Google: Auch Passwörter abgegriffen
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GoogleAuch Passwörter abgegriffen

Beim heimlichen Speichern von Daten aus WLANs sollen auch die persönlichen Logins von E-Mail-Accounts erfasst worden sein, sagt ein französischer Datenschützer.

von
mbu
Goolges Kamerafahrzeuge haben nicht nur Fotos geschossen, sondern auch Daten aus offenen WLANs abgezogen.

Goolges Kamerafahrzeuge haben nicht nur Fotos geschossen, sondern auch Daten aus offenen WLANs abgezogen.

«Google hat sehr wohl Passwörter für den Zugang zu E-Mail-Briefkästen gespeichert. Das ähnelt dem Abhören von Telefongesprächen», sagte Alex Türk, der Präsident der Datenschutzbehörde CNIL, laut dem Finanzblatt «La Tribune». Google hat bislang noch keine konkrete Stellung zu den neusten Vorwürfen bezogen. Ein Sprecher von Google schreibt auf Anfrage von 20 Minuten Online, dass sie aber mit den jeweiligen Datenschutzbehörden die Zusammenarbeit suchen würden.

Mitte Mai hatte Google zugegeben, seit 2007 private Daten aus offenen Funknetzen erfasst und gespeichert zu haben (20 Minuten Online berichtete). Ingesamt sollen seit 2007 rund 600 Gigabyte gespeichert worden sein. Das Unternehmen sammelte diese bei Kamerafahrten für den umstrittenen Dienst Street View.

Der Fehler wurde entdeckt, weil der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar das Unternehmen aufgefordert hatte, die von den Street-View-Autos aufgezeichneten Daten zu überprüfen. Dabei war Technikern aufgefallen, dass die Fahrzeuge eine Software nutzen, die ein Google-Entwickler 2006 zum Speichern öffentlicher Daten aus ungesicherten Funknetzen geschrieben hatte. Der Google-CEO Eric Schmidt hatte angekündigt, dass den Programmierern der Software disziplinarische Massnahmen drohen würden.

Webseite von Ilse Aigner manipuliert

Die deutsche Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner kritisierte Google wegen der Datenpanne und forderte eine lückenlose Aufklärung. Sie drohte, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Offenbar machte sie sich mit ihrem Engagement in bestimmten Kreisen ziemlich unbeliebt. Letzte Woche wurde ihre private Webseite von Hackern manipuliert, schreibt das Newsportal focus.de. Sie wurde heimlich um ein Programm ergänzt, das Informationen von einer russischen Webseite nachladen sollte. Für die Besucher bestand dadurch die Gefahr, ausspioniert zu werden.

In der Schweiz befasst sich der eidgenössische Datenschützer Hanspeter Thür mit dem Fall. Im Interview mit 20 Minuten Online liess er durchblicken, dass er bezweifle, dass die Daten unwillentlich abgefangen wurden. Er will den Fall in Zusammenarbeit mit den europäischen Datenschutzbehörden genauer abklären.

In den USA droht Google wegen Street View nun auch ein langer Rechtsstreit. Denn wie Richard Blumenthal, Generalstaatsanwalt von Conneticut, auf seiner Website mitteilte, wollen Vertreter von 30 Bundesstaaten die Datenschutzprobleme von Street View nun untersuchen. «Google muss erklären, wie und warum es persönliche Daten abgefangen und gespeichert hat, die über private und kommerzielle WLAN-Netze übertragen wurden», schrieb Blumenthal.

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