Ronaldos Coiffeur in Zürich erschlagen und erstochen – «Auf brutalste Art und Weise getötet» – Mann muss 12,5 Jahre ins Gefängnis
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Ronaldos Coiffeur in Zürich erschlagen und erstochen«Auf brutalste Art und Weise getötet» – Mann muss 12,5 Jahre ins Gefängnis

Ein 41-jähriger Mann musste sich wegen Mordes vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Das Opfer war ein Promi-Coiffeur.

von
Stefan Hohler
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Das Opfer war ein 48-jähriger Portugiese, der seit 2017 in Zürich arbeitete und lebte.

Das Opfer war ein 48-jähriger Portugiese, der seit 2017 in Zürich arbeitete und lebte.

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Der getötete Portugiese war ein Promi-Coiffeur in seinem Heimatland.

Der getötete Portugiese war ein Promi-Coiffeur in seinem Heimatland.

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Die Bluttat geschah am Morgen des 1. November 2019 in einem Hotelzimmer am Letzigraben in Zürich-Albisrieden.

Die Bluttat geschah am Morgen des 1. November 2019 in einem Hotelzimmer am Letzigraben in Zürich-Albisrieden.

BRK News

Darum gehts

  • Die Staatsanwältin forderte für einen Brasilianer, der einen Portugiesen erschlagen und erstochen hat, wegen Mordes eine Strafe von 18 Jahren.

  • Die Tat sei unvorstellbar grausam und brutal gewesen, es sei eine Übertötung gewesen.

  • Für die Verteidigerin war ihr Mandant nicht schuldfähig, er habe sich im Drogenrausch befunden.

  • Das Bezirksgericht Zürich hat ihn am Freitag zu einer Freiheitsstrafe von zwölfeinhalb Jahren und einer 13-jährigen Landesverweisung verurteilt.

Am zweiten Prozesstag im Fall des getöteten 48-jährigen portugiesischen Coiffeurs hat das Bezirksgericht Zürich den Täter, einen 41-jährigen Brasilianer, wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von zwölfeinhalb Jahren verurteilt. Zudem wird er für 13 Jahre des Landes verwiesen und muss der Mutter und den beiden Kindern des Opfers je 20’000 Franken Genugtuung zahlen.

Für das Gericht ist die vom Beschuldigten erzählte Geschichte von einem schwarzen Panther nicht glaubhaft und widersprüchlich. «Es war ein Mord», sagte der Richter am Freitag. Wegen der mittelgradig verminderten Schuldfähigkeit – verursacht durch den Drogenkonsum – fiel das Urteil mit zwölfeinhalb Jahren relativ milde aus – ansonsten hätte der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 19 Jahren rechnen müssen, so der Richter.

Die Staatsanwältin hat für den beschuldigten Brasilianer eine Freiheitsstrafe von 18 Jahren wegen Mordes verlangt. Zudem soll er für 15 Jahre des Landes verwiesen werden. «Er hat das Opfer auf brutalste Art und Weise getötet», sagte sie. Es habe ein eigentlicher Overkill vorgelegen, eine Übertötung. Der Rechtsmediziner hat bei der entsetzlich entstellten Leiche rund 40 Verletzungen festgestellt. «Der Beschuldigte hat erbarmungslos und grausam gehandelt», so die Anklägerin.

«Wahnvorstellung im Drogenrausch»

Der Tatmotiv ist nicht bekannt, der Psychiater spricht von einem Aggressionsdurchbruch, mitverursacht durch das konsumierte Kokain und Crystal Meth. Dass der heute 41-jährige Brasilianer aber im Drogenrausch gehandelt habe, sei eine Schutzbehauptung, ist die Staatsanwältin überzeugt: «Er hat den Tatort aufgeräumt und gezielt Spuren und Beweise vernichtet.» Dass noch andere Personen im Hotelzimmer waren, wie dies der Beschuldigte sagte, stimme nicht: «Fremdspuren fehlten vollständig, es gab nur DNA-Spuren von ihm und dem Opfer.»

Im Gegensatz zur Staatsanwältin, welche den Beschuldigten als schuldfähig erachtete, befand sich für die Verteidigerin ihr Mandant in einer selbstverschuldeten Unzu­rechnungsfähigkeit und soll mit einer dreijährigen Freiheitsstrafe bestraft werden. Vom Vorwurf des Mordes sei er freizusprechen und auf eine Landesverweisung sei zu verzichten. «Es lag zur Tatzeit eine vollständige psychotische Entgleisung vor», so die Verteidigerin.

Der Brasilianer habe sich in einer Wahnvorstellung befunden und einen schwarzen Panther mit einem Messer gesehen, der ihn angreifen wollte. «Für eine erfundene Geschichte ist die These von einem schwarzen Panther fast zu kitschig», sagte sie. Ihr Mandant habe keinen Menschen töten wollen, sondern ein Monster. Es gebe auch kein anderes Tatmotiv als eine Wahnvorstellung im Drogenrausch. Aus all diesen Gründen sei ihr Mandant nicht schuldfähig.

Opfer war Promi-Coiffeur

Die beiden Männer hatten sich am frühen Morgen des 1. November 2019 in einem Hotelzimmer in Zürich-Albisrieden getroffen, um Drogen zu konsumieren und Sex zu haben. Während oder nach dem Sex schlug der heute 41-jährige Brasilianer laut Anklageschrift heftig und unzählige Male auf Kopf und Körper des 48-jährigen Portugiesen und stach mit einem Messer auf ihn ein.

Das Opfer war in seinem Heimatland in Madeira ein Promi-Coiffeur gewesen. Auf seinem Facebook-Profil zeigte er seine Arbeit mit mehreren prominenten Persönlichkeiten aus Portugal – darunter auch ein Foto mit Fussball-Superstar Cristiano Ronaldo aus dem Jahr 2015. In Zürich, wo er seit 2017 lebte, war er jedoch als Hilfsarbeiter tätig und zur Tatzeit obdachlos.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

Agredis, Gewaltberatung von Mann zu Mann, Tel. 078 744 88 88

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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