Aktualisiert 30.07.2018 16:24

SP-Frau fordert

«Auch Schweizerinnen soll die Pille finanziert werden»

In Luxemburg zahlt der Staat 80 Prozent an die Pille. Bea Heim (SP) will hierzulande nachziehen. Gegner fürchten einen Prämienanstieg.

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Ab 1. August können sich Frauen in Luxenburg bis zu ihrem 30. Geburtstag 80 Prozent der Kosten für Pille, Hormonpflaster oder Vaginalring erstatten lassen. Anders ist es in der Schweiz: Hierzulande übernehmen Krankenkassen die Kosten der Verhütung nur in Ausnahmefällen.

Ab 1. August können sich Frauen in Luxenburg bis zu ihrem 30. Geburtstag 80 Prozent der Kosten für Pille, Hormonpflaster oder Vaginalring erstatten lassen. Anders ist es in der Schweiz: Hierzulande übernehmen Krankenkassen die Kosten der Verhütung nur in Ausnahmefällen.

Keystone/Christian Beutler
Für SP-Nationalrätin Bea Heim ist dies stossend. «Luxemburg ist hier ein Vorbild für eine moderne Gesundheitsversorgung. Auch Frauen in der Schweiz sollen Pillen, Spiralen und andere Verhütungsmittel von der Krankenkasse finanziert werden.»

Für SP-Nationalrätin Bea Heim ist dies stossend. «Luxemburg ist hier ein Vorbild für eine moderne Gesundheitsversorgung. Auch Frauen in der Schweiz sollen Pillen, Spiralen und andere Verhütungsmittel von der Krankenkasse finanziert werden.»

Keystone/Anthony Anex
Ruth Humbel, CVP-AG, spricht an der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 7. Maerz 2018 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Ruth Humbel, CVP-AG, spricht an der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 7. Maerz 2018 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Keystone/Anthony Anex

Die luxemburgische Einheits-Krankenkasse CNS weitet die Kostenübernahme bei Verhütungsmitteln aus. Ab 1. August können sich Frauen bis zu ihrem 30. Geburtstag 80 Prozent der Kosten für Pille, Hormonpflaster oder Vaginalring erstatten lassen. Das teilt die Regierung am Freitag mit. Bislang lag die Altersgrenze bei 25 Jahren.

Anders ist es in der Schweiz: Hierzulande übernehmen Krankenkassen die Kosten der Verhütung nur in Ausnahmefällen, etwa wenn sie aus medizinischen Gründen erfolgt. Alle anderen müssen ihre Verhütungsmittel selbst bezahlen. Pro Jahr kostet die Pille in der Regel 200 bis 300 Franken.

«So können Teenie-Schwangerschaften verhindert werden»

Für SP-Nationalrätin Bea Heim ist dies stossend. «Luxemburg ist hier ein Vorbild für eine moderne Gesundheitsversorgung. Auch Frauen in der Schweiz sollen Pillen, Spiralen und andere Verhütungsmittel von der Krankenkasse finanziert werden. Ungewollte Teenager-Schwangerschaften könnten so verhindert werden, genau wie belastende und teure Abtreibungen.» Denkbar sei eine Kostenübernahme bis zu einem Alter von 25 Jahren. Letztes Jahr kam es in der Schweiz zu 690 Schwangerschaftsabbrüchen bei Teenagern, 2010 waren es noch 1034 Abbrüche.

Zu der Massnahme brauche es eine Informationskampagne in allen Sprachen. «Gerade für Frauen aus patriarchalischen Kulturen können solche Informationen im Sinne ihrer Selbstbestimmung und Gesundheit wichtig sein», sagt Heim. Klar sei aber auch, dass die Frauen über Nebenwirkungen, etwa ein erhöhtes Thromboserisiko vor allem bei Raucherinnen, informiert werden müssten. Eine Kostenübernahme war immer wieder Thema im Parlament. Zuletzt scheiterte 2015 eine Motion von Alt-Nationalrat Antonio Hodgers, der kostenlose Verhütungsmittel für Frauen unter 20 Jahren forderte.

«Am Schluss sollen wir auch noch die Kondome bezahlen»

Gegen eine Krankenkassen-Finanzierung der Pille stellt sich CVP-Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel. «Ich habe in der Vergangenheit immer gegen diese Vorstösse gestimmt. Die Gesundheitskosten steigen ohnehin schon Jahr für Jahr, da können wir nicht immer mehr Sachen in den Leistungskatalog aufnehmen.» Bei der Verhütung seien zudem auch die Männer in die Pflicht zu nehmen. «Verhütung ist nicht einfach Sache der Frauen. Mit Kondomen kann man neben einer Schwangerschaft auch noch gleich eine Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten verhindern.»

Bezahle man den Frauen die Pille, würden sicher auch Forderungen laut, den Männern die Kondome zu bezahlen. «Das ginge dann wirklich zu weit, am Schluss zahlen dies alle mit ihren Krankenkassenprämien.» Dass die Krankenkasse aber Abtreibungen bezahle, sei korrekt. «Tut sie dies nicht, wenden sich Frauen in einer finanziellen Notlage an irgendwelche Kurpfuscher und gefährden so ihre Gesundheit. Wir brauchen aber in der Schweiz eine gute Gesundheitsversorgung für alle», so Humbel.

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