Kosovare vor Ausschaffung: Auch Polizisten wollen, dass er bleibt – vergeblich

Aktualisiert

Kosovare vor AusschaffungAuch Polizisten wollen, dass er bleibt – vergeblich

Seit 14 Jahren arbeitet der Kosovare Hesat Shabani in der Schweiz, spricht Deutsch und Französisch, ist bei allen beliebt – trotzdem muss er seine zweite Heimat verlassen.

von
gbr

Die Geschichte von Hesat Shabani beschäftigt die Westschweizer Öffentlichkeit schön länger. Doch nun ist das Schicksal des 39-jährigen Kosovaren traurige Gewissheit: In zwei Wochen wird Shabani von den Berner Behörden den definitiven Termin seines Landesverweises erfahren, berichtet «Le Matin». Das Schreiben der Schweizer Behörden habe er am vergangenen Freitag im Briefkasten gehabt. Damit hat auch die letzte Aktion für ein Bleiberecht – 250 Unterschriften, darunter 41 von gewählten Waadtländer Politikern von links bis rechts und 15 Unterschriften von Lausanner Polizisten – nichts genützt.

Man kennt Shabani in Lausanne, er sei «eine Bekanntheit im Quartier de la Cathédrale», schreibt die Zeitung. «Ich bin am Ende», sagt Shabani, «nach all der Unterstützung der Leute, die ich erfahren durfte. Der negative Entscheid ist so schnell gekommen.»

Chef der Bar Giraf

Seit 14 Jahren lebt Shabani in der Schweiz, er hat nie Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld bezogen. Ein «Vorbild für Integration» sei er, heisst es. In die Schweiz kam er wegen der Liebe zu einer Kosovarin, die in Winterthur lebte – er hat sie geheiratet, erhielt den B-Ausweis. Doch nach der Scheidung verliert er diesen wieder, zieht nach Lausanne, lernt Französisch, findet sofort wieder Arbeit.

Als Angestellter des bekannten Restaurants Le Vieux-Lausanne führt Shabani die Bar Giraf gegenüber – und ist bei allen beliebt. Er kämpft mit allen Mitteln, um in der Schweiz bleiben zu können, obwohl er sie verlassen müsste. «Ich liebe die Schweiz, alles, was ich erreicht habe, aber mein ganzes Leben hier hängt an einem Stück Papier. Das Einzige, was mich noch retten kann, ist eine Unterstützung aus der Politik – falls das nicht passiert, ist alles verloren.»

Geld und Ehre

Geld hat Hesat Shabani schon viel in seinen Kampf gesteckt – über 60'000 Franken für die vielen Verfahrens- und Anwaltskosten waren es laut «Le Matin» bisher. Doch um Geld geht es ihm nicht. Ein Behördenmitglied habe ihm angeboten, ihm den Rückflug in den Kosovo zu bezahlen, sagte Shabani dem Magazin «L'Hebdo». Shabani: «Jemand, der vierzehn Jahre in der Schweiz gearbeitet hat, der hat es nicht nötig, dass man ihm ein Flugbillet von 300 oder 400 Franken bezahlt!»

Auf die Frage, ob er sich nicht schon überlegt habe, für eine Aufenthaltsbewilligung noch einmal zu heiraten, antwortete Shabani: «Eine Schweizer Frau heiraten? Ich war mit einer Schweizerin zusammen, drei Jahre lang, aber ich habe nie daran gedacht, auf diese Art Schweizer zu werden. Das würde ich nie tun: Das wäre Betrug – und das ist nicht meine Art.»

Ob wirklich das letzte Wort gesprochen ist, wird sich zeigen. Vor zwei Wochen gab sich Shabani noch kämpferisch, sagte der Zeitschrift «L'Hebdo», notfalls gehe er bis an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Deine Meinung