Online-Reputation: «Auch mit Geld kann man nicht jeden Ruf retten»
Aktualisiert

Online-Reputation«Auch mit Geld kann man nicht jeden Ruf retten»

Verleumdungen, alte Nacktbilder oder Beiträge in Foren: Das Internet vergisst nie – ausser man kennt Simon Stöckli. Der Schweizer Internet-Unternehmer wahrt den Ruf seiner Kunden im Netz.

von
Lorenz Hanselmann
Simon Stöckli ist ein sogenannter «Reputation Defender».

Simon Stöckli ist ein sogenannter «Reputation Defender».

Eine makellose Online-Reputation kann für Private und Unternehmen matchentscheidend sein. Etwa bei der Stellensuche oder Vergabe von Krediten. Was es im Ausland schon seit Jahren gibt, wird inzwischen auch in der Schweiz angeboten: Sogenannte «Reputation Defender» versuchen den guten Ruf ihrer Kunden im Internet wieder herzustellen. Simon Stöckli ist Geschäftsführer der Dishy! AG in Zug, die sich auf entsprechende Dienstleistungen spezialisiert hat.

Wer sind Ihre Kunden?

Simon Stöckli: Das geht von Firmen über Prominente bis Privatpersonen. Sie wollen zum Teil verleumderische Einträge im Internet löschen, zum Teil geht es aber auch um an sich ganz harmlose Inhalte. Wir halfen beispielsweise einem Firmenchef, der nach einem Bordellbesuch mit seinem Geschäfts-Email ins Forum des Etablissements schrieb. Wenn Kunden die Firma googelten, kam der Eintrag dann weit oben. In einem anderen Fall löschten wir für eine Schauspielerin ihren Jahrgang bei Wikipedia.

Wie gehen Sie dabei vor?

Bei leichten Fällen mit wenigen Beiträgen im Netz kontaktieren wir die Betreiber der Websites und verhandeln über die Löschung. Bei mittleren Fällen mit vielen Einträgen und auch einigen Presseartikeln wird es schon heikel. Und bei schweren Fällen, wie wenn jemand in der Vergangenheit Konkurs angemeldet hat, bleibt meist nur der Rechtsweg. Dort hat man je nach Land aber nur bei ehrverletztenden oder rufschädigenden Einträgen Erfolg.

Was kostet die Rufrettung?

Bei einfachen Fällen verrechnen wir rund 150 Franken. Bei Mittleren können es bis zu 5000 werden. Und bei schweren Fällen verweisen wir die Kunden an Anwälte. Das kann dann sehr teuer werden. Und man muss eins sehen: Wir können zwar zehn verleumderische Einträge löschen. Wenn mir jemand böse will, schreibt er aber einfach einen elften. Deshalb muss man das Grundproblem lösen. Sonst bleibt alles Symptombekämpfung.

Kann man mit genug Geld einfach einen guten Ruf kaufen?

Nein. Geld spielt schon eine Rolle, aber man kann nicht jeden Ruf retten.

Also können auch Sie jemandem wie Dominique Strauss-Kahn nicht helfen?

Nein. Wenn jemand durch die ganze internationale Presse gezogen wurde, hat er kaum eine Chance, seinen Ruf aufzupolieren. Man könnte höchstens möglichst viele positive Infos über ihn ins Netz stellen, damit diese beim Googeln zuoberst erscheinen. Das ist aber wahnsinnig aufwendig und entsprechend teuer.

Lehnen Sie auch Aufträge ab?

Sogar viele. Wir gewichten einerseits die Presse- und Meinungsfreiheit hoch. Und anderseits frage ich mich auch jedes Mal: Ist jemand Opfer oder Täter? Weder helfen wir Tätern, noch üben wir Zensur.

Junge sind im Internet oft unvorsichtig. Brauchen die später alle einen Ruf-Doktor?

Die Anfragen werden zunehmen, das ist klar. Aber die Jungen werden auch immer stärker sensibilisiert. Ich glaube deshalb nicht, dass sie als Erwachsene alle Probleme mit ihren Einträgen haben werden.

Wie kann man verhindern, dass der Ruf beschädigt wird?

Man soll sich jeden Eintrag im Internet zweimal überlegen. Am Ende ist es aber einfach so: Einen wirklich guten Ruf hat nur der, der auch Gutes tut. Durch das Internet wird ja alles transparent. Das ist das Schöne daran: Wir werden gezwungen, ehrlich zu sein.

Web-Reputation

Wie schnell Einträge im Internet zum Problem werden können, merkte im Mai eine 15-Jährige: Sie verlor ihre Lehrstelle auf der Gemeindeverwaltung von Freienbach SZ, weil sie im Internet über den dicken Hintern ihrer Lehrerin gelästert hatte. Aus dem Ausland sind diverse ähnliche Fälle bekannt. So wurde 2010 in Frankreich ein Mann entlassen, der auf Facebook den Eintrag «Scheisstag, Scheissjob, Scheissfirma, Scheisschefs» veröffentlichte. Wer wissen will, was über ihn selbst im Internet steht, kann sich «ego-googeln». Eine detaillierte Auswertung der Einträge liefert die Website reputationtool.com (hal)

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