Alkohol-Konsum: Auch wer nur wenig trinkt, schadet dem Gehirn
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Alkohol-KonsumAuch wer nur wenig trinkt, schadet dem Gehirn

Eine britische Studie räumt mit der Erkenntnis auf, wonach regelmässiger, moderater Alkoholgenuss gut fürs Gehirn sei. Demnach ist das Gegenteil der Fall.

von
jcg
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Für viele Menschen gehört zu einer richtigen Party auch Alkohol dazu. Bevor man allerdings kräftig zulangt, ...

Für viele Menschen gehört zu einer richtigen Party auch Alkohol dazu. Bevor man allerdings kräftig zulangt, ...

Flickr.com/Brad K./CC BY 2.0
... sollte man sich bewusst machen, dass Alkohol, genauer gesagt Ethanol, als Gift gilt: 2007 wurde der Stoff von der WHO als potenziell krebserregend eingestuft. Ausserdem soll er nach bisherigem Kenntnisstand für über 300 Krankheiten und Organschäden verantwortlich sein.

... sollte man sich bewusst machen, dass Alkohol, genauer gesagt Ethanol, als Gift gilt: 2007 wurde der Stoff von der WHO als potenziell krebserregend eingestuft. Ausserdem soll er nach bisherigem Kenntnisstand für über 300 Krankheiten und Organschäden verantwortlich sein.

Flickr.com/Michael Smith/CC BY 2.0
Doch wie so oft gelten auch hier die viel zitierten Worte des Schweizer Mediziners Paracelsus (1493–1541), der frei übersetzt sagte: «Die Dosis macht das Gift.» Soll heissen: Gegen Alkohol spricht nichts, solange er massvoll getrunken wird.

Doch wie so oft gelten auch hier die viel zitierten Worte des Schweizer Mediziners Paracelsus (1493–1541), der frei übersetzt sagte: «Die Dosis macht das Gift.» Soll heissen: Gegen Alkohol spricht nichts, solange er massvoll getrunken wird.

Wikimedia Commons/PD

Hoher Alkoholkonsum kann zu Gedächtnisproblemen und Demenz führen. Das ist unbestritten. Dagegen haben in der Vergangenheit verschiedene Studien nahegelegt, dass massvoller Konsum das Gehirn schützt. Dem widerspricht nun eine im «British Medical Journal» publizierte Studie der Universität Oxford. Über einen längeren Zeitraum kann demnach auch moderates Trinken das Gehirn schädigen.

Für ihre Studie analysierten die Forscher seit 1985 den Alkoholkonsum und die geistigen Fähigkeiten von 550 Männern und Frauen über 30 Jahre. Am Ende des Untersuchungszeitraums scannten sie die Gehirne der Teilnehmer mithilfe der Magnetresonanztomographie. Keiner der Teilnehmer war alkoholsüchtig, allerdings unterschieden sie sich in ihrem Trinkverhalten.

Hirnareal schrumpft stärker

Es zeigte sich, dass mit steigendem Alkoholkonsum auch die Wahrscheinlichkeit stieg, dass sich der Hippocampus verkleinerte. Dieser Teil des Gehirns ist enorm wichtig für die Gedächtnisleistung. Bei denjenigen Teilnehmern, die nicht tranken, hatten 35 Prozent einen geschrumpften Hippocampus. Bei denjenigen, die etwa 1 bis 1,5 Liter Wein pro Woche tranken, waren es 65 Prozent. Und bei denen, die 2,3 und mehr Liter Wein pro Woche konsumierten, 77 Prozent. Auch die Weisse Substanz, also die Leitungsbahnen im Hirn, wurde laut den Forschern durch den Alkoholkonsum beeinträchtigt.

Zusätzlich schnitten die Trinker in einem Test zur Sprachgewandtheit schlechter ab. Dabei mussten die Teilnehmer in 60 Sekunden möglichst viele Wörter angeben, die mit einem bestimmten Buchstaben beginnen. Bei denjenigen, die etwa 0,5 bis 1 Liter Wein pro Woche tranken, nahm die Leistung über die 30 Jahre rund 14 Prozent stärker ab als bei jenen, die ein Glas oder weniger pro Woche tranken.

Wissenschaft skeptisch

Fachkreise nahmen die Studie vorsichtig auf. Zwar wurden die Ergebnisse als solide beschrieben. Aufgrund der kleinen Versuchsgruppe – besonders Abstinente waren kaum vertreten – könne die Studie aber nicht abschliessend beweisen, dass Alkohol Demenz verursache, sagte Elizabeth Coulthard von der Universität Bristol zu CNN. Die Ergebnisse hätten sich aber im Grossen und Ganzen mit ihrer eigenen klinischen Erfahrung gedeckt.

Tom Denning von der Universität Nottingham nannte die Forschung einen guten Hinweis darauf, dass «wir vielleicht alle ein bisschen weniger trinken sollten». Allerdings gab er zu bedenken, dass Menschen dazu neigen, ihren eigenen Alkoholkonsum zu tief anzugeben. Deshalb könnten die Wenigtrinker der Studie in Wirklichkeit mehr getrunken und somit die Resultate der Studie verfälscht haben.

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