Schuldenkrise: Auch spanische Papiere bald nur noch Schrott?

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SchuldenkriseAuch spanische Papiere bald nur noch Schrott?

Nur einen Tag nach der überraschenden Rating-Herabstufung Portugals hat die Agentur S&P auch Spanien heruntergesetzt.

Nach Griechenland und Portugal hat die Ratingagentur Standard & Poor's auch die Kreditwürdigkeit von Spanien herabgestuft. Das langfristige Rating werde um eine Note von «AA&» auf «AA» reduziert, teilten die Finanzbewerter am Mittwoch in London mit.

Der Ausblick für die Kreditbewertung bleibe negativ. Spanien wird aber noch deutlich besser als die beiden anderen südeuropäischen Länder bewertet. So werden griechische Anleihen nur noch mit BB& bewertet und Portugal mit A-. Spanien hatte vor der Krise von S&P die Bestnote «AAA» erhalten.

Nach dem hoch verschuldeten Griechenland gilt Spanien neben Portugal als weiterer finanzpolitischer Wackelkandidat der Eurozone. Die Börse in Madrid schloss nach der Herabstufung des Landes durch Standard & Poor's mit 2,99 Prozent im Minus. Auch die Schweizer Börse tauchte zum Schluss, der Leitindex SMI verlor 1,4 Prozent.

Der Euro geriet erneut unter Druck und sank zur US-Währung mit 1.3115 Dollar auf den tiefsten Stand seit einem Jahr. Zum Franken notierte der Euro praktisch unverändert bei 1.4328 Franken.

Teurerer Schuldendienst

Wie andere Wertpapiere werden auch Staatsanleihen von den Ratingagenturen bewertet. Ihre Empfehlungen sind ein wichtiges Signal für die Kreditwürdigkeit eines Landes. Bei unsoliden Finanzen verlangen die Märkte von den Staaten höhere Zinsen für die Kredite - sozusagen als Preis für das erhöhte Ausfallrisiko. Das Schuldenmachen ist für den betroffenen Staat dann teurer.

Die Rendite zehnjähriger spanischer Staatsanleihen stieg denn auch auf 4,127 Prozent. Sie lag aber damit deutlich unter der von Portugal (5,757 Prozent) und der von Griechenland (9,919 Prozent). Deutsche Bundesanleihen rentierten mit 2,980 Prozent.

Längere Flaute

Spanien stehe vor einer längeren Phase eines verhaltenen Wirtschaftswachstums, begründete S&P seine Umstufung. Dies schwäche auch die Aussichten für den Staatshaushalt. Die Phase eines kreditfinanzierten Wachstums sei vorbei und münde jetzt in einer Periode mit einer schwachen Konjunkturentwicklung.

Diese Schwächephase dauert laut S&P länger als zuvor erwartet. Im Zeitraum 2010 bis 2016 dürfte das Wirtschaftswachstum im Durchschnitt bei 0,7 Prozent liegen. Zuvor war man noch von über 1,0 Prozent ausgegangen.

Das Ziel eines Haushaltsdefizits von 9,8 Prozent im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt (BIP) im laufenden Jahr dürfte die spanische Regierung laut S&P erreichen. Allerdings sollten mittelfristig die Staatseinnahmen niedriger als bisher erwartet ausfallen. Das Budgetdefizit dürfte daher auch noch 2013 über 5 Prozent des BIP liegen.

Spanien wollte dann eigentlich wieder den europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt einhalten. Hier liegt die Defizitobergrenze bei maximal 3 Prozent. Der Schuldenstand im Verhältnis zum BIP dürfte von derzeit 51,3 Prozent im vergangenen Jahr auf 85 Prozent im Jahr 2013 klettern. (sda)

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