend zerstörten Hafen Kesennuma im Meer. (sda)

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