Professor zu Umweltkatastrophe in Indien: «Ein Erdrutsch im Wallis kann zu einem Tsunami im Genfersee führen»
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Professor zu Umweltkatastrophe in Indien«Ein Erdrutsch im Wallis kann zu einem Tsunami im Genfersee führen»

Der Norden Indiens ist von einem Gletscherabbruch betroffen. Es gab mehrere Todesopfer. Eine solche Naturkatastrophe ist laut eines Experten auch in der Schweiz möglich.

von
Lauren von Beust
In Indien kam es nach einem Gletscherabbruch zu einer Sturzflut.

Darum gehts

  • In Nordindien verloren mindestens 14 Menschen bei einem Gletscherabbruch ihr Leben.

  • In der Schweiz sei ein solches Szenario nicht unmöglich, sagt ein Professor.

  • Die Gletscher in der Schweiz würden ständig überwacht.

Durch die von einem Gletscherabbruch in Nordindien ausgelöste Sturzflut sind mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 170 weitere wurden am Montag noch vermisst, wie die Behörden mitteilten. Der Gletscherabbruch wurde möglicherweise von einer Lawine ausgelöst.

Könnte in der Schweiz mit 1400 Gletschern auch ein solches Szenario eintreten? Laut dem Professor am Institut für Umweltwissenschaften in Genf, besteht auch in der Schweiz die Gefahr eines Gletscherabbruchs. «Solche Naturereignisse müssen wir wegen der globalen Erwärmung auch in der Schweiz berücksichtigen», sagt Markus Stoffel gegenüber«20 Minutes». Er erinnert an den Bergsturz von Bondo GR im August 2017, bei dem acht Menschen ums Leben kamen. «Bei diesem Felssturz schmolz die Gletschermasse und bildete eine gigantische Trümmerlava. Dieser Fall ist mit Indien vergleichbar», sagt der Experte.

Permanente Überwachung

In der Schweiz würden die Gletscher jedoch genau überwacht, sagt Stoffel. «Es gibt Warnsysteme. Im Wallis beispielsweise werden mehrere Gletscher permanent überwacht, weil sie sich lösen könnten, so beim Weisshorn auf 4506 Meter Höhe und beim Hohlaub-Gletscher, einschliesslich des Lagginhorns auf 4017 Meter Höhe.» Im Jahr 1965 wurden durch einen Gletscherabbruch des Allalingletschers im Saas-Grund-Tal 88 Bauarbeiter begraben. Bei den mehrmonatigen Bergungsarbeiten konnte unter der starken Geröllschicht keiner der Verschütteten lebend geborgen werden.

«Ein solches Phänomen kann auf lokaler Ebene tödliche Folgen haben, so wie es in Indien der Fall war», sagt der Professor. Die Folgen seien auch grösser als bei einer Überschwemmung, die durch Regen verursacht werde, da die Wassermassen bei einem Gletscherabbruch viel gewaltiger seien und sich auf ein kleines Gebiet konzentrieren würden, erklärt Stoffel. Das Val Ferret beim Mont-Blanc Massiv könnte beispielsweise überschwemmt werden.

Tsunami am Genfersee

Der Professor beschreibt ein speziell anmutendes Szenario: «Sollte es in Saint-Gingolph VS zu einem grossen Erdrutsch kommen, kann dies zu einem Tsunami im Genfersee führen», sagt er. Derzeit sei die Wahrscheinlichkeit jedoch sehr gering, da der Pegel des Sees heute reguliert sei im Gegensatz zum Jahr 563, wo es zu einer solchen Katastrophe gekommen ist, sagt Stoffel.

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