Aktualisiert 03.04.2014 20:22

Vegane Volksinitiativen«Auch währschafte vegane Menüs werden angeboten»

Der Verein Sentience Politics lanciert eine Initiative, die von Kantinen in öffentlichen Betrieben täglich ein veganes Menu verlangt. Die Initianten beziehen Stellung.

von
Lukas Hausendorf

Warum wollen Sie die Verwaltung und ihre angeschlossenen Betriebe gesetzlich dazu verpflichten, in ihren Kantinen zusätzlich ein veganes Menu in den Speiseplan aufzunehmen?

Adriano Mannino: Mit der Erhöhung des Anteils pflanzlicher Menüs und der Förderung pflanzlicher Ernährung generell können gleich mehrere grosse Probleme gleichzeitig angegangen werden. Unsere Ernährung hängt direkt und stark mit Dingen wie Ressourcenverschwendung, Hunger, Klimawandel, Gesundheit und der Tierwürde zusammen. Da Nachhaltigkeit und Ernährung zusammenhängen, müssten sich eigentlich sämtliche schweizerischen Verwaltungsträger vermehrt damit befassen. Indem wir das Thema Ernährung aufgreifen und nachhaltigere Menüs fordern, tragen wir also auch dazu bei, einen eigentlich bereits bestehenden Verfassungsauftrag umzusetzen.

Sie lancieren Ihre Initiative nur in Basel und Bern. Warum in Basel? Ist Veganismus hier mehrheitsfähiger als in Zürich?

Michèle Singer: Das Stimmverhalten der Basler und Berner Bevölkerung ist im schweizweiten Vergleich sehr progressiv. Basel bietet als Stadtkanton eine einzigartige Gelegenheit, mit beschränkten Ressourcen auf kantonaler Ebene Einfluss zu nehmen. Bern ist das politische Zentrum der Schweiz und bietet sich daher an, um Diskussionen zu lancieren. Hinzu kommt, ganz pragmatisch, dass die Mehrheit der involvierten Leute in Basel oder Bern wohnen. Sollten unsere Initiativen erfolgreich sein, werden wir aber auch weitere städtische, kantonale oder eidgenössische Initiativen in Betracht ziehen.

In der Kantine der Stadtreinigung will man aber währschafte Hausmannskost und in den Schulen hat man die Erfahrung gemacht, dass zu rigide Vorschriften zu einer Abwanderung führen. Glauben Sie nicht, dass ihre Initiative einfach dazu führt, dass Essen für den Kompost produziert wird? Das würde dem Ziel der Nachhaltigkeit zuwiderlaufen.

Mannino: Kein Gastronomiebetrieb produziert Essen für den Kompost, das macht nur schon ökonomisch keinen Sinn. Gerade die Gastronomiebetriebe haben das grösste Interesse daran, dass das, was sie produzieren, auch gekauft und gegessen wird. Deshalb werden sie dort, wo die Kundschaft nahrhafte Hausmannskost will, natürlich ein währschaftes veganes Menü anbieten, und in den Schulen ein veganes Menü, das bei Kindern und Jugendlichen Anklang findet.

Die Uni bietet schon einmal wöchentlich ein veganes Menue an, die Nachfrage danach ist allerdings gering. Warum glauben Sie dennoch an einen Erfolg?

Singer: Die Nachhaltigkeitskampagne der Uni-Mensa Basel war erfolgreich. Mit den Massnahmen in der Mensa konnten fast 60'000 Kilogramm CO2 an Treibhausgasemissionen eingespart werden. Die Gäste wählten vermehrt vegetarische Gerichte und haben den Fleischkonsum so um rund 15% gesenkt. Dieser Erfolg ist auf die Ausweitung des Angebotes und die attraktive Gestaltung pflanzlicher Menüs zurückzuführen. Ohne vegane Optionen wäre das nicht möglich gewesen.

Einer ihrer prominenten Unterstützer, der Basler Nationalrat Beat Jans (SP), glaubt, dass die Regierung ihre Initiative mit einem Gegenvorschlag kontern wird. Wie weit geht ihre Kompromissbereitschaft?

Mannino: Für uns ist entscheidend, dass eine sachliche Diskussion über die Folgen unserer Ernährung für das Klima, die Ressourceneffizienz, das Tierwohl und die Nord-Süd-Gerechtigkeit zustande kommt. Ein ernst gemeinter Gegenvorschlag würde die Diskussion wahrscheinlich versachlichen und zu einer differenzierten politischen Entscheidfindung beitragen. Ob wir mit einem Gegenvorschlag zufrieden wären, spielt dabei keine Rolle, denn am Schluss entscheidet sowieso das Stimmvolk.

Schummelei bei veganen Lebensmitteln

Nachhaltig und gesund sollen vegane Lebensmittel sein. So zumindest das Versprechen der Lebensmittelindustrie, die den trendigen Nischenmarkt bedient, der in Deutschland mittlerweile über 200 Millionen Euro pro Jahr umsetzt. Ein Test der Verbraucherzentrale Hamburg lässt aber Zweifel an diesem Versprechen aufkommen. Vegane Lebensmittel sind ungesünder als ihr Ruf, kommt die Studie zum Schluss. Von 20 untersuchten Produkten wie Soja-Burger, Cocktailwürstchen aus Lupinensamen oder Walnusbrotaufstrich waren viele mangelhaft, wie Spiegel Online schreibt. Zu viel Fett, zu viel Salz und massig Aroma- und Zusatzstoffe kamen beim Test zum Vorschein. Auch Etikettenschwindel ist verbeitet: Ein Cerealien-Drink wirbt mit Schweizer Bergkulisse und enthält Hirse aus Ungarn und Haselnüsse aus Südeuropa. Die Verbraucherschützer bemängeln, dass es für vegane Lebensmittel in Deutschland kein staatliches Gütesiegel gibt. Deshalb bastelten sich Verbände und Unternehmen ihre eigenen, was der Schummelei Vorschub leiste.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.