Aktualisiert 13.08.2009 18:53

Thurgauer OrtsnamenAuch zukünftig «mundartnahe» Umbenennungen

Das Leserbriefthema Nummer 1 im Thurgau wird vorläufig bleiben: Die Kantonsregierung will Orts- und Flurnamen im Rahmen der Vermessung weiterhin «mundartnah» festsetzen. Sie will aber künftig der «breit geäusserten Kritik mehr Rechnung tragen».

In den vergangenen Wochen hagelte es in der Lokalpresse Leserbriefe. Die Autorinnen und Autoren kritisierten die Praxis, im Rahmen der amtlichen Vermessung Flurnamen neu «mundartnah» zu schreiben.

CVP-Kantonsrat Thomas Merz-Abt hat das Thema in einer Einfachen Anfrage aufgegriffen. In ihrer am Freitag veröffentlichten Antwort hält die Regierung fest, dass die Umbenennungen zwar mittlerweile nicht mehr vom Bund vorgeschrieben seien.

Kein Kurswechsel

Der Thurgau habe die früher geforderte Schreibweise aber bereits so konsequent umgesetzt, dass nur noch 500 der 10'000 Flurnamen noch nicht rechtkräftig festgesetzt seien. «Ein Kurswechsel im jetzigen Zeitpunkt wäre nicht zu rechtfertigen», schreibt die Regierung.

Im Rahmen der amtlichen Vermessung hat sich der Thurgau an eine 1938 vom Bundesrat erlassene Vorschrift gehalten, wonach Orts- und Flurnamen von geringer, lokaler Bedeutung «in Anlehnung an die ortsübliche Aussprache» geschrieben werden sollten. Seit Juli 2008 gilt diese Vorschrift nicht mehr.

Andere Kantone haben die alte Vorschrift mehr oder weniger ignoriert, so beispielsweise Zürich. Im Thurgau hat das Befolgen der Vorschrift zu zahlreichen Umbennenungen geführt.

Von Matzenrein zu Maazerooa

Diese wurden jedoch teilweise nur auf den Landeskarten beziehungsweise den kantonalen und örtlichen Planunterlagen vermerkt. Strassen- und Wegschilder blieben oft schriftdeutsch angeschrieben.

In letzter Zeit wurden vermehrt solche Schilder gegen andere mit «mundartnahen» Bezeichnungen ausgetauscht. So wurde aus dem «Nollen» der «Nolen», aus «Rotbühl» wurde «Roopel», aus «Matzenrein» wurde «Maazerooa».

Einheimische reklamieren, auch Generationen zurück habe niemand diese Flurnamen so ausgesprochen, wie sie jetzt in den Karten auftauchten. Teilweise seien die angeblich historischen Mundartbezeichnungen auch schlicht falsch.

Selbst in jahrhundertealten Urkunden tauchten diese Bezeichnungen nicht auf. Der ehemalige Grundbuchverwalter von Ermatingen reklamiert beispielsweise, aus «Drovettisberg» sei «Truettisbärg» geworden, obwohl der Name von einem früheren, urkundlich belegten Herrn Drovetti hergeleitet werde.

Brauchtumserhalt kontra GPS

Befürchtet wird auch, Hilfsdienste wie Feuerwehr oder Sanität könnten sich im Ernstfall verspäten, weil unterschiedliche Schreibweisen auf Karten und Wegweisern oder Strassenschildern und in GPS-Systemen auftauchten.

Die Kantonsregierung dagegen erklärt, es würden keine unbekannten alten Namen hervorgeholt, sondern solche, an die sich Alteingessene noch erinnern könnten. Es sei wichtig, die Bereinigung abzuschliessen, bevor diese Namen gänzlich verloren seien. (sda)

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