Risiko für Unfälle: Auch Sport schlägt auf die Gesundheitskosten
Aktualisiert

Risiko für UnfälleAuch Sport schlägt auf die Gesundheitskosten

Nicht bloss Couch Potatoes lassen die Gesundheitskosten explodieren. Auch Sport schlägt zu Buche: Wer sich viel bewegt, hat nämlich ein höheres Unfallrisiko.

von
Elisabeth Rizzi
Fussball ist gehört zu den Sportarten mit den meisten Unfällen.

Fussball ist gehört zu den Sportarten mit den meisten Unfällen.

Wer schon immer über die rührigen Hobby-Fussballer den Kopf geschüttelt und sich lieber mit einem Bier auf die Couch zurück gezogen hat, kann sich bestätigt fühlen. Laut einer neuen Studie der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu)verursacht nämlich auch Sport namhafte Gesundheitskosten.

Rund 310 000 Verletzte, Behinderte oder Tote gehen jedes Jahr auf das Konto des Sports (gegenüber 91 000 im Strassenverkehr und 600 000 in Haus und Freizeit). Gerade im Erwachsenenalter steigt das Unfallrisiko bei jenen, die viel und intensiv Sport treiben.

Nicht weniger Fehltage

Insbesondere scheint laut den Forschern das Risiko für Brüche zu steigen. Die meisten Sportverletzungen pro Jahr passieren beim Fussballspielen und beim Skifahren (inklusive Touren).

Unter dem Strich zeigen die Autoren anhand des Schweizer Haushalts-Panels (2002 bis 2007), dass aktive und inaktive Personen letztlich gleich viele unfallbedingte Ausfalltage bei der Arbeit oder im Haushalt hatten. Bei den aktiven Personen überwogen die Fehltage wegen Sportunfällen, wogegen die Untrainierten mehr Unfälle bei der Arbeit oder im Haushalt hatten.

Es gibt auch risikoarme Sportarten

Allerdings: Die Zahl der Sportunfälle ist bei weitem nicht in dem Mass hoch geschnellt, in dem die Schweizerinnen und Schweizer in den letzten Jahren mehr Sport treiben. Total ist die Anzahl Sporttage bei den 15- bis 74-Jährigen innert acht Jahren um 10 Prozent gestiegen. In der gleichen Periode haben die Sportunfälle aber bloss um 2,2 Prozent zugenommen.

«Das hat damit zu tun, dass Unfallrisiko in den drei am häufigsten ausgeübten Sportarten Fitness, Velofahren und Wandern vergleichsweise tief ist», erklärt Studien-Co-Autor Othmar Brügger. Seit 1999 hat die Zahl der Freizeit-Biker von 32 auf 35 Prozent der Gesamtsportler zugelegt. Die Wanderer sind gar von 23 auf 35 Prozent angewachsen.

Weniger Tote und Schwerverletzte

Dass die Über-Alles-Unfallquote heute nicht höher ist, sei mitunter ein Erfolg der Propaganda des Netzwerks Bewegung und Gesundheit Schweiz für risikoarme Sportarten, so Brügger. Nichtsdestotrotz ist sich die Beratungsstelle auch im Klaren, dass weitere Massnahmen nötig sind: «Wir investieren besonders in die Reduktion von schwersten Sportverletzungen und Todesfällen», erklärt der Experte.

Hier fokussiere die bfu vor allem auf institutionelle Sportarten, kommerzielle Veranstaltungen aber auch die Schulen. «Das Ziel ist es, innert fünf Jahren 10 Prozent weniger Tote und Schwerverletzte zu haben», sagt er.

Gerade bei den risikoreicheren Sportarten sei es auch wichtig, die Selbstkontrolle zu fördern, etwa in Bezug auf die Lawinengefahr. Bei Sportarten mit explosiven Bewegungen wiederum sollten Trainer vermehrt lernen, Aufwärm- und Dehnübungen nicht als uncoole Prävention zu verkaufen, sondern als Leistungselement. «Wenn man den Kursteilnehmern sagt, dass sie durch die Übungen schneller, besser und kräftiger werden, wirkt das viel attraktiver», so Brügger. Ebenso propagiert er auch in der Skischule spielerische und lustorientiertere Aufwärmübungen . Seine Beobachtung: «Gerade Freizeitsportler wollen etwas erleben, nicht sich kasteien.»

Der Nutzen von Bewegung überwiegt

Auf Bewegung ganz zu verzichten ist keine gute Idee. Trotz des Unfallrisikos überwiegen die Vorteile. Gemäss dem bfu verursacht Bewegungsmangel in der Schweiz jährlich Kosten von 2700 frühzeitigen Todesfällen, 2 Millionen Krankheitsfällen und zusätzlich 2,2 Milliarden Franken direkte Behandlungskosten. Dem stehen Ausfall- und Behandlungskosten für Sportunfälle von 1,8 Milliarden Franken gegenüber und ein überproportionaler gesundheitlicher Nutzen durch regelmässige Aktivität (weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht, Diabetes Typ 2, Krebs, Osteoporose etc.).

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