Aktualisiert 19.12.2017 13:26

Bündner für «No Billag»«Auch Rätoromanen sollen Wahlfreiheit haben»

Ein Bündner Grenadier kämpft an vorderster Front für No Billag. Das Rätoromanische liege ihm am Herzen, die Finanzierung eines Senders sei aber nicht Aufgabe der Allgemeinheit.

von
daw
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«Es geht nicht darum, einer Sprachminderheit das Fernsehen wegzunehmen, sondern darum, für jeden Menschen dieses Landes eine höhere Wahlfreiheit zu erreichen, egal, welcher Sprachgruppe er angehört», sagt der Bündner Billag-Gegner Luca Heinrich.

«Es geht nicht darum, einer Sprachminderheit das Fernsehen wegzunehmen, sondern darum, für jeden Menschen dieses Landes eine höhere Wahlfreiheit zu erreichen, egal, welcher Sprachgruppe er angehört», sagt der Bündner Billag-Gegner Luca Heinrich.

zvg
74 Prozent der Befragten finden es laut einer gewichteten Umfrage von 20 Minuten weiter notwendig, dass in der Schweiz Sendungen in allen vier Landessprachen ausgestrahlt werden.Im Bild: Ein Redaktor von RTR Radiotelevisiun Svizra Rumantscha bei der Arbeit.

74 Prozent der Befragten finden es laut einer gewichteten Umfrage von 20 Minuten weiter notwendig, dass in der Schweiz Sendungen in allen vier Landessprachen ausgestrahlt werden.Im Bild: Ein Redaktor von RTR Radiotelevisiun Svizra Rumantscha bei der Arbeit.

Keystone/Gian Ehrenzeller
Insbesondere Anhänger der Grünen (84 %), FDP (83 %), SP und GLP (82 %) finden die Ausstrahlung in allen vier Landessprachen wichtig. Ebenso Umfrageteilnehmer aus der italienischsprachigen Schweiz (81) und über 65-Jährige.

Insbesondere Anhänger der Grünen (84 %), FDP (83 %), SP und GLP (82 %) finden die Ausstrahlung in allen vier Landessprachen wichtig. Ebenso Umfrageteilnehmer aus der italienischsprachigen Schweiz (81) und über 65-Jährige.

Keystone/Gian Ehrenzeller

Luca Heinrich absolviert derzeit die Grenadierschule in Isone TI und ist nur schlecht zu erreichen. Trotzdem hat er sich einen neuen Kampf auf die Fahne geschrieben: Seit kurzem unterstützt er das No-Billag-Komitee als Vertreter des Bündnerlandes. «Mein Ziel ist es, zu zeigen, dass dieser Kanton keineswegs einhellig hinter den Zwangsgebühren steht, schon gar nicht die Jungen.»

Während die Gegner der Initiative warnen, dass ein Ja zu No Billag das Ende eines rätoromanischen Fernsehens bedeuten würde, sieht Heinrich in der Initiative keinen Angriff auf die bedrohte Sprache: «Es geht nicht darum, einer Sprachminderheit das Fernsehen wegzunehmen, sondern darum, für jeden Menschen dieses Landes eine höhere Wahlfreiheit zu erreichen, egal, welcher Sprachgruppe er angehört.»

«Herkunft spielt keine Rolle»

Es gehe nicht um die Herkunft, sondern um die Einstellung. «Es widerstrebt meinem Denken, dass Leute für Dinge bezahlen müssen, die sie nicht bestellt haben oder nicht einmal nutzen.» Obwohl er selbst des Rätoromanischen nicht mächtig ist, sagt er: «Rätoromanische Medien sind mir keinesfalls egal, aber man muss sehen, dass es nicht die Aufgabe der Allgemeinheit ist, für die Medienbedürfnisse Einzelner aufzukommen.»

So lange das Bedürfnis nach rätoromanischen Medien vorhanden sei, werde sich auch ein Angebot bilden. Es könne sein, dass das Angebot kurzfristig etwas kleiner werde, ein Ende sei die No-Billag-Initiative aber nicht.

«Rätoromanen wissen, dass viel auf dem Spiel steht»

Dem widerspricht Andreas Gabriel von der Sprachorganisation Lia Rumantscha. «Die Verbreitung des Rätoromanischen ist massgeblich von der RTR geprägt, das unter anderem über politische Themen berichtet und die Sprache auch in den Rest der Schweiz trägt.» Gäbe es den Sender nicht mehr, hätte dies schwerwiegende Auswirkungen auf die romanische Sprache, sagt Gabriel.

Es sei eine Illusion, dass ein vergleichbares Angebot entstehen würde. «Mit nur 60'000 Sprechern ist der Markt zu klein.» Auch Subventionen durch den Kanton seien keine Lösung, da sonst die Unabhängigkeit in Gefahr sei.

Natürlich gebe es auch im Bündnerland Befürworter der Initiative, sagt Gabriel. Aber: «Die Rätoromanen sind sich bewusst, dass viel auf dem Spiel steht. Ob man das Angebot persönlich nutzt, ist eine untergeordnete Frage – es geht um einen starken Medien-Service-public.»

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