«Timeout»: Auch Klotens Milliardär wird unvernünftig
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«Timeout»Auch Klotens Milliardär wird unvernünftig

Jetzt ist auch der Milliardär Philippe Gaydoul im Eishockey angekommen und holt sich einen Lockout-Spieler: Er wird unvernünftig.

von
Klaus Zaugg

Als Verbandspräsident ist Philippe Gaydoul im Eishockey nie richtig heimisch geworden. Er war zu vernünftig, zu berechnend, zu cool. Er liess sich nie zu einer Polemik hinreissen, er betrachtete die Dinge nüchtern. Es schien fast, als gebe es für ihn wenig Unterschied zwischen Sportmanagement und Handel mit Luxusartikeln. Er redete und handelte mit Verstand und nicht mit Emotionen.

Dann hat der Milliardär die Kloten Flyers zusammen mit Thomas Matter (Multimillionär) übernommen. Und es schien, als sei Philippe Gaydoul tatsächlich dazu in der Lage, das Sportmanagement neu zu erfinden. Endlich einer, der kühl rechnet und sich nicht von Emotionen leiten lässt. Nein, wir spielen nur mit zwei Ausländern. Wir geben den Junioren eine Chance. Das war nach der dramatischen wirtschaftlichen Rettungsaktion im Sommer klug.

Vernunft ist langweilig

Ein Erfolg dieser Strategie der Vernunft hätte verheerende Signalwirkung auf die Unterhaltungskultur unseres Hockeys gehabt. Denn erst die Unvernunft der reichen Männer beschert uns Kurzweil. Ohne die Unvernunft von Walter Frey (ZSC Lions), von Hans-Ueli Rihs (Lakers), von Geo Mantegazza (Lugano), von Filippo Lombardi (Ambri), von Peter Jakob (Langnau) oder der wohlbestallten Zürcher im «Kristall Klub» des HC Davos wäre unser Hockey im besten Sinne des Wortes arm dran. Wir hätten nur eine Operettenliga wie in Österreich oder Italien.

Ein erfolgreicher Sparkurs in Kloten hätte am Ende gar dazu geführt, dass künftig auch andere Klubs nur noch mit zwei oder gar einem Ausländer angetreten wären und auf grosse Transfers verzichtet hätten. Welch eine Verarmung der Unterhaltungskultur! Niemand kommt ins Stadion weil vernünftig gewirtschaftet wird. Vernunft und kluges Management ergibt keinen Gesprächsstoff für die Unterhaltungsindustrie Sport. Politik wäre auch kein Medienthema, wenn immer nur sachlich über Problemlösungen diskutiert würde und wenn es keine Intrigen und Machtkämpfe und parteiideologischen Auseinandersetzungen gäbe.

Drei neue Spieler für Kloten

Aber nun können wir beruhigt sein. Endlich hat die normative Kraft der Emotionen des Sportes auch Philippe Gaydoul unvernünftig gemacht. Mit Brooks Laich kommt ein NHL-Star, mit Kamil Kreps ein tschechischer Internationaler, erfahren aus NHL- und KHL-Gastspielen. Mehr noch: Aus Lugano eilt mit Raffaele Sannitz ein Nationalstürmer herbei, um den Zürchern zu helfen. Die Klotener hätten durchaus noch eine Weile auf solche Transfers verzichten und auf vernünftig machen können, ohne in Not zu geraten. Aber sie wären Gefahr gelaufen, das langweiligste Hockeyunternehmen im Lande zu werden.

Es geht in Kloten schon fast wieder so hoch zu und her wie unter Präsident Jürg Bircher. Mit dem grossen, schönen und beruhigenden Unterschied, dass die neuen Besitzer des Unternehmens die neue Unvernunft aus der Portokasse bezahlen können. Unvernünftige Milliardäre sind immer das Beste, was einem Sport passieren kann. Hier ebenso wie in Amerika. Es ist eine wunderbare Ironie der Hockeygeschichte, dass Rolf Mosimann nun als neuer Präsident des Unternehmens diese Politik der Unvernunft seiner Hauptaktionäre zu vertreten und zu verantworten hat. Er war unter Jürg Bircher als Protest gegen die Unvernunft aus dem Verwaltungsrat zurückgetreten. Tja, wes Brot ich ess, des Lied ich sing – und letztlich hat ja auch der legendäre Deutsche Kanzler Konrad Adenauer gesagt: «Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern.» Was einer weltgeschichtlichen Persönlichkeit wie Adenauer recht ist, ist Rolf Mosimann billig.

Wir dürfen Philippe Gaydoul jetzt endlich, endlich als neues Mitglied der grossen Eishockeyfamilie begrüssen. Die Konkurrenz sollte sich aber warm anziehen: Die neue Unvernunft wird dazu führen, dass Kloten auf Meisterstärke aufrüsten wird. Spätestens in zwei Jahren werden die Zürcher um den Titel spielen.

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