26.10.2020 05:04

Menschenmengen«Auch mit Masken kann es zu Ansteckungen kommen»

Trotz steigender Fallzahlen treffen sich Menschenmassen auf engstem Raum – und das völlig legal. Schutzkonzepte und Eigenverantwortung würden nun aber nicht mehr viel bringen, sagt Epidemiologe Andreas Cerny.

von
Nathan Keusch
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«Der Saal war ausverkauft», sagt eine Leser-Reporterin zum Auftritt von Kaya Yanar in Winterthur. «Es war mega beängstigend», erzählt sie. Viele Besucher hätten sich in der Menschenmenge unwohl und unsicher gefühlt.

«Der Saal war ausverkauft», sagt eine Leser-Reporterin zum Auftritt von Kaya Yanar in Winterthur. «Es war mega beängstigend», erzählt sie. Viele Besucher hätten sich in der Menschenmenge unwohl und unsicher gefühlt.

Leser-Reporterin
Das Jubiläumswochenende des Shoppi Tivoli sorgt für Corona-Kritik.

Das Jubiläumswochenende des Shoppi Tivoli sorgt für Corona-Kritik.

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Auf der Titlis-Bahn stehen die Skifahrer Schulter an Schulter.

Auf der Titlis-Bahn stehen die Skifahrer Schulter an Schulter.

Leser-Reporter

Darum gehts

  • Trotz steigender Corona-Zahlen kommt es immer wieder zu Menschenansammlungen und Grossveranstaltungen.

  • Die Veranstalter verweisen auf die eingehaltenen Schutzkonzepte.

  • Ein Experte warnt: Auch mit Maske sind Ansteckungen möglich.

Am Wochenende kam es vielerorts in der Schweiz zu regelrechten Menschenansammlungen: Im Shoppi Tivoli feierten Hunderte Besucher dicht gedrängt das Jubiläum des Shoppingcenters. Das sei «sehr unglücklich», sagt Geschäftsführer Patrick Stäuble. «Mit dem Schutzkonzept sahen wir für das Jubiläumswochenende zu keiner Zeit ein erhöhtes Risiko.»

Ebenfalls eng wurde es in Engelberg: Auf einem Bild ist zu sehen, wie etliche Personen im Gang zur Titlis-Gondelbahn anstehen. Sprecher Urs Egli verweist auf das Schutzkonzept: Die Gäste trügen eine Maske.

Ähnliche Bilder folgten aus dem Circus Knie: 1200 Personen besuchten die Show am Samstagnachmittag auf dem Sechseläutenplatz. «Also so wundert es mich nicht, dass die Zahlen steigen», schreibt eine Leser-Reporterin dazu. Auch hier laufe alles nach den Richtlinien, sagt Knie-Sprecherin Catherine Bloch: «Letzte Woche gab es vom Kanton auch eine Kontrolle der umgesetzten Massnahmen – es wurde festgestellt, dass das Schutzkonzept einwandfrei umgesetzt wird – vonseiten Zirkus wie auch von den Besuchern.»

«Niemand hat sich richtig wohl gefühlt»

Trotz bewilligter Schutzkonzepte an Grossveranstaltungen fühlen sich nicht alle Besucher sicher. «Es war mega beängstigend», sagt eine Leser-Reporterin. Sie war am Samstagabend mit einer Kollegin am Auftritt des Komikers Kaya Yanar in der Parkarena Winterthur. «Die Show war ausverkauft und der Saal komplett voll.» Vor dem Event habe sie gedacht, dass ein Teil der Sitze abgesperrt werde und Abstand unter den Besuchern gewahrt werden könne. Hätte sie gewusst, dass dem nicht so sei, wäre sie daheimgeblieben. «Abgesehen vom Rein- und Rausgehen waren die Zuschauer immer nahe aufeinander.» Trotz gut durchgesetzter Maskenpflicht sei die Stimmung angespannt gewesen. «Niemand hat sich richtig wohl gefühlt», sagt sie. Es sei im Publikum viel gemunkelt worden, ob man sich hier nicht leicht anstecken könne.

Derartige Grossveranstaltungen sind laut Infektiologe Andreas Cerny bald nicht mehr möglich. Das Ansteckungsrisiko sei vor allem dann vorhanden, wenn die Distanz unter den Menschen zu klein ist. Wo viele Menschen dicht gedrängt in geschlossenen Räumen seien, herrsche eine Risikosituation. «An solchen Veranstaltungen ist ein Übertragungsrisiko vorhanden. Auch mit Maske kann es zu Ansteckungen kommen.»

Abstandhalten ging wieder vergessen

«Wir sollten lieber auf der sicheren Seite sein», sagt er. Aus epidemiologischer Sicht sollte man klar keine Grossveranstaltungen besuchen oder durchführen, da würden auch Schutzkonzepte und Eigenverantwortung nicht viel bringen. «Die Eigenverantwortung kann nur bis zu einem gewissen Grad gefordert werden.» Man sehe, das viele Dinge, etwa das Abstandhalten, die man im März gelernt habe, jetzt wieder vergessen gegangen seien. Deshalb ist der Arzt für ein erneutes Verbot von Grossveranstaltungen. «In mehreren Kantonen ist dies bereits der Fall, und ich denke, dass auch landesweit wieder ein Verbot kommt.»

Dass die Chancen gross sind, an einem solchen Event auf eine Person zu treffen, die das Coronavirus in sich trägt, zeigt die Berechnung von Data-Scientist Thorsten Kurz. Ausgehend von den Zahlen des BAG hat er ausgerechnet, wie hoch die Chance ist, dass eine Person in einer Gruppe mit Corona infiziert ist. Je nach Alterskategorie schwankt die Chance in der Schweiz zwischen 65 und 92 Prozent bei einer Gruppe von 100 Personen.

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536 Kommentare
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tb

28.10.2020, 00:13

Masken sind wohl schon nützlich, aber kein Allheilmittel, wegen der Aerosole die eben wesentlich kleiner als die Poren der Masken sind (total unabhängig von Zertifizierung). Soll heissen, wenn man sich nur auf Masken verlässt, kommt's schief. Und die offiziellen Massnahmen verlassen sich schon krass auf die Masken, denn wer Maske trägt zum richtigen Moment ist vom Kontakt-Tracing und von der Quarantäne ausgenommen. Da hat doch ein Herr Tegnell aus Schweden mal gemeint, Masken seien heikel, weil man sich dann zusehr geschützt fühlt. Hat er wohl nicht so unrecht, auch wenn niemand Herrn Tegnell gerne recht zu geben will. Es kann eben schon sein, dass es nicht vor allem an der Disziplin der Leute liegt (die ist nämlich meist fantastastisch, inklusive bei Maskengegnern), aber vielleicht auch ein klein bisschen an den Massnahmen selbst (und natürlich am unglücklich kalt-feuchten Wetter, aber das ist ja unveränderbar). Wir sammeln eben immer noch Erfahrung mit Covid...

hans

27.10.2020, 18:11

Experten haben herausgefunden dass mein stuhl dünn ist

Ebru

27.10.2020, 17:41

Am besten ziehen alle die Masken ab erhalten die Corona und nach 10 Tagen ist man save ;-) so oder so werden alle die Corona erhalten.