Thorberg-Direktor: Auch während Amtszeit Sex mit Drogen-Dirnen
Aktualisiert

Thorberg-DirektorAuch während Amtszeit Sex mit Drogen-Dirnen

Der freigestellte Thorberg-Direktor hatte auch während seiner Amtszeit sexuelle Kontakte mit drogenabhängigen Prostituierten. Gestern musste er deswegen seinen Posten räumen.

von
Sonja Mühlemann

Der bernische Polizeidirektor Hans-Jürg Käser handelte gestern innerhalb weniger Stunden und stellte den Direktor der Anstalt Thorberg frei. Über das Wochenende seien ihm neue Erkenntnisse über Georges Caccivio bekannt geworden: «Herr Caccivio hatte auch während seiner Zeit als Direktor des Thorbergs sexuelle Kontakte mit Drogenprostituierten. Ich kann nicht mehr hinter Herrn Caccivio stehen», sagte Käser in der SRF-Sendung «10 vor 10».

Das Vetrauen zu Caccivio ist gestört, die «sicherheitsorientierte Führung» des Thorberg sei gefährdet, so Käser weiter. Gerüchte über Caccivios Verfehlungen seien seit August 2013 kursiert, aber: «Fakten wurden aber erst im Verlaufe der letzten paar Tage auf den Punkt gebracht», sagte Käser gegenüber «10 vor 10» weiter.

Drogensüchtiger Geld gegeben

Besonders brisant ist die Beziehung Caccivios zu einer Drogensüchtigen aus Biel. Wie ein Bekannter der Frau gegenüber 20 Minuten sagte, hätten sich die beiden rund zehn Jahre vor Caccivios Amtsantritt auf dem Thorberg kennengelernt. Angeblich ging er eine sexuelle Beziehung zu der Drogensüchtigen ein und soll ihr regelmässig Geld gegeben haben – damit habe diese ihre Sucht finanziert. Kennengelernt hätten sich die beiden im Yucca, einem Treffpunkt der Bieler Drogenszene, wo sich Caccivio gemeinnützig engagiert habe.

Vertrauen in Strafvollzug sinkt

In den Skandal hat sich auch Caccivios Vorgänger auf dem Thorberg, Hans Zoss, eingeschaltet – die Vorgänge stimmten ihn traurig: «Der Ruf des Thorbergs und das Vertrauen der Bevölkerung in den bernischen Strafvollzug sinken massiv», sagte Zoss zu 20 Minuten. Die politische Führung müsse nun über die Bücher. Polizeidirektor Käser hat eine externe Untersuchung in Auftrag gegeben.

Ganze Liste von Problemen

Insgesamt soll es auf dem Thorberg in elf Punkten Missstände geben, berichtete «Der Bund». Letzte Woche war bekannt geworden, dass Caccivio mit zwei Insassen per Du gewesen und deren Disziplinarmassnahmen abgeschwächt haben soll. Wie die «Berner Zeitung» am Montag meldete, soll der Anstaltsdirektor zudem Akten frisiert haben: Caccivio soll ein Blatt aus dem Dossier eines Insassen entfernt haben, der wegen einer Prostituiertentötung im Thorberg einsitzt. Das Blatt belegt, dass Caccivio, bevor er Anstaltsdirektor wurde, Sex mit einer Drogenprostituierten hatte. Während der Ermittlungen im Fall der getöteten Prostituierten musste Caccivio als Zeuge auftreten. Dort gab er die sexuelle Beziehung zu Protokoll.

Polizeidirektor Käser bestätigte gegenüber der «Berner Zeitung», dass Caccivio das unliebsame Blatt aus den Akten entfernen liess.

Insasse durfte Bilder verkaufen

In einem weiteren Fall geht es um den als «Schläger von Schüpfen» bekannt gewordenen Igor L. Dieser durfte im Thorberg Bilder malen – eines davon kaufte ihm Caccivio ab, wie Polizeidirektor Käser ebenfalls bestätigte. Der Thorberg-Direktor soll auch zugelassen haben, dass die Therapeutin von Igor L. ein Gemälde kaufte.

Weiter durfte Igor L. seine Bilder mit angeschriebenen Preisen auf den Fluren der Anstalt ausstellen. Käser betont jedoch, dass der Erlös der verkauften Bilder auf das sogenannte Pekuliumkonto des Straftäters überwiesen wurde. Dieses Geld darf Igor L. erst verwenden, wenn er seine Strafe abgesessen hat.

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