Alkohol in der Schwangerschaft: Schon kleine Mengen sind gefährlich

Alkohol in der Schwangerschaft kann auch schon ab kleinen Mengen zu Veränderungen im Gehirn des Fötus führen.

Alkohol in der Schwangerschaft kann auch schon ab kleinen Mengen zu Veränderungen im Gehirn des Fötus führen.

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Publiziert

Trinken in der SchwangerschaftAuch wenig Alkohol schadet Ungeborenen bereits

Ab und zu ein Glas? Gemäss neusten Erkenntnissen sollten Schwangere besser gar nie mit Alkohol anstossen.

von
Geraldine Bidermann

Alkoholkonsum in der Schwangerschaft hat offenbar weitreichendere Auswirkungen auf Föten als bislang angenommen. Forschende der Medizinischen Universität Wien stellten fest, dass auch leichter Alkoholkonsum bereits eine veränderte Hirnstruktur zur Folge haben kann, die wiederum zu einer Verzögerung in der Entwicklung führen könnte. 

Ein Wiener Forscherteam untersuchte Föten auf die Folgen von moderatem Alkoholkonsum der Mutter. 

Ein Wiener Forscherteam untersuchte Föten auf die Folgen von moderatem Alkoholkonsum der Mutter. 

Pexels/Valeriia Svietlova

Das österreichische Forscherteam hat 24 Föten untersucht, deren Mütter während der Schwangerschaft hie und da Alkohol getrunken hatten und die zwischen 22 und 36 Wochen alt waren. Zum Vergleich wurden ebenfalls Föten untersucht, die nicht in Kontakt mit Alkohol kamen. So konnten die Forschenden feststellen, dass die Gehirnstruktur Unterschiede zu Föten aufwies, die keinem Alkohol exponiert worden waren.

Schon wenig Alkohol wirkt sich auf das Gehirn aus

Um solche Unterschiede zu entwickeln, reichen gemäss den Forschenden schon kleine Mengen Alkohol aus. Von den 24 Müttern, die an der Untersuchung teilnahmen, gaben 17 an, sehr wenig zu trinken – weniger als ein alkoholisches Getränk pro Woche. Trotzdem zeigten die Föten dieser Mütter auf MRT-Scans «signifikante Veränderungen» in ihren Gehirnen, die im schlimmsten Fall auf ein fetales Alkoholsyndrom hinweisen könnten.

Schon kleine Mengen Alkohol reichen aus, um die Entwicklung eines Fötus zu beeinflussen.

Schon kleine Mengen Alkohol reichen aus, um die Entwicklung eines Fötus zu beeinflussen.

Pexels / Matilda Wormwood

Fetales Alkoholsyndrom 

Das fetale Alkoholsyndrom ist eine Kombination von verschiedenen Defiziten, die Kinder durch den Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft entwickeln können. Dazu zählen etwa eine Lernschwäche, Verhaltensprobleme oder Sprachverzögerungen. In Extremfällen ist mit dem Krankheitsbild sogar ein gewisses Aussehen assoziiert. Diese Symptome werden ausgelöst, weil der Alkohol, den die Mutter während der Schwangerschaft trinkt, direkt in den Blutkreislauf des heranwachsenden Babys gelangt.

Das fetale Alkoholsyndrom stellt in den westlichen Gesellschaften eine der häufigsten Ursache entwicklungsneurologischer Störungen dar. Das BAG geht davon aus, dass bei 7,5 Prozent der lebendgeborenen Kinder das Risiko besteht, ein FASD zu entwickeln.

Darum schadet Alkohol in der Schwangerschaft

Die Plazenta schirmt das heranwachsende Baby vor schädlichen Stoffen, die im mütterlichen Blutkreislauf kursieren, im Normalfall gut ab. Alkoholmoleküle können die Plazenta allerdings ungehindert passieren. Deshalb trinkt das Ungeborene quasi jeden Drink mit. Innerhalb nur weniger Minuten hat der über die Nabelschnur mit der Mutter verbundene Fötus daher die gleiche Alkoholkonzentration im Blut wie sie. Allerdings dauert es bei dem Ungeborenen um das Zehnfache länger, bis der Alkohol sich wieder abgebaut hat. Denn das Organ, das für die Entgiftung zuständig ist – die Leber, muss erst noch ausreifen. Also zirkuliert das Zellgift wesentlich länger im Organismus des Fötus. 

Wann ist das Risiko am grössten?

In allen Schwangerschaftsphasen kann die Gesundheit von Embryo und Fötus durch Alkoholeffekte beeinträchtigt werden. In der frühen Schwangerschaft bewirkt der Alkoholkonsum vornehmlich schwere körperliche Schäden, später verursacht er eher Wachstums- und geistige Entwicklungsstörungen.

Sichere Menge an Alkohol in der Schwangerschaft gibt es nicht

Es gibt keine gesicherten Daten über eine noch tolerierte Schwellendosis, ab der die Schädigung des Ungeborenen eintritt. Deshalb raten die Fachleute eindringlich, während der gesamten Schwangerschaft und auch in der Stillzeit komplett auf den Alkoholkonsum zu verzichten.

Besser nur Wasser: Alkohol stellt in der Schwangerschaft schon ab kleinen Mengen ein Risiko für das Ungeborene an. 

Besser nur Wasser: Alkohol stellt in der Schwangerschaft schon ab kleinen Mengen ein Risiko für das Ungeborene an. 

Pexels / Yan Krukov

«Um ein Gesamtbild zu erhalten, müssen wir aber darauf warten, dass die untersuchten Föten geboren und älter werden. Dann werden wir sie zu weiteren Untersuchungen einladen», so Patrick Kienast, Erstautor der Studie.

Das empfiehlt die Expertin

gynpoint

Die Gynäkologin Dr.med.(BG) Alina Staikov ist Praxisleiterin bei gynpoint, FMH für Gynäkologie und Geburtshilfe in Zürich.

Auf die Frage, wie viel Alkohol in der Schwangerschaft ratsam ist, erklärt sie: «Viele Frauen sind sich zu wenig bewusst, dass Alkoholkonsum während der Schwangerschaft nicht gut ist. Sicher ist, dass der komplette Verzicht auf Alkohol im Zweifel immer die beste Entscheidung ist, und wir raten unseren Patientinnen dazu.»

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