Hundeangriffe in der Schweiz - Auch wegen falscher Haltung beissen Hunde vermehrt zu
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Hundeangriffe in der SchweizAuch wegen falscher Haltung beissen Hunde vermehrt zu

In verschiedenen Kantonen steigen die registrierten Angriffe von Hunden an. Die Kantone sehen keinen Handlungsbedarf, sondern appellieren an die Eigenverantwortung.

von
Tino Limacher
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Fürs Jahr 2020 verkündet das Laboratorium der Urkantone 249 registrierte Fälle mit gefährlichen Hunden. Dies entspricht einer Verdoppelung gegenüber 2010, als es noch 116 Fälle waren. (Symbolbild) 

Fürs Jahr 2020 verkündet das Laboratorium der Urkantone 249 registrierte Fälle mit gefährlichen Hunden. Dies entspricht einer Verdoppelung gegenüber 2010, als es noch 116 Fälle waren. (Symbolbild)

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Über die genauen Ursachen für diese Zunahme kann auch Marco Gut, Leiter Tierschutz und stellvertretender Kantonstierarzt, nur Vermutungen anstellen.

Über die genauen Ursachen für diese Zunahme kann auch Marco Gut, Leiter Tierschutz und stellvertretender Kantonstierarzt, nur Vermutungen anstellen.

20min/Tino Limacher
«Wahrscheinlich hängt es damit zusammen, dass heute mehr Leute wegen Corona aktiv draussen sind – Jogger, Velofahrer, Wanderer, usw. - und dadurch mehr Begegnungen stattfinden», so Gut. (Symbolbild)

«Wahrscheinlich hängt es damit zusammen, dass heute mehr Leute wegen Corona aktiv draussen sind – Jogger, Velofahrer, Wanderer, usw. - und dadurch mehr Begegnungen stattfinden», so Gut. (Symbolbild)

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Darum gehts

  • In verschiedenen Kantonen haben die registrierten Fälle mit gefährlichen Hunden zugenommen.

  • Über die genauen Ursachen kann nur spekuliert werden. So könnten etwa die gestiegene Anzahl von Hunden und vermehrte Begegnungen im Freien wegen Corona mit ein Grund dafür sein.

  • Auch eine erhöhte Disziplin unter den einzelnen Meldepflichtigen könnte zur Erhöhung der Fallzahlen beigetragen haben.

  • Auf Gesetzesebene sieht man keinen Handlungsbedarf, sondern appelliert an die Eigenverantwortung der Hundebesitzer.

249 Fälle mit Hunden, die zugebissen oder sich aggressiv verhalten haben, hat das Labor der Urkantone (Laburk) im Jahr 2020 verzeichnet, welches Schwyz, Uri, Nid- und Obwalden umfasst. Mit 116 Abklärungen wurden noch 2010 gerade einmal die Hälfte registriert. Laut Marco Gut, dem stellvertretenden Kantonstierarzt, müssen diese Zahlen auch in der Relation zur Anzahl der Hunde gesehen werden, die in den Urkantonen leben. Gemäss dem Portal Identitas.ch sind dies zurzeit 14’156 Hunde. Daher entspricht die Fallzahl von 249 weniger als zwei Prozent. «Weil teilweise auf einen Hund mehrere Vorfälle kommen, kann wohl daraus geschlossen werden, dass 98 bis 99 von 100 Hunden keine Fälle verursachen», sagt Gut.

Ursachen für die Zunahme können nicht nachgewiesen werden

Über die Ursachen der Zunahme kann auch Gut nur Vermutungen anstellen: «Wahrscheinlich hängt es damit zusammen, dass mehr Leute wegen Corona aktiv draussen unterwegs sind – Jogger, Velofahrer oder etwa Wanderer - und dadurch mehr Begegnungen stattfinden. Andererseits reagieren die Leute möglicherweise auch sensibler als noch vor zehn Jahren. So gehen vielleicht die Hundehalter schneller zum Tierarzt, wenn ihrem Hund eine leichte Bisswunde zugefügt wurde, was man früher vielleicht zu Hause selbst verarztet hätte.» Fakt ist, dass es eine Meldepflicht für Tierärzte, Hundetrainer oder Spitäler gibt, wenn Menschen oder Tiere gebissen werden. Eine allgemein erhöhte Aggressivität bei Hunden stellt Gut nicht fest. Damit Neu-Hundehalter mit ihrem Vierbeiner keine negativen Überraschungen erleben, empfiehlt Gut etwa den Besuch einer Hundeschule.

Viele Vorfälle passieren im Haushalt, wegen falschen Verhaltens

Auch im Kanton St. Gallen haben sich die gemeldeten Vorfälle verdoppelt. Über die Gründe kann Albert Fritsche, Leiter beim Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen, ebenfalls nur spekulieren. Auch für ihn sind die vermehrten Freizeitaktivitäten wegen Corona und die gesetzliche Ausweitung der Meldepflicht mögliche Gründe. «Es hängt sicher auch damit zusammen, dass in den letzten Monaten auch mehr Hunde angeschafft wurden. Teilweise passierte dies mehr oder weniger gut überlegt.» Fritsche weist zudem darauf hin, dass die meisten Vorfälle zu Hause passieren: «Kinder werden vom eigenen Hund gebissen, weil sie ihm etwas wegnehmen oder ihn wie ein Spielzeug behandeln. Das kann sehr gefährlich sein.» Auf kantonaler Ebene sieht Fritsche keinen Handlungsbedarf, weil St. Gallen gerade ein neues Gesetz geschaffen hat.

In Bern, Zürich und Thurgau ist die Situation mehrheitlich stabil

Der Kanton Aargau verzeichnet für das Jahr 2020 insgesamt 789 Vorfälle mit Hunden. Ein Jahr zuvor waren es noch 617. Dies entspricht einer Zunahme von 28 Prozent. Auch hier geht man davon aus, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der Zunahme von Hundehaltern und dem häufigeren Kontakt im Freien. Auch die fehlende Möglichkeit für den Besuch von Hundekursen könnte sich ebenfalls negativ auf die Bilanz ausgewirkt haben. Die Kantone Bern, Zürich sowie Thurgau haben zwar eine leichte Steigerung über die Jahre zu verbuchen, jedoch blieben die gemeldeten Vorfälle mit Hunden mehrheitlich stabil, wie sie gegenüber 20 Minuten sagten.

Was kann ich tun, um Bissvorfälle zu vermeiden?

Für Hundehalter

Es gibt viele Vorsichtsmassnahmen, die du als Hundehalter beachten kannst, damit es nicht zu einem Bissvorfall kommt. So ist es vor allem wichtig, dass ein Welpe oder Junghund gegenüber anderen Hunden und Menschen gut sozialisiert wird. Ist man mit einem Hund freilaufend unterwegs, sollte stets darauf geachtet werden, dass er in Sichtweite bleibt und vor der Begegnung mit anderen Hunden oder Personen abgerufen werden kann. Ein Hund sollte auch den eigenen Garten nicht frei verlassen können. Kann die Beaufsichtigung nicht gewährleistet werden, dann ist der Hund etwa im Haus oder der Wohnung zu halten. Weitere Informationen über das korrekte Halten von Hunden findest du auf der Webseite des Bundes.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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