Aktualisiert 06.02.2014 10:45

Steuer-Affäre

Auch Swisscom führte ein Offshore-Konstrukt

Genau wie Johann Schneider-Ammann parkierte auch die Swisscom Millionen im britischen Steuerparadies Jersey. Laut einem Steuerexperten war das eine gängige Praktik.

von
Yves Hollenstein
Die Swisscom in zweifelhaftem Licht: Auch der Telekomanbieter führte bis 2010 ein Offshore-Konstrukt.

Die Swisscom in zweifelhaftem Licht: Auch der Telekomanbieter führte bis 2010 ein Offshore-Konstrukt.

Die Swisscom Finance Ltd. war von 1999 bis 2010 eine Tochtergesellschaft des Schweizer Telekomriesen Swisscom. Ihren Sitz hatte sie in St. Helier, der Hauptstadt des britischen Steuerparadieses Jersey. Nach Angaben der Swisscom diente die Gesellschaft der Finanzierung von Auslandsbeteiligungen – in den Augen der Kritiker ein zweifelhaftes Konstrukt, um Steuern zu sparen.

1999 erwarb die Swisscom den deutschen Telekomanbieter für 4,33 Milliarden Franken. «Einen Teil des Kaufpreises wurde über ein Darlehen der Swisscom Finance Ltd. mitfinanziert», bestätigt Swisscom-Sprecher Olaf Schulze gegenüber 20 Minuten. Genaue Zahlen möchte er nicht nennen, es handle sich aber um einen zweistelligen Millionenbetrag. Dieser Teil der Kaufpreiszahlung wurde aufgeschoben und blieb bei der Swisscom Finance Ltd. als Darlehensforderung stehen.

Keine Steuern gespart

Schulze betont aber, dass die Swisscom damit keine Steuern sparen konnte. Dies, weil Debitel 2004 mit einem Nettoverlust von 3,25 Milliarden Franken wieder verkauft werden musste. Nach dem Verkauf von Debitel wurde die Swisscom Finance Ltd. überflüssig, weshalb die Gesellschaft 2010 aufgelöst wurde.

Klar ist: Nur aufgrund des grossen Nettoverlusts durch den Debitel-Verkauf konnte die Swisscom mit diesem Offshore-Konstrukt keine Steuern sparen. Für den Steuerexperten Pierre-Olivier Gehriger von Pestalozzi Rechtsanwälte war das zur damaligen Zeit aber eine völlig legitime und legale Praktik: «Solche Offshore-Konstrukte gehörten damals zum Abc einer guten internationalen Steuerplanung.»

Vorgehen von Ammann nicht verwerflich

Es habe in der Schweiz viele Konzerne gegeben, die solche Konstrukte gehalten hätten, sagt Gehriger. Problematisch wird es erst, wenn die Auslandsgeschäfte einer Firma nicht genügend Substanz haben. Gemeint sind damit etwa Briefkastenfirmen, oder wenn beispielsweise nur eine Person bei der Tochtergesellschaft im Ausland arbeitet. «Dann ist solch ein Konstrukt nicht mehr wasserdicht», so Gehriger.

Was früher bei den Unternehmen normal war, wird heutzutage von der breiten Öffentlichkeit kritisiert. Auch die Steuerbehörden begutachten Offshore-Gesellschaften heute mit Argusaugen, sagt Gehriger. Die meisten Unternehmen haben sich deshalb in den letzten Jahren von solchen Konstrukten verabschiedet. Auch Gehriger gesteht: «Heute würde ich eine solche Offshore-Gesellschaft höchstens in gut begründeten Ausnahmefällen gründen.»

Swisscom-Fall schon früher ein Thema

Die Swisscom Finance Ltd. sorgte im Übrigen bereits 2002 für Aufsehen. Der ehemalige SP-Nationalrat Pierre-Yves Maillard stellte das Offshore-Konstrukt der Swisscom infrage und verlangte vom Bundesrat eine Stellungnahme. Der Bundesrat stellte sich hinter die Swisscom. «Seit der Öffnung des schweizerischen Telekommunikationsmarktes muss sich die Swisscom AG als spezialgesetzliche Aktiengesellschaft unter Konkurrenzbedingungen am Markt behaupten», rechtfertigte der Bundesrat die Praktiken der Swisscom in seiner Antwort.

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