Aktualisiert 04.06.2015 11:56

WM 2010 gekauft?

Auch Südafrika ermittelt jetzt im Fifa-Skandal

Jetzt ermittelt auch die südafrikanische Polizei wegen Bestechung: Zehn Millionen US-Dollar sollen für die WM 2010 im eigenen Land geflossen sein.

von
Markus Schönherr, Kapstadt

Nach der Verhaftung von sieben Fifa-Funktionären und dem Rücktritt des Fifa-Präsidenten Sepp Blatter zieht der Skandal rund um den Weltfussballverband jetzt auch in Südafrika weitere Kreise. Im Gastgeberland der Weltmeisterschaft 2010 hat inzwischen eine Spezialeinheit der Polizei die Ermittlung aufgenommen, wie südafrikanische Zeitungen berichten. Die Hawks, das südafrikanische Pendant zum US-amerikanischen FBI, sollen herausfinden, ob und wie viel Geld in dem angeblichen Bestechungsskandal floss.

Ein Sprecher der Sonderermittler bestätigte am Donnerstag, dass die Hawks auf Drängen der nationalistischen Oppositionspartei Freedom Front Plus ermitteln. «Wir haben eine vorläufige Untersuchung gestartet, basierend auf den Informationen, die uns die Partei gab. Wenn es genügend Indizien gibt, um eine Klage zu eröffnen, werden wir fortfahren», sagt Hangwana Mulaudzi von der auf Wirtschafts- und organisiertes Verbrechen spezialisierten Sondereinheit.

Zehn Millionen Dollar sind geflossen

Während das FBI in den USA gegen mehrere hochrangige Fussballvertreter ermittelt, habe es bisher keine Korrespondenz zwischen der US-Polizei und ihren südafrikanischen Kollegen gegeben. Die Freedom Front Plus will jedoch eine Zusage der Hawks erhalten haben. Dieser zufolge wollten die beiden Länder den Skandal gemeinsam untersuchen.

Im Visier der südafrikanischen Kriminalbeamten steht der umstrittene Präsident des südafrikanischen Fussballverbandes (Safa), Danny Jordaan. Vor Kurzem ernannte der regierende African National Congress (ANC) Jordaan zum Bürgermeister der Nelson Mandela Bay Metro, zu der auch die beliebte Touristenmetropole Port Elizabeth zählt.

Kritiker warfen Jordaan daraufhin einen Interessenkonflikt vor und forderten seinen Rücktritt als Fussballboss. Jordaan lehnte dies ab. Ins Fadenkreuz der Hawks geriet der Fussballfunktionär nun aber wegen seiner Verwicklung in den Bestechungsskandal: 2008 soll Südafrika zehn Millionen US-Dollar an die Fifa gezahlt haben, um den Kapstadt als Austragungsort der WM zu sichern. Jordaan führte damals das lokale Organisationskomitee (LOC) an und soll massgeblich für den Geldfluss verantwortlich gewesen sein.

«Legitime Zahlung»

Vergangenen Sonntag bestätigte Jordaan zum ersten Mal, dass Südafrika die Millionensumme gezahlt habe. Der Transfer sei jedoch nicht als Bestechung zu verstehen, sondern als Förderung für den Fussballverband Zentral- und Nordamerikas und der Karibik (Concacaf). Zur Zeit des Geldtransfers stand Fifa-Vizepräsident Jack Warner an der Spitze des Concacaf. Er ist einer der Funktionäre, die kürzlich verhaftet wurden.

Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch betonte Südafrikas Minister für Sport, Fikile Mbalula, es habe sich um «eine legitime Zahlung für ein anerkanntes Programm» gehandelt. Weder die Safa noch ihr Organisationskomitee hätten jemals Schmiergeld gezahlt. In einem kontroversen Schritt plädierte Mbalula an die südafrikanische Presse, patriotisch zu sein und die Regierung nicht ohne stichhaltige Beweise zu attackieren. «Wir haben ein Land zu verteidigen und eine Nation aufzubauen», so der Minister.

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