Mobile Motion Filmfestival: «Auch Oscar-Regisseure drehen mit Smartphones»
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Mobile Motion Filmfestival«Auch Oscar-Regisseure drehen mit Smartphones»

Am Wochenende findet in Zürich das MoMo-Filmfest statt. Direktorin Andrea Holle über Sinn und Unsinn von Smartphone-Filmen.

von
mel

Das Mobile Motion Film Festival zeigt in seinem vierten Jahr die besten 13 Kurzfilme aus aller Welt sowie die Spielfilme «High Fantasy» (Jenna Bass, ZAF) und «You Have Been Chosen» (Simon Horrocks, GB). Bisher erreichen die Festival-Jury jährlich 200-500 Einsendungen – Tendenz steigend. (Trailer: MoMo-Filmfest)

Andrea, wann hat dich das erste Mal ein Film vom Smartphone-Kino überzeugt?

Das war vor ungefähr fünf Jahren, als ich auf den Film «The Fixer» von Conrad Mess gestossen bin. Ich konnte es kaum glauben, dass dieser Film auf einem Smartphone gedreht worden war.

Ein Grund, warum du das MoMo-Filmfest vor vier Jahren gegründet hast?

Auch. Mit MoMo möchten wir Barrieren abschaffen und jedem die gleiche Chance geben, Geschichten auf die Kinoleinwand zu bringen. Längst nicht jeder talentierte Filmemacher kann sich eine Kamera und die Einreichegebühren für Festivals leisten.

Wie hat sich die Szene seit dem ersten MoMo-Filmfest verändert?

Am Anfang wurden wir belächelt, Smartphone-Filme galten als Spielerei. Mittlerweile drehen Oscar-Gewinner wie Stephen Soderbergh und Michel Gondry mit Smartphones. Gute Geschichten brauchen keine Special Effects oder grosse Budgets.

Sind eure Themen andere als beim konventionellen Filmemachen?

Sie sind sehr ähnlich, wir sehen an den eingereichten Filmen vor allem, was die Menschen heute bewegt. Überdurchschnittlich oft handeln unsere Filme von neuen Technologien oder Social Media. Man sieht auch, wo das Smartphone seine Stärken hat, nämlich im Bereich Dokumentarfilm oder auch im Horror-Genre.

Warum genau da?

Smartphone-Filme vermitteln Nähe und Natürlichkeit. Das spricht vor allem die heutige junge Generation an.

Der Snapchat-Kurzfilm «Cracked Screen», der am Festival läuft, zeigt auch die Gefahren der Smartphone-Nutzung.

Ja, Filme und Bilder in Echtzeit zu übermitteln, ist unterhaltsam und schnell, aber das Internet ist ein öffentlicher Raum. Jeder kann unsere Bilder und Filme ansehen, kommentieren, kopieren, herunterladen oder gar bearbeiten. Da muss eine konsequente Aufklärung stattfinden.

Heute gibt es mehr Smartphones auf dieser Welt als Menschen. Könnten wir alle erfolgreiche Filmemacher sein?

Man muss sein Handwerk schon verstehen, um einen guten Film zu machen. Das ist beim Smartphone nicht anders als bei jedem anderen Film.

Welchen Festival-Film möchtest du Besuchern besonders ans Herz legen?

«Winner Takes Field», der Kurzfilm der jungen ägyptischen Filmemacherin Salma Salem. Er handelt von einem kleinen Mädchen, das dafür kämpft, bei einem Fussballspiel, in dem eigentlich nur Knaben zugelassen sind, mitzumachen.

Das Mobile Motion Filmfestival findet am 9. und 10. Juli im Kulturhaus Kosmos in Zürich statt.

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